die grossen mediendeals

Milliardäre und Zeitungsverlage – die neue große Liebe?

Wenn man sich die Medien-Meldungen der letzten Monate anschaut, könnte man meinen, dass nach Fußballclubs und Modemarken das Aufkaufen von Zeitungs- und Zeitschriftenverlage das neue Hobby von (nicht nur) Milliardären ist. Heute Nacht vermeldete der Verlag Washington Post Co., dass er sich und sein Prestigeobjekt, die gleichnamige Zeitung „Washington Post“, an den Amazon-Gründer Jeffrey Bezos verkauft hat. Für 250 Millionen US-Dollar – in bar.

Die folgende Übersicht zeigt die größten Mediendeals der letzten Monate, in umgekehrter chronologischer Reihenfolge:

5. August 2013: Jeffrey Bezos kauft die Washington Post. Die Herausgeberin Katharine Weymouth sagt dazu in der Post: „Bezos ist bekannt für seinen langen Atem bei Investments und seine langfristigen . Deshalb war er ein atraktiver Käufer für uns.“ Hier ein Kommentar von Chefredakteur Nikolaus Röttger.

3. August 2013: Die New York Times verkauft den Bosten Globe an Milliardär John Henry. Der Unternehmer ist bereits Mehrheitseigner des britischen Fußballclubs FC Liverpool und des US-Baseball-Giganten Boston Red Sox. Vor zwei Jahrzehnten hatte die Times noch 820 Millionen Euro für den Globe bezahlt – Henry bekommt sie jetzt für „günstige“ 52,8 Millionen Euro. Und nicht nur das: Im Paket sind etwa auch die Webseiten Bostonglobe.com und Boston.com, sowie 49 Prozent der Anteile am öffentlichen Verkehrssystem Metro Boston. So erweitert man seinen Einfluss in der Stadt.

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Die Globe hatte zuvor mit sinkenden Anzeigenerlösen zu kämpfen. Aus dem Verlag der New York Times heißt es, dass die Verkaufssumme in die Marke der Times investiert werden sollen.

3. August 2013: Das Online-Verlagshaus IBT Media kündigt an, in den kommenden Tagen die „Newsweek“ kaufen zu wollen. Das einstmals nur in gedruckter Form erhältliche US-Nachrichtenmagazin erscheint seit Ende 2012 als kostenpflichtige Online-Ausgabe. IBT hat sich auf Online-News-Seiten spezialisiert und besitzt unter anderem die International Business Times, Medical Daily und Latin Times. Noch gehört die Newsweek dem inzwischen verstorbenen US-Milliardär Sidney Harman, der das Magazin der Washington Post 2010 für einen symbolischen US-Dollar abgekauft hatte.

25. Juli 2013: Die Axel Springer AG verkauft die Berliner Morgenpost, das Hamburger Abendblatt, Hörzu und andere Print-Produkte an die Funke Mediengruppe für 920 Millionen Euro. Lediglich 660 Millionen Euro sollen bei Vollzug fließen, für den Rest gewährt Springer der Unternehmerfamilie einen mehrjährig laufenden Kredit. Springer will sich fortan konsequent hin zu einem reinen, digitalen Medienhaus entwickeln. Mit einem eigenen Accelerator-Programm werden jetzt schon junge Tech-Unternehmen, die irgendwann einmal für Springer interessant sein könnten, gefördert.

Das eingenommene Geld heizt natürlich auch die Gerüchteküche an. Übernimmt der Traditionsverlag bald doch die Scout24-Gruppe, um im Kleinanzeigengeschäft ein Quasi-Monopol zu bekommen?

25. Februar 2013: Die BH Media Group von US-Milliardär Warren Buffett kauft die Tulsa World, ein kleines Regionalblatt aus Oklahoma mit einer Auflage von 95.000 Exemplaren. Was das Besondere an diesem Deal ist? Buffett hatte bereits in den Monaten zuvor immer mal wieder kleine Lokalzeitungen wie die „Greensboro News & Record“ gekauft und sein Medienimperium auf 28 Tageszeitungen und insgesamt 269 Printpublikationen anwachsen lassen.

Als Buffet im Herbst 2011 rund 150 Millionen US-Dollar für die Übernahme der „Omaha World-Herald Company“ bezahlte und damit unter anderem die Lokalzeitung seines Heimatorts übernahm, sagte er: „Ich bin der Auffassung, dass Zeitungen eine ordentliche Zukunft haben. Es wird nicht wie in der Vergangenheit sein. Aber es gibt viele Dinge, die Zeitungen besser hinkriegen als andere Medien“. In kleinen Orten mit starkem Gemeinscchaftsgefühl gebe es etwa keine wichtigere Institution als die Lokalzeitung. Zeitungen hätten demnach eine gute Zukunft, wenn sie Informationen lieferten, die man nirgends sonst finde. „Auch nicht im Internet“, sagt er.

Foto: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Elvert Barnes