Frank_Thelen_Softstep_Heels

Frank Thelen begutachtet die SoftstepHeels.

Die Hochnäsigkeit der Raubkatzen

Derselbe Einstieg, dasselbe Investoren-Loblied, wieder zwei Investments: Von ihren Vorgängern unterscheidet sich die neueste Löwen-Episode kaum. Langsam aber sicher deutet sich an, dass das Format nicht gerade mit Abwechslung glänzt.

Dazu trägt die stete Selbstüberschätzung der Investoren bei, die mit jeder Folge zuzunehmen scheint. Als etwa die Stockbrot-Gastronomen Florian Hermann und Erik Schwarzer 200.000 Euro für eine Gewinnbeteiligung anbieten, schlägt Vural Öger einen Strategieschwenk vor. Besser wäre doch eine Fastfood-Kette à la McDonalds oder Vapiano.

Schnippisch kommentiert Jochen Schweizer die Unentschlossenheit der Gründer: So, so, an den unternehmerischen Sachverstand eines erfahrenen Investors glaube man wohl also nicht. Selbst Schuld!

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Auch Judith Williams unterstreicht gerne, dass sie sich zu Höherem berufen fühlt. Eine Beteiligung von nur drei Prozent für 150.000 Euro und ein Reißverschluss-Werkzeug? Auf zwei Teleshopping-Kanälen sei ZlideOn bereits gelistet und bringe es auf eine Gesamtbewertung von stattlichen fünf Millionen Euro.

Williams aber sagt: „Wenn ich Sie auf den richtigen Weg bringe und meine Expertise investiere, dann kostet das. Meine Arbeit ist mehr wert als drei Prozent. Viel mehr.“ Das letzte Angebot von Andreas Schneider und Hans-Joachim Berndt lautet: 200.000 Euro für fünf Prozent. Von vornherein klar ist: Williams wird ablehnen. Schließlich lassen sich andere Gründer mit weniger Aufwand viel höhere Beteiligungen aufschwatzen.

Keine Chance für Fünferbeteiligung

Erstmals aneinander gerät die Jury, als Öger, Thelen und Williams ankündigen, das Bommelmützen-Startup Twinkle Kid finanzieren zu wollen.

Statt der eingeforderten 84.000 Euro bietet das Dreiergespann sogar 90.000 Euro – will aber 40 Prozent. Jochen Schweizer und Lencke Wischhusen unterbrechen die Verhandlungen, auch sie wollen investieren. An Williams aber prallen sie ab. Ihr Angebot wolle sich die Teleshopping-Regentin durch die Kollegen nicht „verwässern“ lassen.

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Jochen Schweizer und die Twinkle-Kid-Gründer

Indes gibt Frank Thelen das selbstbewusste Versprechen, dass Startups, denen er sich annimmt, „ganz groß werden können“.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass viele Gründer in erster Linie eine Finanzspritze benötigen und nicht unbedingt auf die Expertise der Löwen aus sind. Besonders deutlich wird das bei den Modellen, die auf kein Investorenprofil passen. Netzwerk und Erfahrung wären in den meisten Fällen wohl allenfalls schönes Beiwerk.

Die publikumswirksame Selbstvermarktung der Löwen steht nach wie vor im Zentrum der Sendung.

Diese sieben Startups stellten sich den Löwen in der dritten Folge:

  • Florian Hermann und Erik Schwarzer aus Bochum sind Besitzer des Stockbrot-Restaurants Knüppelknifte. Um weitere Standorte eröffnen und ein Franchise-Konzept umsetzen zu können brauchen die jungen Männer 200.000 Euro – und bieten eine  Gewinnbeteiligung. Öger findet, dass die Unternehmer eine Fast-Food-Kette für Stockbrot ins Leben rufen sollten. Hermann und Schwarzer wären bereit, ein solches Vorhaben neben ihrem bestehenden Projekt zu stemmen. Die Löwen lehnen ab.
  • Antje und Marvin Loesdau verkaufen Mützen mit reflektierendem Bommel für Kinder. Ihr Unternehmen Twinkle Kid machte im vergangenen Jahr 20.000 Euro Umsatz. Jetzt wollen sie 84.000 Euro für 25 Prozent Unternehmensanteile. Öger, Thelen und Williams bieten mit 90.000 Euro etwas mehr Geld, wollen dafür aber 40 Prozent einkassieren. Auch Wischhusen und Schweizer würden investieren, prallen aber an Williams ab. Das Ehepaar Loesdau stimmt dem Angebot zu.
  • ZlideOn will eine erste Hilfe für defekte Reißverschlüsse sein. Andreas Schneider und Hans-Joachim Berndt haben das Unternehmen gegründet und verlangen 150.000 Euro für überschaubare drei Prozent. Williams will einsteigen, kann sich mit dem Gründerteam aber nicht auf eine Beteiligung einigen.
  • Stephanie Kaiser und ihr Geschäftspartner Roman Haidinger wollen die sogenannten SoftstepHeels, Schuhe mit weichem Absatz, an die Frau bringen. Dafür brauchen sie 350.000 Euro und bieten 10 Prozent. Statt zu investieren, decken die Löwen das unausgeglichene Beteiligungsverhältnis der beiden Partner auf. Ein Investment kommt nicht zustande.
  • Katrin Linzbach will mit ihrem spirituellen Kartenspiel Bewusstsein braucht Raum Aufmerksamkeit auf die Dinge lenken, die Kraft und Harmonie spenden. 90.000 Spiele will sie verkaufen und dafür 65.000 Euro zu 15 Prozent einfahren. Die Löwen sind nicht interessiert.
  • Wein im Plastikbecher bieten Jonathan Goutkin und Daniel Dimitriok. Für ihr Unternehmen Le Petit Raisin hätten sie gerne 150.000 Euro. Im Gegenzug bieten sie eine 15-prozentige Beteiligung. Erstmals wollen mit Öger, Schweizer, Thelen und Williams gleich vier Investoren einsteigen. Sie bieten 150.000 Euro zu 40 Prozent. Bis sie ihr Geld wieder haben, wollen sie außerdem weitere 5 Cent pro verkaufter Flasche einbehalten. Sollte Le Petit Raisin in den nächsten drei Jahren 10 Millionen Euro Umsatz machen, wollen die Löwen Anteile abtreten und nur noch 25 Prozent halten. Die Gründer sind zunächst misstrauisch, wollen feilschen. Am Ende nehmen sie das Angebot aber an.
  • Der Pfandring, eine Erfindung von Paul Ketz, soll Flaschensammlern den Zugang zu Dosen und Flaschen erleichtern. Er lässt sich an öffentlichen Mülleimern anbringen. Um eine Spritzgussmaschine für die Serienproduktion der Ringe kaufen zu können, ist Ketz auf ein Investment in Höhe von 50.000 Euro angewiesen. 20 Prozent seines Unternehmens will er dafür abtreten. Die Investoren aber sind skeptisch, sehen im Konzept kein großes Business – und lehnen ab.
Bilder: Vox