Deutsche-Bahn-New-Business-Unit

Die Deutsche Bahn ist in der Startup-Szene keine Unbekannte. An vielen Stellen hat sie sich in den vergangenen Jahren an digitalen Aktivitäten versucht. So holte der Staatskonzern mehrmals Startups in das eigene Accelerator-Programm, stellte mit der Mindbox einen Coworking-Space in der Hauptstadt zur Verfügung und einzelne Konzernbereiche investierten in Startups. Will heißen: Das Unternehmen hat sich herangetastet an die Digitalszene. Auch weil es sich dringend neu aufstellen muss, für das vergangene Jahr hatte Bahn-Chef Rüdiger Grube den ersten Verlust seit mehr als einem Jahrzehnt vermelden müssen – und der fiel mit 1,3 Milliarden Euro auch nicht gerade gering aus.

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Künftig soll das Digital-Engagement etwas tiefer verankert werden. In der Vergangenheit hat hat Grube schon mehrmals über einen Fonds gesprochen, den er für Investitionen in Startups bereitstellen wolle. In Kürze soll die Deutsche Bahn Digital Venture GmbH nun ganz offiziell starten. Geleitet wird der Fonds von Manuel Gerres und Boris Kühn. Den beiden Geschäftsführern steht zunächst noch ein Portfoliomanager zur Seite, später sollen weitere hinzukommen.

Wie viel Kapital das Team verwalten wird, will Gerres gegenüber Gründerszene nicht verraten. Nur so viel: Das Geld soll vor allem in frühen Phasen in für den Konzern interessante Unternehmen fließen. „Wir sehen uns vor allem nach Seed- und Serie-A-Finanzierungen um“, so Gerres, der von der Schweizer Bahn kommt, wo er bereits mit der Digitalisierung des Konzerns beauftragt war.

Parallel zum Fonds startet die Deutsche Bahn am 1. November auch ihre New Business Unit, eine Art Company Builder. Das ebenfalls von Gerres geleitete und zu Beginn knapp zehnköpfige Team soll interessante Geschäftsmodelle ausfindig machen – im Konzern und außerhalb – und ein Netzwerk aufbauen, das die Unternehmen in einer frühen Phase unterstützen kann. Im Idealfall sollen die herangezüchteten Unternehmen dann nach sieben bis neun Monaten bereit für ein Investment des hauseigenen Fonds sein.

Ob internes Projekt oder bereits bestehendes Startup – in jedem Fall will die Bahn Minderheitsinvestor sein. „Damit das Startup Startup bleiben kann und nicht vom Konzern vereinnahmt wird“, erklärt Gerres die Philosophie dahinter.

Denn der Illusion, neue Ventures einfach am Konzern anzudocken zu können, gibt man sich bei der Bahn offenbar nicht hin: „Es werden ja Marktmitspieler zum Kerngeschäft aufgebaut“, sagt Gerres. Bislang hatte man sich beim Staatskonzern eher auf eine Ausweitung der bestehenden Aktivitäten in neue Bereiche fokussiert. Beispiel Personentransport: Hier hatte die Bahn nach der Öffnung von Langstreckenverbindungen für Fernbusse ein eigenes Angebot auf der Straße gestartet – sich dann allerdings der Übermacht des Marktführers Flixbus gebeugt und den Dienst weitgehend eingestellt.

Zukünftig sollen die Projekte auch nicht immer direkt mit der Marke Deutsche Bahn identifiziert werden. Die, so Gerres, habe ja einen gewissen Ruf. Zudem wolle man sich in einem wichtigen Punkt unterscheiden von all den anderen deutschen Konzernen, die mit ihren vergleichbaren Startup-Anläufen meist wenig Erfolg hatten: „Wir wollen wirtschaftlich unabhängige Unternehmen aufbauen.“

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Wonach suchen Gerres und sein Team also konkret? Zum einen nach Unternehmen, bei denen die Bahn durch eine Beteiligung direkt profitieren kann. Damit sind beispielsweise Plattformen wie das Accelerator-Startup Trainline gemeint, über die Kunden Reiseverbindungen bei unterschiedlichen Anbietern finden und buchen können, Ansätze wie Flixbus, oder innerstädtische Logistik-Konzepte wie etwa das von Foodora. Dabei soll das Geschäft der Startups wie eine neue Unternehmenskomponente verstanden werden – neben den vorhandenen wie Personenverkehr, Güterverkehr oder Immobilien.

Bild: Adam Berry / Kontributor