Humly

Das Humly-Team: Arne Wolters, Gesa Schramme, Philipp Joas und Jonathan Holloway (von links)

Gerade einmal ein halbes Jahr hat Humly durchgehalten. Nun meldet das Berliner Anti-Depressions-Startup bereits Insolvenz an. Das Angebot von Humly sollte Menschen mit personalisierten Selbsthilfekurse online bei Depressionen beraten. Für eine Nutzungsgebühr von 49 Euro pro Monat versprach das Startup eine Online-Betreuung mit einem Psychologen, neun Euro mussten die Nutzer für einen reinen Software-Kurs zahlen. Bisher bot Humly lediglich eine Webseite an, im Herbst sollte eine App folgen.

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Erst im Mai hatte Humly 250.000 Euro Startkapital von Rheingau Founders eingesammelt und beschäftigte zuletzt 17 Mitarbeiter. Diese dürften auch der Grund für das frühe Aus des Unternehmens gewesen sein. „Wir haben ein sehr komplexes Produkt entwickelt“, sagt Mitgründer und Geschäftsführer Philipp Joas gegenüber Gründerszene. „Dadurch hatten wir von Anfang an sehr hohe Mitarbeiterkosten.“ Acht Wochen nach der Gründung sei die Webpräsenz fertig gewesen, die Entwicklung der App habe aber viel Geld und Zeit gekostet. Zu viel für die „dicken Bretter“, die man habe bohren wollen.

Auf der anderen Seite blieben die Anmeldungen überschaubar. Humly habe zuletzt eine „fast vierstellige Nutzerzahl“ aufgewiesen, so der Gründer. „Am Ende ist uns die Zeit und leider auch das Geld ausgegangen, die Learnings der vergangenen Monate umzusetzen und genügend Traktion für ein Folgeinvestment zu erhalten“, heißt es weiter. Ob die Insolvenz nun das endgültige Aus für das Unternehmen bedeutet, ist noch nicht klar. „Ich glaube weiterhin an das große Potential der Idee hinter Humly“, so Joas. Er wolle in den kommenden Wochen um neue Investitionen werben.

Der Markt der Depressions-Apps ist derzeit heiß umkämpft. Platzhirsch Arya bietet bereits seit Jahren einen ähnlichen Service an. Die App versucht ihre Nutzer zu positiven Alltagserlebnissen zu verführen und schickt gesammelte Daten auf Wunsch an einen behandelnden Therapeuten. Ebenfalls am Geschäft mit depressiven Menschen interessiert sind Selfapy und Moodpath. Mit viel Medien-Echo ist kürzlich die Enke-App gestartet, benannt nach dem Fußballtorwart Robert Enke, der sich 2009 das Leben nahm und dessen Tod bundesweit für Aufmerksamkeit sorgte. Mit der App können Betroffene in einer schweren Krise über einen SOS-Knopf schnell Hilfe rufen. Eine angeschlossene Beratungshotline ist rund um die Uhr besetzt.

Bild: Humly