Der beste aller DHDL-Gründer? Christian Keller von My Schoko World

Ende, aus, das war’s! Nach zehn Folgen flimmerte am Dienstag die letzte der aktuellen Staffel von „Die Höhle der Löwen“ über den Bildschirm. Vox hatte sich fürs Finale einige interessante Auftritte aufgehoben – inklusive des nach Aussage von Jochen Schweizer „stärksten Gründers, den wir je hatten“. Totalausfälle blieben diesmal aus, selbst die Gründer, die leer ausgingen, wurden mit Lob bedacht.

Aleksandra Bettin und ihrem Luxus-Modelabel Happystaffy für Hunde ging das zum Beispiel so: Bettins Unternehmen produziert und verkauft Bomberjacken, Sweater, Trenchcoats oder Wollpullis – für Hunde. „Wir sind wirklich nicht kitschig, das hat Style, ein bisschen Berliner Street-Style“, sagt Bettin. Das finden auch die Löwen. „Die Sachen sind wahnsinnig hochwertig gemacht“, urteilt Judith Williams. „Burberry für Hunde“, lobt Vural ÖgerFrank Thelen sagt: „Du hast eine Nische gefunden.“ Aber investieren? Das traut sich kein Löwe. Das Hunde-Modelabel sei „kein skalierbares Business“, wendet Thelen ein. Trotzdem, die Stimmung bleibt gut. So viel Lob gab es selten.

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Auch beim Auftritt von Ottmar und Michael Debus, die ihre ergonomisch wertvolle und besonders funktionale Schneeschaufel SchneeAde präsentieren, wird mit Anerkennung nicht gegeizt. Obwohl die beiden Erfinder erst 310 Stück ihres Modells verkauft haben. Und stolze 127 Euro für einen Schieber verlangen. „Sie beide sind für mich ein wunderbares Beispiel von Erfindergeist in Verbindung mit einer Handlung“, gibt ihnen Jochen Schweizer mit. „Die Geschichte zwischen euch beiden ist großartig“, sagt Frank Thelen. Auch hier geht man, obwohl ohne Deal, in Frieden auseinander. Und Vater Ottmar, 78, überträgt seinem Sohn nach dem Auftritt auch noch die Leitung der Firma, vor der Kamera. „Er muss das jetzt weiterführen – ich bin raus.“

Mehr Kritik müssen Thomas Spieler und Martin Sluk, die Gründer der papieren Spätzle-Presse Frizle, einstecken. Die sind eigentlich ganz sympathisch, außerdem kennen sie sich schon seit der Krabbelgruppe. Doch den Löwen missfällt, dass sie ihre wichtigste Mitarbeiterin, die nach Meinung von Judith Williams auch noch am besten präsentieren kann, nicht am Unternehmen beteiligt haben; vor allem aber, dass eine Bewertung von 4,5 Millionen Euro bei bisher 15.000 Euro Umsatz ein wenig hochgegriffen scheint. „Das ist unrealistisch“, schimpft Thelen. „Ihr seid so viel zu hoch, dass ich nicht mit euch verhandeln werde.“ Immerhin Lencke Steiner findet: „Ihr habt wirklich ein ganz tolles Produkt entwickelt.“ Auch wenn am Verschluss noch etwas gearbeitet werden müsste. Trotzdem: Kein Deal, Abgang mit gesenktem Haupt.

Um die Produkte von Antelope aus Frankfurt, die Funktionskleidung mit elektrischer Muskelstimulation (EMS) bieten, entbrennt eine tiefschürfende Diskussion unter den Investoren. Frank Thelen holt aus: „Ich glaube, es gibt einen Trend darin, seinen Körper durch Substanzen, die man zu sich nimmt, Stimulation oder anderes, zu Höchstleistungen zu bringen. Ob das ethisch der richtige Weg ist, weiß ich nicht.“ Antelope, die er zwar nicht als Investment Case sehe, sei aber auf dem „absolut richtigen Weg“. Jochen Schweizer widerspricht: „Frank, das Plädoyer war ja beeindruckend. Aber ich glaube, dass Du auf dem Holzweg bist. Und zwar total. Ich bin Sportler und ich kann Dir sagen: Das ist der falsche Weg. Ich bin fast 60 Jahre alt, seit 50 Jahren fahre ich Kayak. Ich habe real trainiert. Das ist nicht EMS. This is the real thing.“

Darüber, dass die geforderten Konditionen (250.000 Euro für fünf Prozent) und der Verkaufspreis des Anzugs (1.300 Euro) überzogen sind, gibt es keine Diskussion. „Fantasie“ seien die Marktzahlen von Antelope, befindet Lencke Steiner. Sie ist raus, genauso wie alle anderen Löwen. Gründer Philipp Schwarz sagt: „Wir müssen uns jetzt nochmal neu kalibrieren.“

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Doch ganz ohne gelungene Deals blieb die letzte Folge DHDL nicht. Da war zum einen Skolder, das Ski-Tragesystem des Vorarlbergers Thomas Ebster. Über die Sinnhaftigkeit eines solchen System entbrennt zunächst ein typischer Löwen-Wortwechsel.

