Thelen_Wischhusen

87 Prozent aller unspezifischen Rückenbeschwerden könne der Chirotractor heilen, sagt Erfinder Dr. Chen. Da klappt Thelen die Kinnlade runter.

Darf es ein bisschen mehr sein?

Die Löwen haben ihre Spendierhosen an. Erstmals gibt es bei der Vox-Startup-Castingshow Die Höhle der Löwen für zwei Unternehmen (niedrige) sechsstellige Beträge. Über den Tisch gehen dafür jeweils rund 30 Prozent der Firmenanteile. Den berühmt-berüchtigten Locca-Deal aus der letzten Episode überbieten die Investoren damit zwar nicht, dafür dürften die Geschäfte diesmal reibungsloser über die Bühne gegangen sein. Das liegt nicht nur an der Abwesenheit herrenloser Quellcodes, sondern auch daran, dass die Verhandlungen in dieser Episode auf deutlich festerem Boden stattfinden.

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Die nämlich sind nicht wie üblich eine Einbahnstraße in Richtung Elfenbeinturm der Raubtiere. Endlich dürfen auch die Gründer ein Wörtchen mitreden. Es wird also gefeilscht und gehandelt – auch nach der Präsentation des MyLovesong-Gründers.

Kiu Ghaderi darf sich zwischen gleich zwei Angeboten entscheiden. Da wäre zum einen Jochen Schweizer, der das Angebot über sein Erlebnisgeschenke-Portal vermarkten will. Ihm sind die personalisierten Songs durchaus die angesetzten 20 Euro wert. Allerdings möchte er für die eingeforderten 115.000 Euro eine 50-Prozent-Beteiligung. Auf der anderen Seite stehen Frank Thelen und Judith Williams, die in den Massenmarkt wollen, es ebenfalls auf die Hälfte des Unternehmens abgesehen haben und sich im Schatten von Schweizer sogar auf 40 Prozent herunterhandeln lassen. Dazu schraubt Thelen die Finanzierung noch ungefragt auf 150.000 Euro hoch. Das hat Seltenheitswert.

Gründer Ghaderi ist kurz davor, sich zum Thelen-Williams-Gespann hinreißen zu lassen, als Schweizer eingreift. Nein, er wolle ihn einfach. Das neue Schweizer’sche Angebot: 115.000 Euro für 26 Prozent. Am Ende kommt ein Deal zustande, der so nah an den ursprünglichen Vorstellungen des Gründers liegt, wie noch kein Löwen-Investment zuvor.

Thelen setzt auf Tiefkühlkost

Fast scheint es, als schlüpften die Investoren in dieser fünften Ausgabe in die Rolle der Kämpfer, die sich um ein Investment reißen. Zuletzt hatte sich das einzig bei den Bommelmützen-Machern von Twinkle Kid angedeutet.

Nun wird sich auch bei Vepura für eine Beteiligung ordentlich ins Zeug gelegt. Die indischen Fertiggerichte aus der Tiefkühltruhe scheinen zu munden, jedenfalls wollen Thelen, Williams und Öger investieren, wenn die Gründer zwei Drittel ihrer Beteiligungen an einem Kokoswasser-Anbieter in das vorgestellte Unternehmen übertragen. Das soll Sicherheit schaffen.

Zu 45 Prozent wollen sich die drei Löwen beteiligen. Manoj Jain und Andreas Siebert erscheint das unrealistisch. Wo die Gründer sonst gegen Wände gerannt wären („Du kannst gerne ein Gegenangebot machen, aber dann bin ich raus!“) fragen die Investoren nach. Wie viel dürfen es denn sein? 30 Prozent also? Da steigen Williams und Öger aus. Thelen aber will nicht klein beigeben, pirscht sich an Öger und Williams heran und überredet sie schlussendlich, einzusteigen. Bis sie ihr Geld wieder haben beharren sie allerdings auf 25 Cent des Verkaufserlöses pro Packung. Am Ende jubelt Vural Öger: „Das ist der vernünftigste Deal, den ich bisher in dieser Sendung gemacht habe.“

