Startup-Experte von Microsoft Stephan Jacquemot

Startup-Experte von Microsoft Stephan Jacquemot

Am Anfang eines jeden erfolgreichen Unternehmens steht die gute Idee. Eine Idee für ein Produkt, das es so noch nicht gibt und das Potenzial hat, vielen Menschen weiterzuhelfen. Doch wie geht es dann weiter, wenn man diese gute Idee hat? 

Darüber sprach gestern Stephan Jacquemot auf der Heureka Conference, der bei Microsoft die Position Startup Strategy Lead Germany innehat. Auf folgende Punkte ging er bei seinem knapp eine Stunde dauernden Workshop näher ein – und gab ganz persönliche Tipps an junge Unternehmer und solche, die es werden wollen:

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Team

Das Team ist laut Jacquemot der entscheidende Faktor für den Erfolg einer Firma. Seiner Meinung nach braucht es einen CEO, einen CTO und einige Designer und Entwickler – und zwar von Anfang an. Sobald es die Möglichkeit gibt, einen guten Entwickler einzustellen, solle man die deshalb ergreifen. Wirtschaftswissenschaftler seien nachrangig einzustellen, so der Experte.

Eine Position, die nach Jacquemot entbehrlich sei und nicht besetzt werden müsse, sei die des CFO.

Bei der Personalauswahl solle man darauf achten, dass die Mitarbeiter sich in ihren Kenntnissen ergänzten. Allerdings müssten sie auch ein gewisses Verständnis für die Aufgaben der anderen haben.

Man solle sich ein Team außerhalb des Teams aufbauen – und sich Unterstützer außerhalb der Firma suchen. Und: Die ersten fünf Mitarbeiter bestimmten die Unternehmenskultur immens: Darum solle man sich bei deren Auswahl Zeit lassen. Wer keine Top-Kräfte einstellen könne, solle am besten gar nicht gründen, findet Jacquemot.

CEO

Wie leidenschaftlich steht ein Gründer hinter seinem Produkt? Wie intelligent kommt er rüber? Das seien Punkte, die bei Entscheidungen für ein Investment wichtig seien, so Jacquemot. Er betont zwar, dass er es ätzend findet, dass Erfolg mit Intelligenz öfters mal in Zusammenhang gebracht wird. Aber er sagt auch, dass gute Geschäftsführer häufig helle Köpfe seien.

Investoren achteten oft darauf, wie gut ein Gründer kommunizieren und zuhören könne. Und: Unternehmer müssten nach Ansicht von Jacquemot gewissen Stärken mitbringen, um an Kapital zu kommen: Gut müssten sie beispielsweise im Management und im Fundraising sein. Auch die Finanzen müssten sie im Blick haben und ein grundlegendes Verständnis für Technologien mitbringen. Rechtlich bräuchten sie Grundkenntnisse – für alles weitere gebe es Experten in diesen Gebieten.

Von Vorteil sei, wenn Gründer bereits Erfahrung in der Unternehmensführung mitbringen. Der Besuch von Gründer-Veranstaltungen sei in der akuten Aufbauphase eines Unternehmens nicht so wichtig, da solle man sich lieber darauf besinnen, das Produkt voranzutreiben. Und: Gründer sollten ihre Grenzen kennen und ab und zu Sport treiben.

Funding

Was das Funding anbelangt, sollen Gründer nach Ansicht von Jacquemot mindestens 25.000 Euro mitbringen. Falls sie nicht so viel Geld auftreiben können, sollten sie es sein lassen, so der Microsoft-Experte. Sie sollten sich ein Netzwerk aufbauen und eine Person aufs Fundraising abstellen. Jacquemot empfiehlt auch, sich an Business Angels zu halten und institutionelle Investoren zumindest für den Anfang zu meiden. Denn von den Kenntnissen der Angels profitiere man mitunter mehr.

Die Seedrunde soll man laut Jacquemot sehr früh, so nach zwei bis drei Monaten zusammenhaben. Hier empfiehlt Jacquemot einen bis drei Angel-Investoren einzubeziehen.

Überhaupt solle man nicht zu viele Gesellschafter mit ins Boot holen und sich lieber auf ein paar wenige konzentrieren, die die Firma wirklich auch mit Rat, Erfahrung und Netzwerk weiterbringen können, so der Experte. Bei der Seedrunde sollte man außerdem eine realistische Unternehmensbewertung von 300.000 bis 1,5 Millionen Euro anpeilen – diese Summen fänden Investoren spannend. Die Series-A-Runde sollte dann so nach einem Jahr stattfinden. Hier müssten Gründer dann schon deutliche Umsätze vorweisen können (mindestens im sechsstelligen Bereich) – und sowieso sollten sie immer die Kosten im Blick behalten.

Ganz am Anfang sollten sich Gründer viel Feedback von den Kunden einholen, sagte Jacquemot. In dieser Phase solle noch kein Marketing stattfinden. Es sei normal, dass das erste Produkt, der Prototyp, einem peinlich sei, meint Jacquemot – sonst habe man zu spät gegründet.

Sobald man wisse, was die Kunden wollten, solle man das Produkt weiter optimieren und anfangen, sich einen Namen zu machen. Zu diesem Zeitpunkt sei dann auch Marketing gefragt. Nach Ansicht des Microsoft-Experten entscheidet nicht die Anzahl der Facebook-Freunde über den Erfolg einer Firma, sondern Faktoren wie Umsatz, aktive Kunden oder abgesetzte Produkte.

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Unternehmen

Als Unternehmensform empfiehlt Jacquemot Gründern die GmbH oder die UG. Sie sollten sparsam sein, nicht zu viel Geld für Büroräume oder Dinge wie teure Kaffeemaschinen ausgeben, mahnt er. Und sie sollten eine Art Mädchen für alles sein – und sich auch um Aufgaben kümmern, die nicht direkt mit dem Produkt zu tun haben. Firmensitz solle erstmal da sein, wo Kunden, Talent oder Geldgeber zu finden sind. Außerdem könnten Gründer einen Blog schreiben oder PR betreiben, um sich einen Namen zu machen.

Viel Zeit für andere Sachen haben sie bei dem Pensum übrigens wenig – und das weiß auch der Redner. In den ersten Jahren sei es normal, bis spät abends für sein Unternehmen zu arbeiten, sagt er. Man solle sich Freunde suchen, die Verständnis dafür haben, wenn man keine Zeit habe. Allerdings gebe es auch sehr erfolgreiche Gründer, die immer pünktlich Feierabend gemacht hätten, erwähnt Jacquemot. Bei denen habe das gut funktioniert, weil sie bei der Arbeit fokussiert geblieben seien.

Zum Schluss sagt Jacquemot noch: „Der Risikokapital-Markt ist nichts anderes als ein arabischer Basar.“ Es gilt sich zu präsentieren. Gründer müssten extrem professionell sein, um Geldgeber von sich zu überzeugen. Und falls sie kein Investment bekämen, sollten sie das nicht persönlich nehmen. Es könnte einfach ein wertvoller Hinweis darauf sein, dass sie ihr Geschäftsmodell einfach nochmal überarbeiten sollten.

Was denkt ihr: Geht es auch ohne CFO in der Firma? Wie viele Co-Founder sind ideal? Wie viel Kapital sollte man zum Gründen mitbringen? Schreibt uns an redaktion(at)gruenderszene.de!

Bild: Gründerszene / Chris Marxen Headshots