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Judith Williams checkt den Gobl Sicherheitsgürtel

Komplimente statt Kohle

Die Investoren schlagen bei ihrem sechsten Auftritt sanftere Töne an und gehen mit harscher Kritik größtenteils sparsam um. Für die Gründer zahlen sich die Schmeicheleien wie gewohnt selten aus: Mehr als die obligatorischen zwei Investments kommen nicht zustande. Die geflügelte Phrase des Abends: „Sehr sympathisch. Aber das Produkt ist nichts für mich.“

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Schöne Augen macht Wischhusen etwa den muskelbepackten Energieriegel-Zwillingen von Twins Fitness: „Für mich ist nicht das Produkt der Star, sondern ihr beide.“ Komplimente, aber kein Geld gibt es auch für den Erfinder des spritzfreien Duschvorhangs: Ein guter Unternehmer und ein ebenso gutes Produkt stünden da vor ihm, heißt es da von Frank Thelen. Vor einem Investment schreckt er dennoch zurück. Auch Lencke Wischhusen lobt die Erfindung, der „strategisch richtige Partner“ sei sie aber kaum. Auffallend: Immer wieder begründen die Investoren ihren Ausstieg aus wenig lukrativen Angeboten mit fehlendem Fachwissen.

Ganz anders sieht die Welt aus, wenn sich eine Idee zu Geld machen lässt. Die typische Ausrede „Das passt leider nicht zu mir“ – ungültig. Beim Hygienestab gibt Thelen offen zu, keine Ahnung von Chemie zu haben. Gründer Helrik Bobke scheint ihm ebenso wenig zuzusagen. Der aber hält ein Patent am Kühlschrank-Accessoire und Thelen wittert seine Chance: „Das ist ja eine Gelddruckmaschine!“ Gemeinsam mit Judith Williams will er investieren, statt der Umsatzbeteiligung aber Anteile am Unternehmen einstreichen. Darauf will sich der Knick’n’Clean-Gründer nicht einlassen – auf eine Partnerschaft verzichtet er lieber.

Übernahme eines Kippelkandidaten

Blöchl_DHDL

Gobl-Gürtel-Gründer Margot und Gottfried Blöchl

Ein Herz für betagte Gründer beweisen die Investoren schließlich bei Startup Nummer sieben. Für mehr Sicherheit im Straßenverkehr hat das Ehepaar Blöchl einen reflektierenden Sicherheitsgürtel entworfen. Zum Preis von 40.000 Euro soll die GmbH nun vollständig in den Besitz der Löwen übergehen, weil Gottfried Blöchl das Unternehmen aus gesundheitlichen Gründen abstoßen muss. Vural Öger und Williams finden: „Ihr Lebenswerk sollte gewürdigt werden“ – und zahlen. Allem Anschein nach ein Wohlfahrtinvestment, das Öger und Williams aus Mitgefühl tätigen.

Inwieweit das Gespann sein gerade erworbenes Unternehmen tatsächlich am Leben erhält, bleibt fraglich, denn beide kündigen an, die Gürtel ihren Hotel- und Teleshopping-Kunden als Werbegeschenk mit auf den Weg geben zu wollen. Am Ende fließen bei Margot Blöchl trotzdem Freudentränen und der Zuschauer bekommt, worauf er in diesem Fall irgendwie gehofft hatte: den perfekten Castingshow-Augenblick.

Diese sieben Startups stellten sich den Löwen in der sechsten Folge:

  • Hinter La Mode Abyssale steht die Mainzerin Helen Benders. Sie entwirft Brautmode speziell für lesbische Paare und war mit ihrer Kollektion bereits auf den Laufstegen der New York Fashion Week. Um die Produktion auszulagern und sich ein Schnittprogramm zu leisten, braucht sie ein 50.000-Euro-Investment. Dafür bietet Bender eine Gewinnbeteiligung von 20 Prozent. Alle Löwen steigen aus.
  • Der Hygienestab Knick’n’Clean soll verhindern, dass sich Bakterien und Schimmelpilze im Kühlschrank ansiedeln. Lebensmittel sollen dadurch länger frisch bleiben. Ausgezeichnet worden ist die patentierte Erfindung von Helrik Bobke schon mehrfach – nun bittet er die Investoren um 50.000 Euro. Dafür steht eine Umsatzbeteiligung von zehn Prozent im Raum. Für die Investoren hieße das: kein Mitspracherecht. Thelen und Williams wollen dafür 20 Prozent des Unternehmens. Doch keine Chance: Der Gründer lässt sich nicht überreden.
  • Auf digitalem Terrain kein Unbekannter ist MeineSpielzeugkiste.de: Florian Spathelf hat den Spielzeug-Verleih 2011 mitgegründet. Vor der Kamera präsentiert er das Unternehmen gemeinsam mit dem zweiten Geschäftsführer Florian Metz. Von den Löwen fordern beide 150.000 Euro für fünf Prozent der Anteile. Schweizer und Thelen machen den Gründern ein Angebot: Sie wollen sich mit 10 Prozent beteiligen und das Investment dazu auf immerhin 200.000 Euro aufstocken. Spathelf und Metz stimmen dem Deal zu.
  • Die Erfindung von Michael Veith soll in erster Linie in Badewannen zum Einsatz kommen: Clevershower ist eine schraubenlose Halterung für Duschvorhänge mit Rundum-Spritzschutz. 150.000 Euro will Veith in der Show ergattern. Im Gegenzug bietet er 15 Prozent seines Unternehmens. Auch wenn sich die Jury mehrheitlich begeistert zeigt, will keiner investieren.
  • Marc Steinmetz und Stephanie Kelter wollen 300.000 Euro für Sandaletten mit auswechselbaren Schnürungen. Die Bonds-Latschen werden vor allem über Social Selling, also im Rahmen von Tupperpartys für Schuhe, verkauft. 20 Prozent will das Gründer-Paar abtreten. Gewinne rechnen sich die Investoren nicht aus. Sie wollen sich nicht beteiligen.
  • Unter dem Namen Twins Fitness bieten die Zwillingsbrüder und Sportstudio-Betreiber Florian und Karl Schmitt einen Energieriegel auf Haferflockenbasis an. Auf den Rücken der Brüder prangt das Firmenlogo bereits. Eine Beteiligung an ihrem Unternehmen wollen sich die Fitness-Zwillinge mit 150.000 Euro entlohnen lassen. 15 Prozent wäre ihnen das Investment wert. Investieren will keiner.
  • Der reflektierende Sicherheitsgürtel Gobl Gürtel von Gottfried und Margot Blöchl soll Unfälle im Straßenverkehr verhindern. Das Ehepaar plant nun den Exit, da Gottfried Blöchl das Unternehmen aus gesundheitlichen Gründen nicht weiterführen kann. 40.000 Euro wollen die beiden in der Sendung noch herausholen. Für diese Summe könnten die Löwen Gobl Gürtel komplett übernehmen. Öger und Williams tun sich zusammen und kaufen die GmbH.
Bilder: Vox