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Gewöhnungsbedürftiger Name, sympathische Gründer: die SuckIt-Macher Elvir Omerbegovic (links) und Max Scharpenack.

Es sind nur wenige Momente, die von der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ wirklich hängen bleiben. Gegen Ende der achten Folge war es mal wieder soweit: Die vier Gründer von der Business-Schule WHU pitchten ihr Parkhaus-Startup Evopark. Das Konzept: Ohne eine Parkkarte ziehen zu müssen, kann man mit dem Dienst ins Parkhaus fahren. Die Abrechnung erfolgt per App. Wer bei bestimmten Läden in der Umgebung einkaufen geht, erhält zusätzlich einen Rabatt auf seine Parkgebühr.

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1,5 Millionen Euro fordern die Gründer für die weitere Expansion im Tausch gegen 15 Prozent. 3.000 Nutzer, die das Angebot regelmäßig verwenden, zähle die App insgesamt. Löwe Jochen Schweizer verabschiedet sich sofort – empört über die Zehn-Millionen-Bewertung des Startups – mit der üblichen Prise Esoterik: „Erfolg ist auch immer eine Verabredung mit dem richtigen Zeitpunkt“, so der Ex-Stuntman. Da sei die Bewertung doch etwas ihrer Zeit voraus.

Frank Thelen hat mehr Interesse: „Ich würde gerne bei euch mitmachen.“ Das Unternehmen sei aber schon zu weit. Gerade will er absagen, da kommt Carsten Maschmeyer von hinten an ihn heran. „Vielleicht kann ich mit dir über ein gemeinsames Zuhause für Evopark sprechen“, sagt Maschmeyer. Sie ziehen sich zurück – und kommen mit einem Angebot wieder: 1,5 Millionen für 25,1 Prozent am Startup ist ihr Deal. Nun ziehen sich die Gründer zurück. Judith Williams kommentiert: „Ich fresse einen Besen, wenn ihr das Angebot nicht annehmt.“

Doch die Gründer geben sich nicht einfach geschlagen, sie feilschen. Ihr Gegenangebot: 16,5 Prozent für die Millionen-Summe. Thelen und Maschmeyer schauen sich an, Maschmeyer schüttelt den Kopf, der Deal platzt. Trotzdem: In dieser Szene weht ein Hauch von echtem Startup-Gefühl durch die sonst so durchinszenierte TV-Show. Auf der einen Seite Evopark, das in der Szene bekannt ist und mittlerweile ein Investment vom Autobauer Porsche erhalten hat, auf der anderen Seite die Tech-Investoren Maschmeyer und Thelen.

Familien, Pärchen und Pannenfächer

Für den Rest der Sendung setzt Vox wieder auf die bewerten Zutaten: Gründer als Pärchen, Familien als Gründer und mehr oder weniger originelle Produkte. Stefanie Hofbauer, eine ehemalige TV-Moderatorin aus Österreich, präsentiert mit ihrem Lebensgefährten das Hundefutter-Startup Oscar & Trudie. Das Futter ist bio, kommt von regionalen Bauern und aus Österreich. Die Vorteile? Der Hund rieche besser – und: „Er macht nicht mehr diese riesigen Haufen“, erklärt Gründerin Hofbauer im Vorspann.

Die Löwen sehen gleich das Potential von Oscar & Trudie. „Der Markt is super attraktiv“, sagt Löwe Frank Thelen. Für 100.000 Euro wollen die Gründer 20 Prozent ihrer Firma abgeben. Über das Internet und in einigen Läden hätten sie in einem halben Jahr 40.000 Euro umgesetzt. Ralf Dümmel hält ihre Produktionskapazitäten jedoch für zu klein, er steigt aus. Tier-Freundin Williams zweifelt an dem Alleinstellungsmerkmal des Futters. Die großen Emotionen kommen bei Carsten Maschmeyer: „Bei mir lösen Sie ein positives Gefühl aus, sie sind richtig liebenswert“, sagt Maschmeyer, um gleich nachzuschieben: „Aber nicht löwenswert.“ Die Gründerin freut sich trotzdem über die netten Worte und die Tränen fließen. Ein Investment gibt es für ihr Hundefutter nicht.

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Härter trifft es hingegen ein anderes Pärchen in der Sendung: Katja und Markus Lambrecht wollen mit ihrem Startup Onkel Wolle über eine Plattform Kfz-Mechaniker vermitteln, die dann beim Kauf von gebrauchten Autos helfen. 50.000 Euro verlangen die Gründer – für 16,5 Prozent der Unternehmensanteile.

Das Problem: Das deutschlandweite Netzwerk der Mechaniker müssen sie erst noch aufbauen. Daran stört sich Investor Schweizer. Es brauche ein gewaltiges Netzwerk aus Menschen – und „Menschen machen Fehler“, befindet Schweizer. Er ist raus. Judith Williams glaubt nicht, dass sich die Mechaniker aus dem laufenden Betrieb wegholen lassen, um für das Startup einzuspringen. Die großen Worte stammen dann wieder von Maschmeyer: „Kommen sie aus dem Gründerhimmel zurück auf die Erde.“ Sonst: „Die Vision könnte zu einer Halluzination werden.“ Kein Deal. Der Gründerin Katja Lambrecht „steckt ein Kloß im Hals“.

