Vural Öger, Judith Williams, Frank Thelen, Lencke Steiner und Jochen Schweizer

Die Löwen sind los. Das sollte mittlerweile jeder mitbekommen haben. Deutsche Metropolen sind vollgekleistert mit den Werbeplakaten für die TV-Startup-Show „Die Höhle der Löwen“, die gestern in die zweite Staffel ging. Im vergangenen Sommer hatte die Sendung in acht Folgen am Dienstagabend Traumquoten erzielt. Diesmal will Vox noch mehr rausholen.

Die erste Folge gucken wir auf Einladung des Senders schon am Montag in dem kleinen Münchner Arena-Kino im Glockenbachviertel. Rund 70 Gäste sind gekommen, um schon einen Tag vorher die erste Folge zu sehen, darunter auch die fünf Juroren Vural Öger, Judith Williams, Frank Thelen, Lencke Steiner und Jochen Schweizer. Unter viel Gelächter wird die Show ohne Werbeeinblendung, dafür mit tollem Sound und auf großer Kinoleinwand geguckt. Schon für die erste Folge hat Vox fünf außergewöhnliche Geschäftsideen gecastet.

Den Anfang machen die zwei Gründer von Heimatgut. Das Hamburger Startup produziert gesunde, luftgetrocknete Chips aus Wirsing in vier verschiedenen Geschmacksrichtungen, die auch die Münchner Kinogäste vor Beginn der Vorführung als Popcorn-Ersatz in die Hand gedrückt bekommen.

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Bei viel Wirsing-Chips-Geraschel im Zuschauerraum wird auf der Leinwand knallhart verhandelt. 125.000 Euro für 5 Prozent fordern die Hamburger. Teleshopping-Queen Judith Williams ist begeistert: „Ich will Geschmack, aber nicht den Speck auf den Hüften“. Für die 125.000 Euro pocht sie allerdings auf 30 Prozent der Anteile. Ihr Angebot lehnen die Gründer selbstbewusst ab. Ihr Glück, denn in letzter Minute unterbreitet ihnen Ex-Stuntman Jochen Schweizer einen Deal und fordert lediglich 15 Prozent. Da schlagen die Macher ein – auch wenn Schweizer nicht ganz überzeugt ist: „Ob ich das Geld wieder sehe, weiß ich nicht“ ruft er den Gründern zum Abschied hinterher.

Ein seichter Start mit Happy End. Im Münchner Kino ist die Stimmung gut – und sie wird noch besser, als das zweite Startup sich vor den Löwen präsentiert. Die Berliner von Sixtyone Minutes werden von den Löwen von Beginn an zerrissen. Die Gründer, die ähnlich wie GoButler Aufgaben der Nutzer per SMS erfüllen wollen, fordern 200.000 Euro für 10 Prozent der Anteile. Der Name ihres Startups ist dabei offenbar Programm – rund eine Stunde müssen die Nutzer warten, bis sie ihre Fragen, beispielsweise nach dem passenden Hotel oder einer Reinigungskraft, beantwortet bekommen.

Die Jury ist geradezu schockiert von dem Konzept – zumal schnell klar wird, dass den Gründern die passende Technologie fehlt. „Das ist eine verrückte und dumme Idee“, schimpft Investor Frank Thelen. „Ihr unterschätzt dieses Geschäft, ihr überschätzt Euch“, legt Reise-Unternehmer Vural Öger nach. Gründer Michael Gnamm guckt schockiert, rote Nervositäts-Flecken machen sich auf seinem Hals breit. Seine Mitgründerin Monique Hoell versucht, die Situation zu retten und versichert, dass Sixtyone Minutes 2017 150 Millionen Umsatz und 30 Millionen Gewinn machen wird. Jetzt sind die Löwen richtig sauer. Die Zuschauer in München können sich kaum in ihren Stühlen halten vor lachen. Schadenfreude ist offenbar auch hier die schönste Freude. Dabei könnte man fast Mitleid mit den Gründern haben.

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Doch das Trauerspiel ist noch nicht am Ende: Bevor die Gründer den Löwenkäfig verlassen, legt auch noch Jochen Schweizer einen drauf und zeigt auf ein Karminfeuer am Rand der Bühne: „Seht ihr das Feuer? Ob ich das Geld in dieses Feuer gebe oder Ihnen, es wird das gleiche passieren: Es wird verbrennen“.

