DHDL

Shooting-Stars der 3. Folge sind die Erfinder eines aufgemotzten Handtuchs für Fitness-Studios: das Towell+

Gestern lief die dritte Folge der Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“ auf Vox. Kurios waren dieses Mal weniger die Produkte als vielmehr die Show-Teilnehmer. Mit dabei: ein Werbetexter für Zahnpasta-Spots, eine Hautcremes-Verkosterin und zahme Löwen. Doch der Reihe nach.

Der Zahnpasta-Werbetexter

Vier Kinder hat er, erzählt Gründer Randell Pitts. Vier Kinder, die er jeden Morgen und Abend zum Zähneputzen überreden muss. Acht Diskussionen pro Tag, 56 pro Woche. Das wäre doch eigentlich skalierbar findet Pitts und schlägt den Löwen eine Anti-Karies-Pille vor, die Zähneputzen nicht nur bei Kindern wieder beliebt machen soll.

Der Grundstoff ist Xylit, ein Zuckeralkohol, der antibakteriell wirkt. So weit, so gut – wäre nicht Pitts Mitgründer Philip Kirchhof mit am Start. Denn der zeigt ungeahnte Fähigkeiten sendereife Zahnpasta-Werbeslogans abzuspulen. Kostprobe?

„Mit Penta-Sense können wir Karies endlich Goodbye sagen“, wirbt Kirchhof, „Denn wir bekämpfen die Ursache von Karies und nicht die Symptome.“ Während Randell eine Geschichte um sein Produkt und seine putz-faulen Kinder erzählt, nutzt Kollege Kirchhof jede Gelegenheit für gut platzierte Werbebotschaften: „Hier kommt Penta-Sense ins Spiel. Penta-Sense-Pastillen sind Zahnpflege-Lutsch-Pastillen, welche die op-ti-ma-le Lösung für gesunde Zähne bieten. Noch nie war Zahnpflege so einfach wie mit diesem Produkt.“ Aha.

150.000 Euro wollen die Pillen-Produzenten für zehn Prozent der Anteile von den Löwen haben. Doch da sie seit 2012 erst 4.000 Pastillen-Dosen verkauft haben, wollen die Löwen das Angebot nicht recht schlucken. Carsten Maschmeyer steigt aus. Einzig Judith Williams versorgt ihre Zähne mit einem Rundum-Schutz und futtert sich durch die Geschmacksrichtungen Himbeere, Zitrone und Pfefferminze. Die abführende Wirkung und Verdauungsprobleme, die bei einer übermäßigen Einnahme von Xylit drohen, sind ihr offensichtlich nicht bekannt.

Zu trivial zu kopieren, meckert auch Frank Thelen und will kein Geld geben, Xylit gebe es bereits als Kaugummi. Auch Schweizer ist draußen. Doch dann bahnt sich Rettung für die Pillendreher an. Williams und Dümmel wollen zusammenlegen. 150.000 Euro bieten sie für 30 Prozent. Die Gründer willigen ein. Deal. „Das wird riesig“, freut sich Judith Williams und fügt sardonisch hinzu: „Denn Zähne wachsen nicht nach!“

Die Creme-Verkosterin

Sie ist jung, lebt in der Schweiz und mixt vegane Naturkosmetik mit der Hand. Hendrike Grubert führt das kleine Unternehmen Ponyhütchen, das nun groß rauskommen soll. 50.000 Euro will sie für zehn Prozent Firmenanteil haben. Der Name des Unternehmens stammt von einer Figur aus dem Buch „Emil und die Detektive“. Das erinnere sie an ihre Heimat Berlin, erzählt Grubert. Wohl eher ein Name, der zu später Stunde auf einer Party entstanden sei, mosert Ralf Dümmel. Für eine Firma mit Kosmetik doch wohl eher seltsam.

Um die Natürlichkeit ihrer Produkte zu beweisen, zückt Grubert unbeirrt einen Löffel. Sie werde ihre Deocreme jetzt essen. Spricht‘s und macht sich über das beige Gemisch aus Kokos-Öl, Natron, Sheabutter und Zinkoxid her.

