MusicWorks

Judith Williams und Jochen Schweizer (rechts) lauschen dem MusicWorks-Gründer Michael Reinhold

Der Klon, der nicht entlarvt wurde

Vorhang auf für die vierte Ausgabe der Löwen-Show. Die Protagonisten: eine Ghostbusters-Kaffeemaschine, Hipster-Dreiecke und wandelnde Karotten. Die Investoren präsentieren sich gewohnt verhandlungssicher, lassen dabei aber erstmals so etwas wie mangelnde Branchenkenntnis durchsickern.

So verklickert Judith Williams den Gründerinnen der Do-it-Yourself-Plattform Meisterclass, dass es hochwertige Lernvideos für Handwerkstechniken bereits kostenlos im Internet gibt. „Ihr werdet schnell merken, dass ihr damit nicht durchkommt“, meint auch Lencke Wischhusen. Der geschichtsträchtige Kommentar von Thelen: „Das ist mein Rat, den ich das erste Mal hier ausspreche: Hört auf!“

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Dabei zeigt ein Blick auf den Markt für entsprechende Inhalte im Netz, dass beispielsweise das Berliner Unternehmen Makerist mit exakt demselben Konzept bereits Umsätze im sechsstelligen Bereich generiert und den Break-Even für 2016 ins Auge gefasst hat. Über die offensichtlich erfolgreiche Kopiervorlage verliert in der Jury niemand ein Wort. Beim ersten richtigen Online-Startup der Show verpasst der hochgepriesene Internetmogul Thelen also die Chance, seine Online-Expertise auszuspielen.

Nicht gelten lassen wollen die Investoren auch bei ihrem vierten Auftritt die Zahlen, die die Gründer ausspucken. 750.000 Euro für fünf Prozent fordern beispielsweise die Erdbär-Gründer Alexander und Natacha Neumann. Dazu sagt Vural Öger: „Ich gebe einem Unternehmen kein Geld, dessen Wert fiktiv auf 15 Millionen Euro geschätzt wird.“ Auch Thelen schimpft, dass die Zahl unrealistisch sei. Bei einem sechsstelligen Verlustgeschäft im vergangenen Jahr dürften sie mit ihrer Schelte auch nicht falsch liegen.

Widerrede unerwünscht

Ebenso wenig geduldet wird die Gegenrede der Teilnehmer. Julian Breitenecker von Locca, einem Entwickler von GPS-Ortungsgeräten, will für sieben Prozent seines Unternehmens Kapital in Höhe von 350.000 Euro. Thelen aber will 14 Prozent – Schweizer und Öger ziehen mit. Breitenecker stockt; im Boot sitzen noch zwei weitere Gesellschafter. Ein Gegenangebot lehnen die Investoren allerdings rigoros ab. „Das kannst du machen, aber dann sind wir raus“, faucht Thelen.

Wischhusen_CateWalker

Lencke Wischhusen testet den CateWalker

Die Locca-Gesellschafter am Telefon sind skeptisch: Werden die Investoren ihre Versprechen überhaupt einhalten? Nachvollziehen können die Löwen dieses Misstrauen nicht. Gründer Breitenecker ist das egal, er erklärt sich bereit, anteilsmäßig selbst kürzer zu treten, wenn der Deal zustande kommt. Tatsächlich einigen sich die vier Partner.

Als sich die Seiten zum abgeschlossenen Investment beglückwünschen, kommt es zum Déjà-vu. Vural Öger orakelt, dass das Unternehmen mit dem neu gewonnenen Investoren-Trio ganz sicher in „eine große Zukunft“ steuere.

Diese sechs Startups stellten sich den Löwen in der vierten Folge:

  • Uwe Hartmann aus Mainz hat den tragbaren Espressoautomaten CateWalker entwickelt. Um mit seiner Erfindung in die Serienproduktion einsteigen zu können, braucht er 300.000 Euro – dafür bietet er den Investoren 30 Prozent seines Unternehmens. Einen Espresso kann der Gründer im Studio nicht brauen, was die Investoren ärgert. Für Hartmann gibt es kein Geld.
  • Das deutsch-französische Ehepaar Alexander und Natacha Neumann meint, dass es spezielle Produkte braucht, damit sich Kinder gesund ernähren. Unter der Marke Erdbär vertreiben sie gesunde Snacks für den Nachwuchs. Zum Essen von Obst und Gemüse animieren sollen etwa Karl Karotte und Betty Birne, die in der Show publikumswirksam vorgeführt werden. Die Gründer bieten fünf Prozent für 750.000 Euro. Williams ist das Angebot zu heiß, sie will 30 Prozent. Das Gründerpaar lehnt ab.
  • Der Makerist-Konkurrent Meisterclass stellt Do-it-Yourself-Lernvideos ins Netz. Bislang sind drei Videos online. Darin erklärt und zeigt eine Bastlerin, wie Babyoutfits gestrickt werden. Die Gründerinnen Linda Dannenberg und Verena von Stromberg wollen die Plattform weiterentwickeln. Dafür benötigen sie 80.000 Euro und bieten zehn Prozent Firmenanteile. Thelen rät den jungen Frauen, aufzuhören. Sie verlassen die Höhle ohne Investment.
  • Michael Reinhold und Steffen Merkel bieten Musik-Workshops für Unternehmen an. Teilnehmer sollen auch ohne musikalische Vorkenntnisse am Ende eines Kurses gemeinsam musizieren, was den Zusammenhalt des Teams stärken soll. Das Angebot von MusicWorks: 40.000 Euro für acht Prozent des Unternehmens. Jochen Schweizer steigt ein, fordert aber 25,1 Prozent. Rheinhold und Merkel stimmen zu.
  • Über den Onlineshop Feralstuff verkaufen die Hamburger Jungunternehmer Jonas Sieben und Trutz von Klodt T-Shirts und Taschen mit Klett-Einsatz, auf die sich je nach Geschmack verschiedene dreieckige Hipster-Motive aufbringen lassen. Ihre Idee soll mit 50.000 Euro unterstützt werden. Im Gegenzug bieten sie 30 Prozent. Williams zeigt Interesse, zieht letztlich aber den Schwanz ein.
  • Das österreichische Hardware-Startup Locca will sicherstellen, dass die Lieblinge von iPhone– und Hundebesitzern nicht mehr verloren gehen. Das kleine Ortungsgerät erfasst den Standort von Gegenständen, Tieren oder Kindern per GPS und GSM und übermittelt ihn an die Locca-App auf Smartphone, Tablet oder Browser. Entwickler Julian Breitenecker möchte für das System 350.000 Euro zu sieben Prozent. Thelen, Schweizer und Öger wollen investieren und für den genannten Betrag 14 Prozent nehmen. Die beiden übrigen Gesellschafter fühlen sich mit dem Angebot nicht wohl. Breitenecker schon: Er würde für den Deal sogar seine eigenen Anteile zurückschrauben. Das Investment kommt zustande.
Bilder: Vox