Dennis Just hat Knip gegründet und scheut keine Auseinandersetzung.

Dennis Just ist nicht auf den Mund gefallen. Oder auf die Tastatur. Wenn der Knip-Gründer angegriffen wird, verteidigt er sich. Denn mit seiner Versicherungs-App tritt er den alteingesessenen Größen gehörig auf die Füße – und genießt es.

Mit Knip können Nutzer all ihre Policen per App auf dem Smartphone verwalten und erhalten eine Übersicht über ihre Verträge. Das Startup konkurriert dabei nicht nur mit der Heidelberger App GetSafe, sondern auch mit Clark – einem Startup aus dem Berliner FinLeap-Inkubator.

Auf der Wired-Money-Konferenz in Berlin trafen wir Dennis Just. Und er hat uns verraten, wie er zum (mehrfachen) Gründer wurde, wieso es Insurtech sein musste und was die Versicherungsbranche unbedingt verstehen muss.

Dennis, wie bist Du zum Gründer geworden?

Ich habe mit 16 viel gezockt, hauptsächlich Call of Duty. Und ich habe dann die Szene-Seite Doubleslash gestartet, die schnell zur größten in Deutschland wurde. Auf der lief Werbung und so habe ich sogar Geld verdient. Das hat in mir die Begeisterung geweckt, etwas für andere zu machen und unternehmerisch tätig zu werden.

Das erste Unternehmen hast Du aber nicht gleich gegründet.

Nein, meine Eltern haben mich erst mal dazu gezwungen zu studieren. Die Seite habe ich für 5.000 Euro verkauft. Während des Wirtschaftsingenieur-Studiums an der TU Berlin habe ich aber immer wieder Sachen ausprobiert, zum Beispiel eine Übersetzungsplattform. Aus nichts wurde ein Unternehmen, aber ich habe viel gelernt in dieser Zeit.

Was war Dein erstes richtiges Startup?

Anzeige
Zusammen mit einem ehemaligen Rocket-Mitarbeiter habe ich mitten im Couponing-Boom etwas Neues versucht: physische Produkte als Tagesangebote zu verkaufen. Farbige Kontaktlinsen an Helloween, E-Zigaretten am 1. und 2. Januar. Streusalz zum Winteranfang hat sehr gut funktioniert. Das Witzige: Wir haben die Sachen erst tatsächlich eingekauft, nachdem wir sie auf der Plattform verkauft hatten. Einmal mussten wir ein halbes Flugzeug aus China chartern, um 10.000 E-Zigaretten einzufliegen.

Das Startup hast Du aufgegeben, Dich von Deinem Mitgründer herauskaufen lassen. Warum?

Es war kein besonders nachhaltiges Geschäftsmodell. Gleichzeitig haben viele Wettbewerber versucht, das Modell zu kopieren. Ganz ehrlich habe ich aber auch eine Auszeit gebraucht. Man macht viele Fehler in den ersten Jahren. Das muss man erst einmal verdauen, um daraus auch etwas lernen zu können.

Also hast Du das Gründerleben erst einmal aufgegeben.

Richtig. Ich bin in die Schweiz gegangen und habe dort als Head of Product für DeinDeal gearbeitet. Die wollten auch in das Geschäft mit physischen Produkten einsteigen, das hat also ganz gut gepasst.

Und in der Schweiz hast Du Dich dann von der Finanzbranche begeistern lassen?

So blöde das erst einmal klingen mag, es stimmt. Zusammen mit einem Inkubator und zwei Mitgründern habe ich die Finanzapp Numbrs gestartet. Die war auch recht erfolgreich, das Team ist heute 60 bis 70 Mitarbeiter groß.

Wieso bist Du dort auch ausgestiegen – das scheint ja ein Muster bei Dir zu sein?

Ich wollte etwas anderen aus der App machen als der Inkubator. Außerdem wollte ich ja schon wieder etwas wirklich eigenes machen. Die Zeit im Inkubator war sozusagen ein erster Schritt dorthin. Aber ich habe in der Zeit auch wieder viel gelernt – insbesondere über Finanzintermediäre und wie viel Geld man damit verdienen kann.

Deswegen also Knip. Hat der Name eigentlich eine Bedeutung?

Das heißt Geldbörse auf holländisch. Es gibt aber keinen Grund für den Namen. Alle wichtigen Domains waren frei und wir konnten die Markenrechte bekommen. Die App haben ich mit einer Kollegin bei Numbrs gestartet, meiner Mitgründerin Christina Kehl.

Wieso Insurtech?

Wir hatten gesehen, wie komplex das Geschäft ist. Es braucht Lizenzen, Kooperationen und extrem viel muss per Hand erledigt werden. Anders formuliert: Es besteht tolles Automatisierungspotenzial und man kann damit Geld verdienen.

Das macht Ihr über Provisionen.

Wir machen ja eigentlich keine Beratung. Wir könnten zwar, falls Bedarf besteht, wir haben auch eigene Berater. Was wir aber machen, ist eine Analyse: Fehlt eine wichtige Versicherung? Sind die Verträge die Richtigen, also passen sie zur Person? Knip wird niemals der Nummer-1-Berater werden. Was wir aber sehr gut einordnen können, sind Standardprobleme und Standardprodukte.

Gerade hat der Vertriebschef des größten deutschen Maklers ziemlich deutliche Worte dafür gefunden, dass Ihr das nicht transparent macht. Warum tut Ihr das nicht?

Es bringt dem Kunden ja erst einmal nichts, das zu wissen. Deswegen haben wir das bisher nirgendwo hingeschrieben. Bald muss es per Gesetz aber ohnehin jeder Makler in der EU offenlegen, auch wir.

Derzeit ist Knip nur ein erster Schritt, das Versicherungsdickicht zu vereinfachen. Was kann die App in fünf Jahren, das sie einzigartig macht?

Sie macht Dich automatisch sicher. Ideal wäre es, wenn sie nur noch einen Knopf haben müsste.

Wie kann das gehen?

Indem sie zuerst einmal die richtigen Standardprodukte für Dich findet. Das ist erst einmal nicht schwer, sondern lässt sich recht einfach aus Deinem Profil ableiten – Alter, Job, Auto oder nicht und so weiter. Hinzu kommen die passenden Produkte zu Deinen Verhaltensdaten, speziell für einen Fallschirmspringer etwa.

Was muss bis dahin in der Versicherungsindustrie passieren?

Es gibt heute keine Produkte, die bedarfsorientiert sind. Aber es wird nicht mehr lange dauern, bis jemand die Versicherungen und vor allem die Prozesse neu denkt. Je mehr sich automatisieren lässt, desto näher kommt Knip daran, der Ein-Knopf-Versicherer sein zu können.

Dennis, vielen Dank für das Gespräch!

Bild: Jan Philip Welchering