„Schmecken tut es natürlich nicht“, gibt die professionelle Kosmetik-Verkosterin gequält zu und greift nach einem Wasserglas, „Der Abgang ist richtig fies.“ Die Begeisterung der Löwen zuzubeißen, hält sich ebenfalls in Grenzen. „Riecht sehr feminin“, meckert Jochen Schweizer, „Für Männer ist das nix, oder?“ Das sei erst in Arbeit, entgegnet Grubert, will dann aber für ihre anderen Produkte keine Gewinnmarge nennen. Die Konkurrenz guckt ja sicher zu. Die Investoren wundern sich.

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Doch dann kühl sich die Stimmung merklich ab: Judith Williams will wissen, was Ponyhütchen besser macht. Besser als all die Firmen in Williams‘ eigenem Teleshopping-Imperium. „Meine Produkte sind frisch“, fällt der Gründerin ein. Das reicht nicht, findet Williams und fragt nach Bio-Zertifizierung und ob Ponyhütchen-Produkte auf Hautunverträglichkeiten getestet sind. Nein, entgegnet die Gründerin, das Label „dermatologisch getestet“ sei sowieso überbewertet. Bei Löwin Williams sorgt das für Schnappatmung: „Ich bin fassungslos. Wir geben Abertausende aus, um zu vermeiden, dass jemand die Produkte nicht verträgt.“ Dass jemand ohne Gesundheits-Checks Kosmetik verkauft, macht sie sichtlich wütend: „Das ist fahrlässig. Das kann man nicht machen. Undenkbar.“ Damit ist der Pitch vorbei. Ponyhütchen-Gründerin Grubert muss ohne Deal die Show verlassen.

Das Team mit dem „fast perfekten Pitch“

Dann ist es Zeit für den Höhepunkt der Show: Das Towell-Team läuft in die Löwen-Arena ein. Drei Jungs, Mitglieder einer Hamburger Design-Agentur, haben das Handtuch neu erfunden: das Towell+ soll bald in jedem Fitness-Studio hängen. Der Pitch wird mit persönlichen Studio-Erlebnissen und Hantel-Übungen ausgeschmückt. Schweizer gefällt‘s.

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Drei Jungs – drei Features hat das Towell. Dank Handtuch-Kapuze lässt es sich auf Fitnessgeräten fixieren. Eine eingebaute Tasche soll zudem Studio-Mitgliedskarte und Geldbörse sichern. Wer im Stehen an Geräten trainiert, aber keinen Haken für das Handtuch findet, kann das Towell mithilfe eines eingewebten Magneten an Metallflächen anhängen. Feature Nummer Vier steuert Investorin Williams bei: Auch ohne Metallwand kann das Handtuch aufgehängt werden. Der Magnet lässt sich zu einer Öse formen und an einem Haken befestigen.

250.000 Euro erhoffen sich die Jungs aus Hamburg, 20 Prozent Firmenanteile an Design-Agentur und Handtuch sind sie bereit mit den Löwen zu teilen. Bei einem Verkaufspreis von 40 Euro fallen bei kleinen Bestellungen 10 bis 13 Euro an Produktionskosten an.

Innovativ findet Schweizer das neu designte Alltagsprodukt. Auch Dümmel ist überzeugt. Für Thelen ist die Präsentation der „fast perfekte Pitch“. Und dann ist es geschehen. Etwas hat sich verändert im Studio. Hier stehen nicht mehr drei Jungs zitternd vor Aufregung und in der wagen Hoffnung auf Kapital vor den Löwen. Es sind die Investoren, die jetzt um die Möglichkeit konkurrieren, ihr Geld los zu werden.

