Frank Thelen macht sich sein eigenes Bild ueber das Produkt "Parce".

Frank Thelen liest die Anleitung des Startups Parce

Warum es so selten Tech-Startups in „Die Höhle der Löwen“ schaffen, offenbart die aktuelle Folge der Vox-Gründershow. Die Investoren verstehen komplizierte Technologie nicht – und geben das auch offen zu. Als die drei Gründer des Smart-Home-Startups Parce bei ihrem Pitch das Wort Blockchain in den Mund nehmen, sind Augen und Unverständnis groß.

(Wir haben Blockchain-Technologie übrigens hier erklärt).

Zum Glück ist da aber noch Techie-Löwe Frank Thelen und bringt einen innovativen Hauch in die TV-Sendung. Ihn können die Parce-Gründer Eugen Pflüger, Nikolaj Klebert und Malte Janduda davon überzeugen, die smarten Steckdosen zu unterstützen – und damit ihre Vision. Mittelfristig wollen die Münchner mittelständischen Unternehmen dabei helfen, die smarte Technologie direkt in die Geräte und Stecker zu bringen. Außerdem haben sie sich eine Idee patentieren lassen: Alle Systeme des Smart-Home-Equipments, die es derzeit auf dem Markt gibt, sollen über die dezentrale Blockchain-Technologie des Startups steuerbar werden. Ein Kunde könnte also alle möglichen smarten Gadgets kaufen und sie über die Parce-Lösung herstellerunabhängig steuern.

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Thelen gibt 400.000 Euro für 15 Prozent am Unternehmen, außerdem bringt er Serverkapazitäten im Wert von 100.000 Euro ein. „War geil“, freut sich Gründer Janduda nach dem Deal.

Noch ein weiteres Internetstartup schafft es in diese Folge DHDL: Erledigungen.de. Das Modell klingt wie das GoButler für Erledigungen. Ein schlechtes Omen? Schließlich gibt es GoButler mittlerweile in seiner ursprünglichen Form nicht mehr. Erledigungen.de-Gründer Sebastian Simon vermittelt über seine Plattform Dienstleister, die für einen Betrag ab 49 Euro Behördengänge für Kunden erledigen. Der 26-Jährige wünscht sich für sein Startup eine Kapitalspritze über 200.000 Euro – und würde zehn Prozent am Unternehmen abgeben.

„Ich hasse Behördengänge“, sagt Frank Thelen. Er sei aber der Meinung, dass die Politik es regeln müsse, dass Behörden digitalisiert würden. „Heute ist das ein super Service“, so Thelen. „Aber ich würde mir wünschen, dass deine Firma am Ende des Tages nicht mehr existiert.“ Er steigt aus.

Auf Nachfrage zu den Geschäftszahlen erklärt Gründer Simon, im vergangenen Jahr habe Erledigungen.de etwa 1.000 Aufträge abgewickelt und damit 50.000 Euro umgesetzt. „Das ist wirklich wenig“, findet Jurorin Judith Williams und steigt ebenfalls aus.

Heftige Kritik an der Unternehmensbewertung

Investor Carsten Maschmeyer will wissen, wie hoch der Verlust gewesen ist. 250.000 Euro, gibt Simon zu. „Erklären Sie mir mal, wie Sie mit einem Umsatz von 50.000 Euro und einem Verlust von 250.000 Euro auf eine Firmenbewertung von zwei Millionen kommen“, fordert Maschmeyer. Er rechne in diesem Jahr mit einem Innenumsatz von 200.000 Euro, argumentiert Simon. „Das ist viel zu wenig“, findet auch Maschmeyer. Sebastian Simon geht ohne Deal nach Hause.

Innovativer kommt da das Münchner Goodsmith von Simon Salowsky (25) und Bennet Klein (22) daher. Die beiden Gründer haben mit 3D-Druck experimentiert, bevor sie ihr aktuelles Unternehmen gestartet haben. Sie drucken jetzt Schuhe für Pferde, die dem Tier individuell angepasst werden und Hufeisen gänzlich ersetzen sollen. Ihr Problem: Sie haben ihr Produkt noch nicht ausreichend getestet. Den Löwen fehlt die spezielle Expertise für den Pferdemarkt und der Mut: Keiner der Investoren beteiligt sich an Goodsmith.

