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Walk Like an African: Vural Öger testet eine ergonomische Kopfbedeckung

Die „Löwen“ wollen heute die Welt verbessern

Es ist die vorletzte Folge der Vox-Startup-Castingshow „Die Höhle der Löwen“ – und den Investoren ist offenbar die Lust an sinnbefreiten Gaga-Produkten vergangen. Das bekommen am Dienstagabend vor allem die Erfinder eines Weitschuss-Flaschenöffners zu spüren, die sich die härteste Abfuhr der heutigen Sendung abholen. Die „Löwen“ wollen an diesem Abend Ideen, die die Welt verbessern, Produkte, die gut sind für Umwelt oder Volksgesundheit: ein elektrischer Laubbläser oder ergonomisch vorteilhafte Kopfsäcke.

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Mit diesen zwei vollzogenen Investments liegt die Erfolgsquote dieser Sendung im Schnitt der bisherigen Episoden. Woran die fünf restlichen Startups scheitern, ist unterschiedlich: Mal ist es ein schlecht fokussierter Pitch, mal ist das Produkt nicht zu Ende gedacht, mal stimmt die Kalkulation nicht und mal ist die Idee einfach zu revolutionär.

Dieses Schicksal ereilt die Erfinderin eines Golf-Sportschuhs in Flip-Flop-Form. Mit Spikes unter der Sohle sollte der „G-Flop“ zwar genauso funktional wie herkömmliche Golfschuhe sein, die potenziellen Investoren glauben aber nicht daran, dass im piekfeinen Golfer-Milieu irgendjemand auf Flip-Flops umsteigen würde. Vural Öger fürchtet: „Die Leute würden mich auslachen. Kein Golfer würde so etwas kaufen.“ Frank Thelen gibt sich sogar als Verteidiger des Status quo: „Ich finde, so Schlappen kann man am Strand tragen. Ich möchte nicht, dass Leute in Europa mit solchen Schuhen auf Golfplätzen rumlaufen.“

Sonntagsreden von Jochen Schweizer

Aus Afrika kommt die Idee für den „Muskelaufbauenden Afrikanischen Kompressions Sack“, für den sich zwei Physiotherapeuten von Lasten schleppenden Frauen in Simbabwe haben inspirieren lassen. Dass sie für die Präsentation eine bunt gekleidete, schwarze Frau mit Obstschale auf dem Kopf als Ansschauungsbeispiel („So kennt man die Menschen in Afrika“) durchs Studio spazieren lassen und damit rassistische Klischees reproduzieren, scheint die Investoren nicht zu stören: Öger, Thelen und Judith Williams versprechen 90.000 Euro für 50 Prozent der Anteile und drei Euro pro verkauftem Sack, bis die Summe wieder drin ist. Kein besonders gutes Angebot, aber die Gründer lassen sich darauf ein. „Hey, Fun Deal!“, frohlockt Williams.

„Protero“ heißt das Gastronomiekonzept von vier Kölner Endzwanzigern, deren Geschäftsidee beim Pitch besonders schwammig bleibt. Erst auf Nachfrage kommt so langsam heraus, dass bisher nur ein Teilzeit-Konzeptladen und ein Onlineshop in Planung existieren.

Frank Thelen (links) schaut sich Abschleppstopp aus der Nähe an

„Es ist noch nichts da“, wundert sich Lencke Wischhusen.

„Es ist gar nichts da“, pflichtet ihr Jochen Schweizer bei.

So wird das nichts. Und zu allem Überfluss müssen sich die vier Gründer von Schweizer auch noch einen belehrenden Vortrag in väterlichem Tonfall anhören. Protero bräuchte überhaupt keine Investoren zu diesem Zeitpunkt. „Das könnt ihr selber machen mit der Hand am Arm!“

Dringende Hilfe suchen auch die beiden Jungs von Plöpper. Hinter ihnen liegen schon zwei Jahre „harte Entwicklungsarbeit“, die sie in ihren Weitschuss-Flaschenöffner gesteckt haben. Nun soll eine halbe Million her, damit der Plöpper durch die Decke geht. Nur: Die „Löwen“ halten nicht nur das für utopisch, sie haben geradezu weltanschaulich-moralische Zweifel am innovativen Bierdeckel-Katapult.