Thelen

Thelen versucht sich am Chirotractor

Zum Abschluss darf sich Dr. Eduard Chen, Erfinder des Rückentrainers Chirotractor, über eine Lobrede vom Podium freuen. „Du bist einer der besten Gründer, die ich seit langem gesehen habe“, sprudelt es aus Thelen heraus. Angeführt von der chronischen Nein-Sagerin Lencke Wischhusen macht der Rest der Runde einen Rückzieher. Thelen grübelt erst, zieht sich letztlich aber ebenfalls aus der Affäre. Sein Resümee: „Ich habe keine Ahnung vom Gerät, aber der Typ war Granate.“

Diese sechs Startups stellten sich den Löwen in der fünften Folge:

  • Christian Klemenz aus Bamberg hat die Biermarke St. Erhard kreiert und hofft auf 350.000 Euro. Im Gegenzug möchte er fünf Prozent der Firmenanteile abtreten. Sein „Flaggschiff-Bier“ will er vor allem in Indien vermarkten. Den Löwen schmeckt der Auftritt nicht. Sie winken ab.
  • Hinter MyLovesong steckt Kiu Ghaderi aus Leverkusen. Er präsentiert eine Plattform für individuelle (Liebes-)Lieder. Dafür benötigt er eine Finanzspritze in Höhe von 115.000 Euro und bietet 25 Prozent seines Unternehmens. Nach langem Hin und Her liegen zwei Angebote auf dem Tisch: Thelen und Williams bieten 150.000 für 40 Prozent. Die beiden wollen die Songs für jeweils 4,99 Euro verschachern. Schweizer verspricht 115.000 für 26 Prozent. Auf seinem Portal soll ein Lied 20 Euro kosten. Gründer Ghaderi tut sich mit Schweizer zusammen.
  • Britta Schollbach will die Investoren mit High-Heel-Accessoires, den „Glammys“, überzeugen. Strass-Steinchen und Mini-Federboas sollen die Absätze der hohen Treter dekorieren. Um ihre Idee zu vermarkten fehlen Schollbach 35.500 Euro. 20 Prozent der Anteile bietet sie den Löwen dafür. Alle Investoren steigen aus.
  • Unter dem Namen Vepura vertreiben Manoj Jain und Andreas Siebert indische Fertiggerichte. Die Lebensmittel werden in Indien zubereitet und tiefgefroren nach Deutschland importiert. Für zehn Prozent hätten Jain und Siebert gerne 120.000 Euro. Aus einem anderen Unternehmen sollen die Gründer ihre Anteile in Vepura übertragen, fordern Thelen, Williams und Öger. Deren Angebot: 120.000 für 30 Prozent. Außerdem wollen sie 25 Cent pro verkaufter Packung zurück. Die Gründer willigen ein.
  • Ella & Paul produzierte Kuscheltiere auf Basis von Kinderzeichnungen. Die Webseite des von Andreas Graap gestarteten Unternehmens verrät allerdings, dass Ella & Paul sein Geschäftskonzept an den Nagel gehangen hat, weil die „Bestellungen hinter den Erwartungen zurückblieben.“ Nun wolle man Kinderlieder produzieren. Von den Löwen fordert Graap bei der Aufzeichnung noch 75.000 Euro und bietet 30 Prozent seines Unternehmens. Den Löwen zeigt der Gründer zu wenig Enthusiasmus. Sie investieren nicht.
  • Der Orthopäde Dr. Eduard Chen hat den Chirotractor entwickelt, ein Trainingsgerät für den Rücken. Er fordert 300.000 Euro für zehn Prozent. Die Investoren räumen ein, zu wenig Ahnung auf dem Gebiet zu haben und steigen aus.
Bilder: Vox