Für ordentlich Gelächter beim Münchner Publikum sorgt dann noch mal das Startup Thronjuwel, das ein Spray aus ätherischen Ölen gegen den Geruch nach dem Toilettengang entwickelt hat. Schon vor dem Auftritt der Gründer erklärt Frank Thelen, dass er so ein Spray nicht benötige: „Ich habe einen Ventilator im Klo, der saugt den Duft magisch auf.“ Seine Jury-Kollegen können nur staunen. In München wieder lautes Lachen.

Die Thronjuwelen-Gründerin erklärt, dass die Idee für ihr Startup entstand, als sie vor dem Toilettengang ihres Mannes Hühnerbrühe ins Klo gegossen hatte und es nicht zu stinken anfing, weil die Fettschicht die Verbreitung des Geruchs verhinderte. Eine ehrliche Geschichte. Zu ehrlich für die Löwen.

Frank Thelen fehlt der sogenannte Unique Selling Point, er befürchtet Nachahmer. Öger und Steiner wollen lieber nicht in Klo-Produkte investieren. Judith Williams befürchtet, dass ein solches „Igitt-Igitt-Produkt“ nicht bei ihren Teleshopping-Zuschauern ankommt. Und Jochen Schweizer lehnt ab, weil er den Mehrwert nicht erkennt: „Ich bin da oldschool und mache einfach das Fenster auf.“

Unterhaltsam für die Zuschauer, ärgerlich für die Gründer: Sie verlassen traurig die Höhle der Löwen. Besser gelaunt sind dagegen die Zuschauer die nach rund einer Stunde für Drinks und Fingerfood ins Foyer des Münchner Kinos treten. Für Vox hat sich das Tamtam gelohnt: 1,92 Millionen Zuschauer guckten am Dienstagabend die Show, damit hatte Vox 9,7 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe.

Die Deals im Überblick:

  • Die Gründer Maurice Fischer und Aryan Moghaddam von Heimatgut aus Hamburg wollten für 125.000 Euro 5 Prozent der Firmenanteile abgeben. Schlussendlich gibt ihnen Jochen Schweizer die 125.000 Euro, allerdings für 15 Prozent der Anteile.
  • Für Sixtyone Minutes aus Berlin, gegründet von Michael Gnamm und Monique Hoell, sollen die Löwen 200.000 Euro für 10 Prozent der Anteile geben. Kein Löwe möchte investieren.
  • Martin Ecker hat mit Tragfix eine praktische Halterung für Säcke entwickelt. Er möchte 150.000 Euro für 7 Prozent. Judith Williams will das Geld für 51 Prozent der Anteile investieren. Alternativ fordert sie 26 Prozent der Anteile und 1 Euo pro verkauftem Produkt. Doch Eckert will nicht.
  • Die Gründer von Thornjuwel fordern 150.000 Euro für 15 Prozent, gehen aber leer aus.
  • Der 21-jährige Gründer von Kape Skateboards braucht für sein Startup 60.000 Euro. Er will 20 Prozent der Anteile dafür abgeben. Skateboard-Fan Frank Thelen gibt ihm das Geld für 30 Prozent der Anteile.

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Auch das Delikatessen-Startup Foodist hat kein Investment von den „Löwen“ bekommen. Denn: Das Angebot von 125.000 Euro für 25 Prozent fanden die Gründer zu happig. Seitdem hat das Unternehmen jedoch auf der Crowdinvesting-Seite Companisto Geld eingesammelt. Und an einer weiteren Finanzierungsrunde arbeite Foodist auch, heißt es vom Unternehmen. Mittlerweile arbeiten 30 Mitarbeiter bei Foodist, vor einem Jahr waren es noch zehn. Investoren-, aber auch Presse- und Kooperationsanfragen seien eingetrudelt. Sogar die Zahl der Job-Bewerber sei gestiegen. Dieses Jahr erhoffe sich Foodist einen Jahresumsatz, der fünf Mal so hoch ist wie 2014, so eine Sprecherin. Bild: Vox

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