Steve Hergert stellte seinen Ice-Chiller den Löwen vor. Sein Pitch wurde aber nie gesendet.

Den 1. Februar 2016 wird Steve Hergert wohl nicht so schnell vergessen. An diesem Tag präsentierte er in der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“ sein Produkt den Investoren. Der Ice-Chiller ist ein Glasvereiser, der Trinkgefäße in Sekundenschnelle kühlt und desinfiziert, Nebeleffekt inklusive. Damit überzeugte der Gründer auch gleich drei Löwen und verließ das Studio mit zwei Deals im Gepäck. 

Es begannen neun Monate voller Erwartung, Vorfreude und harter Arbeit. Die dritte DHDL-Staffel sollte am 23. August 2016 starten, bis dahin hatte das Team um Ice-Chiller Zeit, sich auf die plötzliche Berühmtheit vorzubereiten. Wann genau der Pitch ausgestrahlt werden sollte, erfuhren sie nicht. „Man hat uns aber gesagt, dass wir uns auf einen Ansturm gefasst machen sollen“, erzählt ein Mitarbeiter des Unternehmens im Gespräch mit Gründerszene. Also begann man vorzuproduzieren: insgesamt 1100 Ice-Chiller für 150.000 Euro.

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Drei Monate nach der Aufzeichnung kam der erste Rückschlag. Mitarbeiter der Investoren kamen in Hergerts Büro und wollten die Zahlen seines Startups überprüfen. Ein normaler Vorgang im Rahmen der Show, doch auch einer von Hergerts unangenehmsten Termine überhaupt, erinnert sich der Mitarbeiter. Denn am Ende sollte es nicht reichen für die prominenten Geldgeber. Die Deals platzten, die Hoffnung auf eine Finanzspritze für den Ice-Chiller war dahin. Ein herber Rückschlag für Hergerts Team. 

Doch aufgeben kam für die Ice-Chiller-Macher nicht in Frage – schließlich stand ja noch die Ausstrahlung bevor, durch die das Produkt endlich die notwendige Bekanntheit erlangen würde. Das Team glaubte fest daran. Also gingen die Vorbereitungen weiter, die Website wurde mit stärkeren Servern ausgestattet, damit sie bei großem Andrang nicht zusammenbricht. Die Marketingkonzepte lagen längst in der Schublade.

„Vielleicht war er in der Show zu frech“

Als die dritte DHDL-Staffel dann endlich startete, konnten Hergert und sein Team nur noch abwarten. Folge für Folge, Woche für Woche. Zehn Mal saßen sie vergeblich vor dem Fernseher. Dann, am 1. November 2016, lief auf Vox die letzte Episode. Doch der Pitch blieb aus. Vor allem der 40-Jährige Gründer sei fassungslos gewesen, erzählt der Mitarbeiter. Bis heute denke er darüber nach, woran es gelegen haben könnte, dass sein Auftritt nicht ausgestrahlt wurde. „Vielleicht war er in der Show zu frech, hat sich nicht alles gefallen lassen“. Von Vox habe man nie eine Begründung erhalten. 

Der Sender formulierte auf Anfrage von Gründerszene folgende Stellungnahme: 

Es gehört zu den grundlegenden Fernseh-Prinzipien, dass bei TV-Produktionen fast immer mehr Drehmaterial aufgezeichnet wird als am Ende ausgestrahlt werden kann. Das ist auch bei „Die Höhle der Löwen“ so – schließlich ist zum einen die verfügbare Sendezeit endlich und zum anderen schafft es auch aus dramaturgischen Gründen nicht alles in die Sendung. In jeder Staffel gab es einige Pitches, die deshalb nicht gezeigt werden konnten. Überrascht wurde davon niemand, denn wir sprechen mit den Gründern natürlich noch vor Teilnahme an der Show ganz offen über diese TV-Gepflogenheit.

Steve Hergert bei der DHDL-Aufzeichnung

Steve Hergert bei der DHDL-Aufzeichnung.

Heute, knapp zehn Monate später, tourt der Unternehmer mit seinem Ice-Chiller durch die USA und Asien, besucht Messen und Restaurants. Die vierte Staffel von DHDL ist gerade gestartet. „Er hat lange gebraucht, um sich wieder aufzurappeln“, sagt der Mitarbeiter gegenüber Gründerszene, „es hat dem Unternehmen fast das Genick gebrochen.“ Aber noch gebe man nicht auf. Der Verkauf des Produkts gestaltet sich weiterhin schwierig. Noch immer verkauft das Team das Kontingent, das für die Show vor mehr als einem Jahr produziert wurde.

Inzwischen habe Hergert knapp 90.000 Euro an Eigenkapital in sein Produkt gesteckt, erzählt der Mitarbeiter – einer der Gründe, wieso er immer noch weitermache. Langsam scheint sich die Mühe aber auszuzahlen. Ice-Chiller schreibt nach eigenen Angaben dieses Jahr das erste Mal schwarze Zahlen, Restaurants und Hotels kämen auf den Geschmack. Ein Exemplar habe es sogar ins Berliner Nobelhotel Adlon geschafft – ganz ohne Show.

Bilder: Timo Kuls