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Neben diesen Startups finden sich mehrere typische Einzelhandelsprodukte in der Sendung. Die Gründerin von Pony Puffin verkauft beispielsweise einen Plastikeinsatz für den Zopf – er soll Pferdeschwänze dicker machen. Eine kurze Google-Suche ergibt, dass es ein solches Teil seit mindestens fünf Jahren zu kaufen gibt. Conairs Perfect Pony kostet bei Amazon knapp 7 Dollar. Pony Puffin will für seinen Zopf-Einsatz gleich 20 Euro haben. Teleshopping-Unternehmerin Judith Williams sieht hier trotzdem ein günstiges Geschäft für sich: Sie übernimmt für 65.000 Euro gleich 49 Prozent der Unternehmensanteile.

Der Appeal solcher Auftritte? Die Produkte versteht jeder. Sie werden aber nicht die nächste Revolution auslösen.

  • Mio-Olio aus Düsseldorf verkauft Öl mit Chili oder Knoblauch in kleinen Tütchen für Tiefkühlpizza. Die Gründer Luigi Stella (41) und Taner Gecer (39) wünschen sich ein Investment über 30.000 Euro für 15 Prozent der Firmenanteile. Ralf Dümmel bekommt den Zuschlag, obwohl er auf dem Papier einen schlechteren Deal als Dagmar Wöhrl oder Judith Williams bietet. Er erhält für das Geld 25,1 Prozent – und kann damit bestimmte Entscheidungen blockieren.
  • Einen Schuh für Pferde, der Hufeisen überflüssig machen soll – das präsentieren Simon Salowsky (25) und Bennet Klein (22) aus München. Für Goodsmith suchen sie eine Kapitalspritze über 250.000 Euro und würden dafür 15 Prozent ihres Unternehmens abgeben. Kein Investor steigt ein.
  • Die Gründerin hinter Pony Puffin ist bereit, 49 Prozent an ihrem Unternehmen abzugeben – für 65.000 Euro. Judith Williams und Ralf Dümmel machen Elena Musiol (33) ein Angebot, Williams bekommt den Zuschlag. Sie will das Beauty-Produkt, das Langhaarigen einen dicken Pferdeschwanz zaubern soll, über ihre Teleshopping-Kanäle vermarkten.
  • Behördengänge will Gründer Sebastian Simon (26) seinen Kunden mit Erledigungen.de abnehmen. Über die Webseite können sie einen Erlediger bestellen, der sich für sie der Bürokratie stellt. Der studierte Luft- und Raumfahrttechniker Simon benötigt für sein Unternehmen 200.000 Euro und bietet dafür 10 Prozent seiner Firma. Kein Deal.
  • Sywos hat ein Sportgerät entwickelt, das praktisch für unterwegs sein soll. Ariane Goehringer (22) arbeitet gemeinsam mit ihren Eltern Rainer (54) und Sandra (51) am Produkt. Das Familienunternehmen sucht 100.000 Euro und bietet dafür 10 Prozent der Firmenanteile. Dagmar Wöhrl steigt ein – und bekommt 15 Prozent der Anteile für die gewünschte Summe.
  • Sie entwickeln einen smarten Stecker: Eugen Pflüger (42), Nikolaj Klebert (32) und Malte Janduda (29) haben dafür Parce gegründet. Sie wünschen sich von den Löwen 500.000 Euro, im Gegenzug würden sie 10 Prozent ihrer Firma abgeben. Nach einigem Hin und Her steigt Frank Thelen ein: Er bekommt 15 Prozent an Parce, dafür gibt er 400.000 Euro Cash und 100.000 Euro Wert an Serverkapazitäten.
Bild: Foto: MG RTL D / Frank Hempel