Der Wachstumsbeschleuniger Coparion - KfW

David Zimmer (li.) und Christian Stein (re.) managen den neuen Fonds Coparion, mit dem die KfW innovativen Unternehmen in der Frühphase hilft. Im Gespräch schauen die Geschäftsführer auf die deutsche Startup-Branche und erklären, was sie antreibt. Bild: KfW Bankengruppe / Thorsten Futh

 

Warum ist die Neugründung von Coparion für Sie ein bedeutender Schritt?

David Zimmer: Sie ist ein starkes Signal für Deutschland: Nachdem sich das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und die KfW durch den High-Tech Gründerfonds bereits für die Finanzierung in der Seed-Phase engagieren, bietet Coparion jungen Unternehmern nun einen hervorragenden Weg zur Finanzierung der folgenden Entwicklungsphasen. Das ist von hohem volkswirtschaftlichen Nutzen, schafft Innovation und Arbeitsplätze.

Christian Stein: Diese Neugründung schafft ein zusätzliches Finanzierungsangebot in der Unternehmensphase, in der die Beschaffung von signifikanten Finanzierungsmitteln nötig, aber sehr schwierig ist: in der Startup- und jungen Wachstumsphase. Häufig ist die zweite, dritte oder vierte Finanzierungsrunde zu klein, um erste Erfolge in einen signifikanten Durchbruch zu verwandeln. Dieses Problem habe ich als Unternehmer am eigenen Leib erfahren. Während zum Beispiel in den USA vergleichbare Unternehmen zehn Millionen Euro einwerben, erhält ein deutsches in gleicher Situation nur eine bis drei Millionen Euro. Das soll nicht heißen, dass alle zehn Millionen benötigen, ist aber ein Indikator für ein Problem.

Somit können deutsche Startups ihr volles Potenzial oft nicht ausschöpfen. Aber um Missverständnisse zu vermeiden: Wir sind nicht auf eine spezielle Entwicklungsphase oder ein Finanzierungsvolumen beschränkt. Wir sind sehr flexibel.

Was braucht es, damit Coparion ein voller Erfolg wird?

Stein: Für uns ist der wesentliche Erfolgsfaktor, Coparion marktgerecht aufzustellen. In den vergangenen Wochen konnten wir gemeinsam mit unseren Investoren, das heißt unseren Ansprechpartnern vom ERP Sondervermögen und der KfW, eine sehr gute Struktur erarbeiten, mit der wir ebenso schnell, mehrwertstiftend und nah an den Unternehmen agieren können wie ein privater Investor. Mein Kollege Zimmer und ich verfügen zudem über langjährige Investmenterfahrung aus dem Markt, um diese Struktur mit Leben zu füllen.

Zimmer: Marktakzeptanz wird der Schlüssel sein. Wir werden intensiv mit den privaten Marktteilnehmern kommunizieren, um die Möglichkeiten und den Mehrwert von Coparion deutlich zu machen. Es gibt in Deutschland nicht viele Fonds mit einem vergleichbaren Volumen. Daher spielt die Größe von Coparion mit Sicherheit eine wichtige Rolle. Zusätzlich ist Langfristigkeit für uns von hoher Bedeutung. Auf unserem Gebiet ist das ein wichtiger Faktor. Mit dieser Mischung wollen und werden wir erfolgreich sein.

Welche Erfahrungen aus Ihrem bisherigen Werdegang werden Ihnen bei Ihrer Arbeit für Coparion besonders helfen?

Stein: Ich war bereits sieben Jahre als Investment-Manager und Partner eines Venture-Capital-Fonds tätig. Dabei arbeitete ich unmittelbar mit Kollegen zusammen, deren VC-Erfahrung in Deutschland und Europa nur wenig Vergleich findet – so konnte ich außerordentlich viel lernen. Außerdem kenne ich die operativen Herausforderungen junger Technologieunternehmen: aus meiner Zeit als Mitgründer eines Start-ups im Jahr 2000 – was leider nicht lange gut gegangen ist – und als Interim-COO eines stark wachsenden IT-Unternehmens.

Zimmer: Innerhalb des Management-Teams ergänzen sich unsere bisherigen beruflichen Erfahrungen sehr gut: Während Christian Stein über exzellente Kenntnisse der Frühphasenfinanzierung und damit der Bedürfnisse kleinerer Unternehmen verfügt, liegt ein großer Teil meiner Erfahrung in der Wachstumsfinanzierung mittelständischer Unternehmen. Zudem habe ich sowohl operative Erfahrungen in Linienfunktionen gesammelt, als auch als Unternehmensgründer, die ich in unsere gemeinsame Arbeit einbringen werde.

Welche Unternehmen sollten sich bei Coparion um Wagniskapital bewerben?

Stein: Wichtig ist, dass die Unternehmen erste sichtbare Erfolge sowie ein überdurchschnittliches Wachstumspotenzial vorweisen können. Und wir benötigen für unser Investment unbedingt einen privaten Co-Investor, der ,pari passu‘ mitfinanziert. Somit sollten insbesondere auch private Investoren auf uns zukommen, die mit uns gemeinsam finanzieren möchten.

Zimmer: Die Dienstleistung oder Produktneuheit sollte durch hohe Innovationsstärke überzeugen. Auch eine Skalierbarkeit des Angebots ist wichtig. Klar ist: Eine hohe Wahrscheinlichkeit der Wertsteigerung der Investition ist für uns entscheidend. Unser Fokus liegt auf innovativen Technologie- und Dienstleistungsunternehmen. Thematische Einschränkungen nehmen wir nicht vor.

Vollenden Sie zum Ende unseres Gesprächs bitte den Satz: Die Startup-Branche in Deutschland …

Stein: … bleibt leider noch hinter ihrem Potenzial zurück. Grund hierfür ist sicherlich ein nicht so weit entwickeltes Ökosystem wie im Silicon Valley, insbesondere hinsichtlich der Möglichkeit für Startups, hohe Exit-Bewertungen zu erreichen – aber auch hinsichtlich der Fähigkeit, große Finanzierungsrunden auf dem Weg dorthin zu stemmen.

Zimmer: … ist spannend wie nie! Und hat ein Niveau erreicht, auf dem auch Rückschläge den langfristigen, positiven Trend nicht aufhalten können. Was wir uns wünschen, sind noch mehr innovative Startups, die nicht nur innovative Geschäftsmodelle besitzen, sondern auch die hohe deutsche Innovationskraft in technologischen Bereichen für ihre Unternehmensgründungen nutzen.

 

Der Wachstumsbeschleuniger1-KfWDavid Zimmer
Ausbildung: Volljurist, MBA (Kellogg- WHU)
Zuletzt tätig bei: Quadriga Capital
Alter: 45
Familienstand: Ledig
Interessen: Mountainbiking, Kochen
Bild: KfW Bankengruppe / Thorsten Futh

 

 

 

Der Wachstumsbeschleuniger2-KfWChristian Stein
Ausbildung: B.Sc. (Wirtschaftsinformatik), MBA (University of Chicago)
Zuletzt tätig bei: Creathor Venture, zadego
Alter: 38
Familienstand: Verheiratet
Interessen: Yoga, Jogging, ,Nerd sein‘

Bild: KfW Bankengruppe / Thorsten Futh

 

 

 

 

 

Gespräch: Lenore Esser
Alle Bilder: KfW Bankengruppe / Thorsten Futh