„Diese Werte, die ihr vermittelt, sind fragwürdig“, befindet Thelen. „Damit macht man die Welt nicht besser, mit dem Plöpper“, stellt Schweizer fest. Und Judith Williams resümiert: „Die Welt braucht keinen Plöpper.“

Diese sieben Startups stellten sich den Löwen in der achten Folge:

  • Susan Schmelzer hat den G-Flop entwickelt: „trendige Zehentrenner“ – oder auch, neudeutsch: Flip-Flops. Der G-Flop ist für den Golfplatz gedacht – aber machen das auch die auf Etikette bedachte Zielgruppe und die regelvernarrten Golfclubs mit? Bei den Investoren überwiegen die Zweifel – keiner will sich auf die gewünschten 50.000 Euro für zehn Prozent der Anteile einlassen.
  • Die beiden Physiotherapeuten Mario Greuel und Michael Bol haben den Therapiesack M.A.K.S. erfunden, der die Rückenmuskulatur stärken und Schmerzen vorbeugen soll. 800 Exemplare haben die beiden bereits verkauft, allein durch Mundpropaganda. Nun soll das Wachstum angeschoben werden, mit 70.000 Euro gegen eine Umsatzbeteiligung von zwei Euro pro verkauftem Sack. Thelen, Öger und Williams haben einen anderen Vorschlag: 90.000 Euro für 50 Prozent der Anteile an einer neu zu gründenden GmbH, dazu drei Euro pro Sack, bis die 90.000 wieder drin sind. Deal!
  • Für 50.000 Euro würde der Frankfurter Daniel Kalliontzis 15 Prozent der Anteile an Abschleppstopp abgeben. Das Gerät soll unnötiges Abschleppen aus dem Parkverbot verhindern. Das geht so: Das Gerät, was sich hinter die Windschutzscheibe eines Autos kleben lässt, kann von Mitarbeitern des Ordnungsamt aktiviert werden und ruft den Fahrzeuginhaber auf dem Handy an. Klingt gut, aber den „Löwen“ fehlt eine Garantie, dass kommunale Knöllchenjäger sich darauf wirklich einlassen – und nicht einfach weiter fröhlich Strafzettel verteilen.
  • Gesunde Ernährung soll das Gastronomie-Konzept Protero bieten – in einem Kölner Ladenlokal und einem Onlineshop. Der ist allerdings noch längst nicht fertig und das Ladengeschäft auch nur in Teilzeit geöffnet. An einem Deal, bei dem für 250.000 Euro 20 Prozent der Firmenanteile den Besitzer wechseln würden, zeigt niemand Interesse.
  • Das „längste Hotel der Welt“ wollen Tanja Rathmann und Marius Jast zwischen Berlin und Kopenhagen errichten: Radtouristen sollen unterwegs in ihren drei mal drei Meter großen Schlafzellen namens Scubes übernachten können. Einen ersten Park mit den kleinen Häuschen gibt es bereits im Berliner Stadtteil Neukölln. Fürs weitere Wachstum sollen 300.000 Euro her, dafür würden die Gründer 20 Prozent abgeben. Den Investoren leuchtet aber die Kalkulation der Gründer nicht ein.
  • Satte 500.000 Euro wünschen sich Christian Kamphausen und Fabian Effey für ihren Plöpper, jenem Flaschenöffner, der Kronkorken möglichst laut und weit in die Luft schießen können soll. Das halten die „Löwen“ grundsätzlich nicht für erstrebenswert – und lehnen einen Einstieg ab.
  • Victor Fischer hat einen Batterie-Rucksack entwickelt, mit dem sich zum Beispiel geräuscharme und umweltfreundliche Laubbläser betreiben lassen. Der Power Pack wird schon von verschiedenen Stadtreinigungen eingesetzt. Fischer schlägt vor: 180.000 Euro für 22,5 Prozent der Anteile. Drei „Löwen“ machen mit, bei leicht angepassten Konditionen: Schweizer, Öger und Wischhusen investieren 180.000 Euro, bekommen dafür aber 30 Prozent am Unternehmen.
Bilder: Vox