Was sie sich neben dem Kapital denn noch wünschen, fragt Maschmeyer. Kein Löwe knurrt auch nur, als herauskommt, dass das Team weit mehr als die 250.000 Euro sucht. Mindestens 1,5 Millionen Euro an Working Capital hätten sie eigentlich noch gerne oben drauf. „Ein Bilderbuchteam“, gurrt Maschmeyer, steigt jedoch aus, weil er die Produktionshilfe, die sich die Gründer erhoffen, nicht organisieren kann, „trotzdem wirklich löwenswert!“

Das sind die 26 geplatzten DHDL-Deals der ersten beiden Staffeln

Dann prescht Thelen vor: Er will nicht lang diskutieren und Fakten schaffen, bevor die Anderen ihre Chance ergreifen. 250.000 Euro? Können sie haben! Kein langes Verhandeln. Er will den Deal: „Wir passen zusammen!“ Und das Team? Das ist von seinem Erfolg überfordert.

Für Löwe Schweizer der Moment, um sich aus der Deckung zu trauen und die Konkurrenz wegzubeißen. Um den Deal von Thelen zu toppen, muss er mehr liefern. Mehr Geld, mehr Netzwerk, mehr Prozente für die Gründer. Schweizer setzt auf das Netzwerk. Er holt Ralf Dümmel mit ins Boot. 250.000 Euro und zwei Netzwerke statt des einen von Thelen. Das Team ist sich unsicher, bittet um Zeit sich zu beraten. Thelens schnelles Angebot ist ihnen sympathisch, Dümmel wäre der strategisch bessere Partner.

Dann fällt die Entscheidung: Strategie siegt über Sympathie. Schweizer und Dümmel bekommen den Zuschlag. Thelen geht leer aus und ist sichtlich enttäuscht. Dümmel ballt die Fäuste vor Freude. Die siegreichen Löwen bedanken sich bei den Gründern. Ja, richtig, nicht die Gründer, die Löwen haben das Gefühl, sich bedanken zu müssen. „Die werden sehr, sehr erfolgreich sein,“ murmelt Jochen Schweizer seinen Kollegen zu, „Sehr erfolgreich!“

Die Deals im Überblick:

  • Das Team Reishunger will seinen Online-Versand für Reis auch in den stationären Handel bringen. Dank eines Jahresumsatzes von 2,65 Millionen Euro verlangen sie 450.000 Euro für fünf Prozent. Doch der Pitch überzeugt nicht. Einzig Thelen bietet Geld, verlangt aber das Vierfache bei der Beteiligung. Zehn Prozent bieten die Gründer. Thelen lehnt ab. Kein Deal.
  • Hendrike Grubert mit ihrem Startup Ponyhütchen und veganen Kosmetika im Angebot wünscht sich 50.000 Euro für eine zehn prozentige Beteiligung. Doch beim Pitch fällt die Gründerin gnadenlos durch. Löwin Williams ist fassungslos wegen fehlender Hautverträglichkeits-Zertifikate.
  • Penta-Sense Gründer Randell Pitts und Philip Kirchhof wollen für ihre Xylit-Pastillen-Idee zehn Prozent für 150.000 Euro hergeben. Maschmeyer, Thelen und Schweizer lehnen ab. Williams und Dümmel tun sich zusammen. Für 30 Prozent wird man sich handelseinig.
  • Das Familien-Unternehmen Schleifenparadies um Gründerin Gabriele Fritsche und ihren Sohn Matthias stellt sich den Investoren mit der Hoffnung europäischer Marktführer bei Geschenk-Schleifen zu werden. 120.000 Euro für zehn Prozent sollten die Investoren bieten, findet Gabriele Fritsche. Das sehen die Löwen anders. Kein Investor ist interessiert.
  • David Völker und Ansgar Messmer versuchen mit einem digital vernetzten Spielzeug-Teppich für Kinder zu überzeugen. 200.000 Euro sollen 15 Prozent an Teppino kosten. Doch die Löwen haben keine Lust zu spielen. Nur Dümmel bietet 200.000 Euro für 30 Prozent an. Die Gründer bieten 25 Prozent, Dümmel beharrt auf 30 Prozent. Der Deal platzt.
Bild: VOX / Bernd-Michael Maurer