Thelen: „Für mich ist immer wichtig: Ist ein Produkt auch einsetzbar?“

Schweizer: „Frank, so trägt kein Skifahrer seine Ski.“

Öger: „Ich trage sehr gerne meine Ski auf meiner Schulter.“

Interessiert bleibt nur Schweizer, das Sport-Ass. Ein Investment in das Spin-Off mit dem Ski-Tragesystem schmeckt ihm aber auch nicht – er interessiert sich für die Mutterfirma iFlow von Ebster, die außerdem Stirnlampen, Daunenjacken oder Unterwäsche anbietet. Ebster muss das mit seinem Business-Partner besprechen, am Telefon. Ebster selbst ist dafür. „Wenn’s nicht passt, reißt du mir den Arsch auf“, gibt er seinem Partner durch. Und signalisiert Schweizer schließlich seine Zustimmung: „Mir ist nicht wichtig, dass ich viele Prozente hab, sondern dass das Baby läuft. Man kann in Schönheit sterben. Ja, dann machen wir das.“

Der zweite Deal des Abends klappt mit einem Startup, das schon weiter ist als der DHDL-Durchschnittskandidat: In drei Jahren habe er 800.000 Schoko-Memorys verkauft, sagt My-Schoko-World-Gründer Christian Keller, im letzten Quartal 45.000 Euro umgesetzt. Neben Memorys gibt es Puzzles mit Schokoladeninhalt bei My Schoko World, die der Kunde mit eigenen Fotos personalisieren kann. Die Idee überzeugt schnell. Vor allem aber Kellers Pläne, um den bislang nur mittelguten Deckungsbeitrag zu steigern: teure Add-on-Features zum Beispiel, maschinelle Produktion, solche Sachen.

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„Ich glaube an Ihren Erfolg“, stellt Lencke Steiner klar. Und ist dann doch raus. Genauso wie Frank Thelen, der das ganze für einen „Vertriebsfall“ hält – nicht seine Spezialität. Dafür aber die der verbliebenen Investoren. Worauf einer der seltenen Fälle eintritt, bei denen die Löwen versuchen, einander auszubooten. Die Konstellation: Vural Öger und Judith Williams gegen Jochen Schweizer. Beide Seiten bieten 80.000 Euro für 30 Prozent. Und versuchen es erst einmal mit Argumenten: „Ich nehme Sie auf in unser Portal als Dienstleister“, verspricht Schweizer. „Ich kann sie natürlich auch zu HSE24 reinbringen“, den Home-Shopping-Sender, versichert Williams, die da moderiert. Daran gibt es aber Zweifel – und es wird ruppig.

Schweizer: „Die entscheidende Frage ist: Welche Garantien bietet Ihnen der Investor? Die Frau Williams eignet ja nicht HSE24. Sie arbeitet dort. Ich eigne unser Unternehmen und ich kann garantieren.“

Williams: „Und ich kann auch zu meinem Wort stehen, weil ich bin dort keine Angestellte, sondern ich bin meine eigene Unternehmerin.“

Was macht Gründer Christian Keller? Er pokert. Und schlägt vor: „Wir treffen uns bei 17, 18 Prozent.“ Öger und Williams geben auf. Bleibt Schweizer, und der ist heute wirklich auf Krawall gebürstet. Er kündigt dem Gründer an: „Ich habe entschieden, dass wir das Produkt führen werden. Das kann gut für sie sein oder nicht. Denn ihr Produkt ist nicht geschützt.“ Eine unverhohlene Drohung. Sein Angebot: 25,1 Prozent. Keller willigt ein. „Mein Gott, hast Du Nerven“, sagt Moderator Ermias Habtu. Und Schweizer lobt: „Das war der stärkste Gründer, den wir bisher in der Sendung hatten.“ Ein angemessener Abschluss.

Die Deals im Überblick:

  • Für das Hunde-Modelabel Happystaffy.me will Gründerin Aleksandra Bettin 150.000 Euro, 20 Prozent der Firmenanteile würde sie dafür abgeben. Einen Investment-Case sieht da aber kein Löwe.
  • Thomas Ebster will von den Investoren 180.000 Euro für sein Ski-Tragesystem Skolder und bietet dafür 30 Prozent. Die sind aber eher an der Mutterfirma iFlow interessiert. Ebster bietet 15 iFlow-Prozente für den gleichen Betrag, Jochen Schweizer den doppelten Betrag für ein Drittel der Anteile. Ebster schlägt ein.
  • Die EMS-Sportbekleidung von Antelope soll durch 250.000 Euro Investorengeld Verbreitung finden, nur fünf Prozent der Anteile werden von den Gründern Philipp Schwarz und Kay Rathschlag geboten. Kein Deal.
  • Die Spätzle-Freunde von Frizle sind auf der Suche nach einer halben Million Euro, zehn Prozent ihres Unternehmens sind dafür im Angebot. Kein Löwe macht mit.
  • Ottmar und Michael Demus wünschen sich 40.000 Euro für den Schneeschieber SchneeAde, der den Rücken entlastet. Dafür gäbe es zehn Prozent der Anteile. Daraus wird nichts.
  • Christian Kellers My Schoko World löst unter den Löwen einen regelrechten Bieterwettstreit aus. Für 80.000 Euro bietet er 15 Prozent. Vural Öger und Judith Williams würden für 30 Prozent die Summe bereitstellen, Jochen Schweizer auch. Keller pokert und bietet höchstens 17, 18 Prozent. Öger und Williams steigen aus – mit Schweizer gibt es einen Deal, bei 25,1 Prozent.
Bild: VOX/Bernd-Michael Maurer