SugarShape - Judith Williams und Ralf Duemmel

TV-Investoren Judith Williams und Ralf Dümmel

110 Minuten, die vor sich hin dümpeln: Die vierte Folge „Die Höhle der Löwen“ zeigt viele sympathische Gründer, aber nur wenige Überraschungen. Eines fällt auf: Konsequent wirken die Investoren im TV nicht immer. Doch von vorne.

Natürlich stellen die Löwen in der Show hohe Ansprüche an die Startups – wie jeder Investor. Carsten Maschmeyer beispielsweise verweist auf „vier Ps“, die ihm wichtig sind: Person, Produkt, Preis und natürlich das Potential am Markt. Gerade der letzte Punkt sorgte in dieser Sendung für Diskussion. Klar wurde: Ist der Markt zu klein, sind die Löwen nicht interessiert. Sie suchen Modelle, die groß werden können.

Das bekommt gleich das erste Unternehmen aus Bern zu spüren. Die Gründer Kaspar Schmocker, Florian Kuchen und Jan Urfer haben über Jahre hinweg ein eigenes Sportgerät entwickelt, mit welchem Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Gleichgewicht trainiert werden können. Für Jochen Schweizer, Ex-Stuntman, die perfekte Gelegenheit am SensoPro kurz zu zeigen, wie fit er ist.

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Bisher konnten die Gründer in zwei Jahren am Markt 64 Geräte verkaufen, jedes für 14.350 Euro. Die Produktion und Auslieferung eines SensoPro-Trainers kostet 6.700 Euro. Abnehmer sind bisher vor allem Physiotherapeuten in der Schweiz. 350.000 Euro Kapital sollen jetzt helfen, das Gerät nach Deutschland zu bringen. Für nächstes Jahr rechnen die Gründer mit einem Umsatz von 1,8 Millionen Euro und einem Gewinn von 80.000 Euro. „Ein schöner Plan, aber das ist sehr wenig. Wie soll ich denn da jemals meine 350.000 Euro wiederkriegen, mit Gewinn noch am besten?”, findet Schweizer. „Das rechtfertigt ein Investment überhaupt nicht.“ Er ist raus.

Der gute Freund Wladimir Klitschko

Juror Ralf Dümmel glaubt, das Startup müsse Fitnessstudios für sich gewinnen, um wirklich Massen erreichen zu können. Schließlich macht nur Carsten Maschmeyer ein Angebot. Er will die Gründer bezirzen: „Sie brauchen Celebrities, die mit dem Gerät trainieren“, sagt er. Und: „Für Bodychange habe ich meinen guten Freund Wladimir Klitschko geholt.“ Die Message ist klar, Maschmeyer hat Einfluss – und für den will er 30 Prozent am Unternehmen. Dreimal so viel, wie die Gründer eigentlich abgeben wollten. Der Deal kommt nicht zustande. „Manchmal stehen die Gründer sich selbst im Weg. I don’t get it“, sagt Tech-Experte Frank Thelen.

Zu klein war den Investoren auch der Markt, in dem sich das Startup Fovea bewegt. Der Gründer Manfred Ide ist Förster und Informatiker – und sein Produkt bekommt viel Lob von den Löwen. Ide hat es möglich gemacht, einen Holzstapel im Wald per App zu scannen. Automatisch werden die Anzahl der Stämme, deren Durchmesser sowie Umfang gemessen und das Volumen wird berechnet. Das ist zum Beispiel für die Sägewerke wichtig. Mit seiner App nimmt Ide Förstern Arbeit ab, die sonst mehrere Stunden dauern würde. Nun geht das Ganze in wenigen Minuten.

Im ersten Jahr hat Ide damit 10.000 Euro umgesetzt, im zweiten bereits 220.000 Euro. Für dieses Jahr erwartet er eine Million. Dann der Haken: Das Marktpotential liege in Deutschland bei etwa acht Millionen Euro, weltweit bei 90 Millionen, schätzt Ide. Zuletzt ist nur noch Thelen im Gespräch. Er bezeichnet Fovea als „Traumlösung“ und „Zukunft der Apps“. Aber: „Der Markt, in dem du bist, ist für mich zu klein.“ Er ist raus, Manfred Ide ist sichtlich enttäuscht. Die Investoren scheinen kein Potential zu sehen, die technologische Lösung auf andere Bereiche und somit Märkte zu übertragen.

„Das ist ja nicht mit einem Sextoy zu verwechseln“

Gründer Marcus Ruoff scheint ebenfalls kein Glück zu haben. Der 46-Jährige hat eine Weste entwickelt, die gegen das Schnarchen helfen soll. Ein Aufsatz am Rücken verhindert dabei, dass sich der Schläfer auf den Rücken drehen kann – damit soll die häufigste Schnarch-Ursache verhindert werden. „Das ist ja nicht mit einem Sextoy zu verwechseln“, kommentiert Schweizer. Er glaubt wieder: Der Markt sei zu klein. Maschmeyer stimmt ihm zu und erklärt noch eben, dass er Sharon Stone kennt, die übrigens immer auf dem Rücken schlafe.

Foto: VOX / Bernd-Michael Maurer

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