Die "JOIDY" Gründer Philippe Singer (l.) und Timo Müller

Philippe Singer (links) pitcht gemeinsam mit Timo Müller die Geschenke-App Joidy vor den Löwen

Wenn euch Facebook an einen Geburtstag erinnert, ist es für ein Geschenk per Post meist schon zu spät. Mit der App Joidy will Philippe Singer Geschenke daher direkt per Link an den Empfänger schicken, etwa via Facebook oder Whatsapp.

Singer ist Gründer und Geschäftsführer der Joidy GmbH, die als Spin-off der TU Berlin startete. Seit kurzem sitzt das Unternehmen im Accelerator von ProSiebenSat.1 und hat eine halbe Million Euro für einen TV-Spot bekommen. Zudem erhielt das Startup ein Investment unter anderem von der ProSiebenSat.1-Tochter Mydays und Angel-Investoren. Das Unternehmen sitzt in Berlin.

Gestern Abend präsentierte Singer gemeinsam mit Gründer und Geschäftsführer Timo Müller die App bei der TV-Show „Die Höhle der Löwen“. Sie wollten 200.000 Euro für zehn Prozent der Anteile. Die Vision ihres Unternehmens: der globale Anbieter für Geschenke werden. Überzeugen konnten die Gründer damit TV-Löwe Jochen Schweizer, der ihnen einen Deal anbot. Doch die beiden Mittzwanziger lehnten ab. Philippe Singer im Interview.

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Philippe, warum hast du eine App gebaut, die Geschenke verschickt?

Wir wollten eine Möglichkeit schaffen, Geschenke über die Kanäle zu versenden, über die wir jeden Tag mit unseren Freunden sprechen. Egal, ob das Whatsapp, Messenger oder SMS ist. Wir sind nicht mehr die Generation, die sich fünf Tage vorher Gedanken um ein Geschenk macht. Wir wollen jetzt etwas verschenken.

Wie genau funktioniert das?

Dazu öffnet man unsere App, wählt ein Geschenk aus, bezahlt es und verschickt dann den persönlichen Geschenke-Link mit einem Messenger seiner Wahl. Der Empfang findet dann im Webbrowser und ohne Anmeldung statt.

Und was ist mit physischen Geschenken?

Wir haben gesehen, dass man seinen Freunden lieber Geschenke zum Anfassen als beispielsweise ein E-Book schenkt. Die Person empfängt das Geschenk im Webbrowser und gibt selbst an, wann und wohin es geliefert werden soll. Drei Tage später ist es dann im Briefkasten.

Geht der ursprüngliche Gedanke des Schenkens über diesen digitalen Weg nicht verloren?

Nein, denn bei uns gibt es auch eine persönliche Komponente: Bevor das Gegenüber das Geschenk bekommt, erhält es ein Video mit einer vom Schenkenden aufgenommenen persönlichen Botschaft.

Das eigentliche Geschenk ist also das Video?

Nicht ganz, es ist wie im wirklichen Leben beides: Das ausgesuchte Geschenk und das Ständchen, die netten Worte dazu.

Als die aktuelle Folge von „Die Höhle der Löwen“ vor einem halben Jahr aufgezeichnet wurde, konntet ihr die Investoren mit euren Zahlen nicht überzeugen. Ihr hattet etwa 1.000 Nutzer. Wie ist die App seitdem gewachsen?

Wir laufen neben Apple jetzt auch auf Android und konnten unsere Nutzerzahlen vervielfachen, ohne viel Geld für Marketing auszugeben.

Und wie wollt ihr damit Geld verdienen?

Wir verdienen unser Geld über eine Provision von zehn bis 30 Prozent an den verschenkten Produkten. Bei einigen Partnern bekommen wir Geld für Neukunden. Unser durchschnittlicher Warenkorb liegt bei 15 Euro.

Bei “Die Höhle der Löwen” meinte Judith Williams, dass das App-Business ein Glücksspiel sei.

Das glaube ich nicht. Es gibt einfach Apps, bei denen es sinnvoll ist, dass es sie gibt und die von der Qualität her überzeugen. Es kommt also darauf an, wie man es macht.

Frank Thelen merkte an, dass es womöglich gar keinen Bedarf für eure App im Markt gibt.

Wir stoßen mit unserer App auf positive Resonanz. Es gibt viele Nutzer, die die App häufig benutzen.

Jochen Schweizer wollte für 25 Prozent der Anteile in euer Unternehmen investieren. Ihr habt allerdings abgelehnt. Warum?

Das lag an seiner zu niedrigen Bewertung. Wir denken, dass wir zu der von uns gewünschten Bewertung eine Finanzierungsrunde hinbekommen. Zudem haben wir eine große Vision mit unserem Produkt und können daher in der ersten Runde nicht so viele Prozente abgeben.

Welche Vision ist das?

Wir wollen der globale Anbieter für Geschenke werden. Und wir wollen eine einfache Version des Schenkens sein, für die Generation Messenger.

Bild: VOX / Bernd-Michael Maurer