„Sollen wir investieren?“ – Judith Williams und Vural Öger sind stellenweise ratlos.

„Dein ganzes Konzept ist völlig daneben. Es wird im Markt nicht funktionieren, das weiß ich.“ Harte Worte von Seriengründer und Investor Frank Thelen zu Beginn der zehnten Folge von DHDL auf Vox. Er scheint das Geschäftsmodell von Marvin Kruse gar nicht leiden zu können. Der 27-Jährige hat Pfotenheld gegründet, ein Unternehmen, das Leckerli für Hunde verschickt – für 0 Euro. Für 0 Euro? Nicht nur Thelen ist schockiert. Da bringt es nichts, dass Kruse erklärt, dass er Umsatz über die festgelegten Versandkosten von 5,99 Euro machen möchte. „Das ganze Konzept ist einfach lächerlich“, platzt Reiseunternehmer Vural Öger heraus.

Doch die Löwen sind nicht nur von Kruses Konzept enttäuscht. Sie finden auch, dass der Gründer sich ganz und gar nicht gut dargestellt hat. „Ich bin wirklich unglücklich, wie du dich hier präsentiert hast“, wettert Thelen. „Es ist ein schwacher Auftritt, ein schwaches Konzept“. Dabei hatte Marvin Kruse den Löwen gleich zu Beginn des Pitchs ein Gedicht vorgelesen! Und eigentlich ist er Schlagersänger! Und sieht aus wie David Garret! Es hilft alles nichts. Kruse benötigt 250.000 Euro für 20 Prozent der Anteile, doch alle fünf Löwen steigen aus. Auch seine Gesangseinlage am Schluss kann sie nicht umstimmen. Im Gegenteil: „Ganz schlechte Stimme“, lästert Öger sogar noch, als der Gründer das Studio verlässt.

Sind die Löwen mies gelaunt? Och nö. Bei dem Hamburger Startup Coffee Bags von Beata und Chris Bahr ist die Stimmung wieder besser. Das Ehepaar hat einen kleinen, mit Kaffee gefüllten Filter entwickelt, der sich in eine Tasse hängen lässt. Heißes Wasser darauf – und schon ist ein frisch gebrühter Kaffee fertig. Praktisch für Kaffee-Junkies, die viel unterwegs sind. 48.000 Coffee Bags wurden schon verkauft. Um eine größere Menge produzieren zu können, brauchen die Gründer eine neue Maschine. Sie hoffen auf eine Investition von 150.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile. Thelen mag keinen Filterkaffee, er steigt aus. Jochen Schweizer sieht in Coffee Bags kein Geschäft für einen Investor. Judith Williams reizt das Produkt nicht. Lencke Steiner ist sowieso raus. Und Öger? Ja! Er will die 150.000 Euro investieren, für 33 Prozent der Anteile. Der Deal steht. Wahnsinn. Die Stimmung ist auf dem Höhepunkt.

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Bei den Jungs von Flowkey geht die Laune der Löwen wieder gen Keller. Eigentlich haben Jonas, Alex und Ahmed ein tolles Programm entwickelt: Mit Flowkey sollen Millionen Menschen ein Instrument erlernen können – sogar ohne Noten. Bisher funktioniert Flowkey nur mit einem Klavier oder Keyboard. Das Programm zeigt dem Nutzer, welche Taste er drücken muss. Über ein Mikrofon hört es mit, erkennt Fehler und passt sich dem Spieltempo an.*

200.000 Euro für fünf Prozent der Firmenanteile wollen die Gründer haben – am liebsten von Frank Thelen. Doch der ist von der Bewertung mit vier Millionen entsetzt: „Das geht wirklich an der Realität vorbei“, schimpft er – und steigt aus. Das sehen auch die anderen Löwen so. Jochen Schweizer findet zwar: „Wenn viele Menschen über Flowkey lernen, ein Instrument zu spielen, macht ihr die Welt ein bisschen besser“. Aber investieren will auch er nicht. Die Gründer verlassen ohne Deal das Studio.