Eine Gründer-Familie darf dann auch noch ran. Dieses Mal drängen gleich fünf Leute ins Studio. Es sind Bruder, Schwester und Freunde rund um den Erfinder Richard „Richy“ Kaulartz. „Meine Erfindung kam mir Traum“, erzählt Richy im Vorspann. Pannenfächer heißt diese Neuheit. Wer sich den Fächer bei einer Panne auf das Auto stellt, kann dadurch mitteilen, was er gerade braucht. Etwa mit einem Schild „Hilfe kommt“ oder „Brauche Benzin“. Seine Schwester Marita war so sehr von der Idee überzeugt, dass sie bereits ihre Altersvorsorge von knapp 60.000 in die Idee gesteckt hat.

Die Löwen melden sich mit Zweifeln: „Nur weil es gebraucht wird, wird es aber nicht gekauft“, sagt Thelen. Er mache sie außerdem Sorgen um die Altersvorsorge der Schwester. Ob sich das Produkt mit einem Patent überhaupt schützen lassen, zweifeln Williams und Schweizer. Wie schon so oft, springt Ralf Dümmel in letzter Minute ein. Für 25,1 Prozent verspricht er die gewünschte Summe von 75.000 Euro. Ohne lange zu überlegen, schlägt Richie ein. Schweizer gratuliert Dümmel: „Du hast gerade eine Familie gerettet.“

Die letzte Rettung: SunnyBay und SuckIt

Zweimal wird die Show dann noch ganz unterhaltsam: Etwa als der Gründer Stefan Ponsold seinen SunnyBag, einen Rucksack mit kleinen Solarplatten, vorstellt. Damit lässt sich das Smartphone mit Sonnenlicht aufladen. Der Gründer ist ruhig und kommt sympathisch rüber. Dafür gibt es Lob von den Löwen. Trotzdem ist Schweizer raus („Mich berührt es nicht.“), Williams ebenfalls („Ich empfinde keine Emotionen für das Produkt.“). Es ist Zeit für einen weiteren Dümmel. Es folgt der übliche Selbstpitch über die Vorteile von ihm als Löwen. Dümmel bietet dann schließlich die geforderten 200.000 Euro allerdings für 20 statt zehn Prozent. Nach kurzem Hin und Her schlägt der Gründer ein, Deal!

Und auch die SuckIt-Gründer machen eine erstaunlich gute Figur im Fernseh-Studio: Max Scharpenack hat ein Wassereis mit Alkohol entwickelt, das er bereits auf Festivals wie Rock am Ring verkauft. Mit von der Partie ist der Hip-Hop-Produzent Elvir Omerbegovic, der in das Unternehmen investiert hat. Die Zahlen entwickeln sich gut, auch die Löwen glauben an das Potential.

Nur in Alkohol wollen sie nicht investieren: Maschmeyer erzählt erst einmal ausgiebig von seinen zwei Alkohol-Abstürzen im Leben, einmal als Konfirmand und bei der Bundeswehr. Judith Williams sagt generell: „Ich investiere nicht in Alkohol.“ An dem Namen stoßen sich die Löwen ebenfalls: Eine Frau mit dem Schriftzug SuckIt auf der Packung, „Das ist nicht meine DNA“, sagt Thelen. Trotzdem sei das eine „Mega-Story“. Als die beiden Gründer das Studio dann verlassen haben, tritt Judith Williams noch einmal nach: „Der Name ist so Ober-Proll – come on“.

Die Deals im Überblick:

  • Max Scharpenack und der Hip-Hop-Produzent Elvir Omerbegovic wollen für ihre Cocktail-Eis SuckIt 350.000 Euro haben, im Gegenzug sollen die Löwen zehn Prozent dafür abgeben. Niemand schlägt ein. Kein Deal.
  • SunnyBag fordert 200.000 Euro für zehn Prozent der Anteile. Ralf Dümmel macht ein Angebot für die Rucksäcke, die Smartphones aufladen: Er bietet die Summe für 20 Prozent. Gründer Stefan Ponsold überlegt – und schlägt ein. Es dümmelt wieder, Deal! Allerdings wurde über den Deal nach der Aufzeichnung noch weiter verhandelt, wie Ponsold gegenüber Gründerszene verriet.
  • Das Pärchen Katja und Markus Lambrecht fordert 50.000 Euro für 16,5 Prozent für die Kfz-Mechaniker Plattform Onkel Wolle. Niemand beißt an. No Deal.
  • Die ehemalige TV-Moderatorin Stefanie Hofbauer und ihr Partner Thomas Steinbach pitchen ihr Hundefutter-Startup Oscar & Trudie. Sie fragen nach 100.000 Euro für 20 Prozent. Kein Angebot, kein Deal.
  • Die vier WHUler Tobias Weiper, Marik Hermann, Maximilian Messing und Sven Lackinger suchen für ihre Parkhaus-App Evopark nach 1,5 Millionen für 15 Prozent der Unternehmensanteile. Thelen und Maschmeyer machen einen Gegenangebot: gleiche Summe, dafür 25,1 Prozent der Anteile. Das Gegenangebot von Evopark: 16,5 Prozent für die Millionen-Summe. Die Investoren winken ab.
  • Für den Pannenfächer braucht die Familie um den Erfinder Richard „Richy“ Kaulartz 75.000 Euro für 15 Prozent. Dümmel fordert 25,1 Prozent. Ohne lange zu überlegen, schlägt der Gründer ein.
Bild: Vox