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Es herrscht eine lockere Atmosphäre im Büro von Cherry Ventures nahe der Berliner Friedrichstraße. Sechs junge Männer und eine Frau sitzen im sechsten Stock, es ist nach 19 Uhr. Sie lehnen sich entspannt zurück in ihren Schreibtischstühlen, scherzen miteinander. Krawatte oder Anzug gibt es hier nicht.

Wer käme auf die Idee, dass dieses Team 150 Millionen Euro verwaltet? So groß ist der aktuelle Fonds von Cherry Ventures. Zahlreiche Berliner Gründer haben ihr Geld dafür gegeben. Unter ihnen sind die Zalando-Gründer Robert Gentz und David Schneider, der Wunderlist-Gründer Christian Reber, die Amorelie-Gründerin Lea-Sophie Cramer und Roman Kirsch, Gründer von Lesara.

Sie alle sind höchstens dreißig – und haben in den vergangenen Jahren viel Geld in der Startup-Szene verdient, mit einem Börsengang oder dem Verkauf ihres Unternehmens. Dieses Geld wollen sie nun nutzen, um andere Gründer beim Aufbau ihrer Startups zu unterstützen. Die Hoffnung ist, dass auch diese Unternehmen eines Tages einen Exit oder IPO hinlegen – und das Geld aus dem Cherry-Fonds vervielfacht an die Investoren zurückfließt.

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Verantwortlich für die Beteiligungen von Cherry Ventures ist unter anderem Filip Dames, einer der Gründer des Fonds. Er ist 32 Jahre alt. Mit seinem Team entscheidet der Berliner, in welche Startups investiert wird. Mehr als zehn junge Unternehmen haben bereits Geld aus dem 150-Millionen-Fonds erhalten, der im Frühjahr 2016 aufgesetzt wurde.

Auch Filip Dames hat Geld mit dem Zalando-Börsengang verdient, er gehörte zu den ersten Mitarbeitern des E-Commerce-Giganten. Doch nicht nur Zalando, auch Unternehmen wie Trivago, Quandoo, Ladenzeile, Audibene, Wunderlist, Flaconi oder Amorelie haben mit ihren Verkäufen frisches Kapital in die Startup-Szene gespült. Denn die meisten Gründer der genannten Unternehmen engagieren sich heute als Investoren.

Die wenigsten arbeiten jedoch so professionell wie Filip Dames mit Cherry Ventures. Viele von ihnen sind als Business Angels aktiv, sie investieren zwischen 5000 und mehreren Hunderttausend Euro in Startups. Häufig schließen sich die Gründer zusammen, um ihre Investments zu bündeln und so als Geldgeber attraktiver zu sein.

So haben die Amorelie-Geschäftsführer mit zwei Freunden Starstrike Ventures gegründet, die Audibene-Gründer sind in Köln gemeinsam mit den Machern von Kaufda und OnVista als The Angel Club unterwegs. Sieben Freunde, darunter die Gründer von Ladenzeile, Edarling oder Home24, investieren als Saarbruecker21. Der Name ist angelehnt an die erste Adresse von Rocket Internet, wo jeder der sieben schon mal gearbeitet hat.

Der Vorteil der jungen Geldgeber ist, dass sie gute Kontakte in der Szene haben und schnell das Potenzial der Geschäftsmodelle einschätzen können. Von ihren eigenen Startups wissen sie außerdem, wann ein Investor gebraucht wird – und bei welchen Angelegenheiten er sich lieber heraushalten sollte. Diese Vorteile wollen sie nutzen, um das Startup-Ökosystem zu fördern – und nebenbei ihr Geld zu vermehren. Für Filip Dames ist die Motivation schnell erklärt: „Wir alle glauben einfach extrem stark an Tech – als Gründer und als Investoren.“

Wer sind die jungen Geldgeber, wie viel investieren sie und wie heißen die Startups in ihrem Portfolio? Hier die Übersicht: 

Bild: Collage / Cherry Ventures / Chris Marxen / Saarbrücker21 / Calvary /

 

Triff Thomas Lueke, Principal bei Cherry Ventures, auf der HEUREKA Founders Conference am 20. Juni in Berlin.

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