Ähnlich enttäuschend läuft der Pitch für Marcus und Yvonne von Ajoofa. Ihr Startup verkauft T-Shirts mit Motiven, die von Zoo-Affen gemalt wurden. Für die Affen sei das eine sinnvolle Beschäftigung, damit sie geistig und körperlich fit bleiben, sagen die Gründer. Sieben Prozent der Einnahmen würden außerdem für Naturschutz und an Zoos gespendet. Das Problem: Ajoofa macht kaum Umsatz, für Marcus und Yvonne ist die Idee bisher nur ein Hobby, das sie an einem Tag pro Woche betreiben. Trotzdem wollen sie 80.000 Euro für zehn Prozent ihrer Firmenanteile. Kein Löwe will das Hobby der beiden unterstützen. Schade.

Dann geht die Stimmungskurve plötzlich bergauf. Erst ganz langsam. Bei Klaus-Peter Beer, der mit Hand+Fuss eine Strumpfanziehhilfe entwickelt hat. Sie hilft körperlich eingeschränkten Menschen dabei, ihre Socken im Stehen oder Sitzen anzuziehen. Der Gründer bewertet sein Unternehmen mit einer Million Euro und wünscht sich 100.000 Euro für zehn Prozent seiner Firmenanteile. Frank Thelen ist von Hand+Fuss begeistert: „Es ist super, es ist ein tolles Produkt.” Trotzdem will er nicht investieren. Judith Williams tut zuerst interessiert, steigt aber aus. Dann: Vural Öger macht ein Gegenangebot. Er will für 100.000 Euro 50 Prozent der Anteile, und 10 Euro pro verkauftem Stück bis 10.000 Sockenanzieher verkauft sind. Doch Klaus-Peter ist das zu krass.

Zum Schluss geschieht noch das Unglaubliche: Lencke Steiner ist nicht raus! Sie investiert in das Fotobuch-Startup Kleine Prints. Mutter, Grafikerin und Gründerin Eva Malwaska hat das Konzept von zuhause aus aufgebaut. Ihr Startup verkauft stabile Bücher mit jeweils 13 Motiven und abgerundeten Ecken – ideal für Kinder. Das findet Lencke natürlich niedlich. Sie gibt 40.000 Euro für 30 Prozent der Anteile. Eigentlich wollte Eva Malwaska nur 15 Prozent abgeben. Aber sie macht trotzdem mit. Alle sind glücklich. Und umarmen sich.

Happy End. Da sind selbst die Meckereien vom Anfang vergessen.

Die Deals im Überblick:

  • Marvin Kruse möchte für sein Startup Pfotenheld 250.000 Euro für 20 Prozent der Anteile. Die Löwen wollen nicht investieren, keiner von ihnen glaubt an das Modell von Pfotenheld.
  • Coffee Bags aus Hamburg wünscht sich 150.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile. Vural Öger macht ein Gegenangebot: 150.00 für 33 Prozent. Die Gründer stimmen zu.
  • Drei Hamburger Jungs haben das Musik-Lernprogramm Flowkey aufgebaut. Für 200.000 Euro wollen sie fünf Prozent ihrer Firma abgeben. Alle Löwen sind schockiert von der hohen Bewertung und steigen aus.
  • Ajoofa bietet T-Shirts mit von Affen gemalten Mustern. Um ihr Unternehmen weiter voran zu bringen, wollen Marcus und Yvonne 80.000 Euro für zehn Prozent der Firmenanteile einsammeln. Kein Löwe investiert.
  • Klaus-Peter Beer will für seine Sockenanziehhilfe 100.000 Euro für zehn Prozent der Anteile. Vural Öger macht ein Gegenangebot. Er will für 100.000 Euro 50 Prozent der Anteile, und zehn Euro pro verkauftem Stück bis 10.000 Anzieher verkauft sind. Beer will das nicht.
  • Eva Malwaska produziert mit Kleine Prints Fotobücher für Kinder. Sie möchte 40.000 Euro für 15 Prozent der Anteile haben. Lencke Steiner gibt ihr das Geld – allerdings für 30 Prozent der Anteile.
*Seit Kurzem kooperiert Flowkey mit dem Traditionsunternehmen Yamaha – beim Kauf eines Yamaha-Geräts ist Flowkey Premium für drei Monate inklusive. Bekannt wurde dieser Deal allerdings erst nach Aufzeichnung der Sendung.
Bild: Vox