Die was wäre wenn Liste


Was wäre, wenn…

Sicher, es ist nicht wirklich sinnvoll, sich Gedanken über Entwicklungen der Vergangenheit oder die Zukunft zu machen, da Geschehenes ohnehin nicht mehr geändert werden kann und die Zukunft sich oft auch unserer Kontrolle entzieht. Dennoch lässt sich aus der Vergangenheit lernen und es macht einfach auch verdammt viel Spaß, sich einmal zu fragen, was passiert wäre, wenn bestimmte Dinge anders gelaufen wären. Gerade in der Startup-Welt, die für ihr Tempo, ihre Volatilität und ihre Flexibilität bekannt ist, liefern solche Überlegungen manchmal vielleicht turbulente Ergebnisse. Also: Was wäre, wenn…

…StudiVZ nicht von Holtzbrinck gekauft worden wäre?

Der 85-Millionen-Exit von StudiVZ hat das Social-Network zu einem Stern am Startup-Himmel gemacht, der einen wahren Hype auslöste und viele Menschen reich machte. Ebenso schnell sank dieser Stern aber auch und verschwand leider in der Bedeutungslosigkeit. Hätte es diesen Exit nicht gegeben, wäre Holtzbrinck wohl einiges an Häme erspart blieben, vor allem hätte sich die deutsche Inkubatoren-Landschaft aber nicht so massiv in seinem Copycat-Bestreben bestätigt gesehen. Womöglich hätte sich ein Verlag Deutschlands größtes Social-Network einverleibt oder sogar Vorbild Facebook selbst.

Was die wenigsten wissen: Es soll sogar zwei Anläufe zu einer Übernahme durch Facebook gegeben haben. Der erste war verhältnismäßig früh und scheiterte wohl daran, dass Facebook vor allem ein Anteilspaket angeboten hatte, es gleichzeitig aber unklar war, wie erfolgreich sich das US-Unternehmen entwickeln würde. Der zweite Versuch erfolgte kurz nach der Übernahme durch Holtzbrinck und soll angeblich gescheitert sein, weil Stefan von Holtzbrincks Schwester Monika Schoeller StudiVZ nicht schon wieder verkaufen wollte, nachdem Holtzbrinck es gerade gekauft hatte.

Mythos oder Wirklichkeit – Chancen für eine Übernahme durch Facebook hat es offensichtlich gegeben.

…Deutschland den Kündigungsschutz lockern würde?

Das ist mal eine schwer zu beantwortende Frage, oder? Wahrscheinlich würde sich unser System deutlich stärker in Richtung des amerikanischen Hyper-Kapitalismus entwickeln und eine stärkere Fluktuation auf dem Arbeitsmarkt mit sich bringen. Ich habe dieser Tage gehört, dass schon heute junge Menschen im Durchschnitt 18 Monate bei einem Arbeitgeber bleiben. Diese Dauer würde sich wohl verringern und die Schere zwischen sehr und gar nicht erfolgreich weiter aufgehen.

Gerade auch Startups würden wohl mutiger und experimentierfreudiger bei ihrem Wachstum werden, aber ob es der Gesellschaft als Gesamtkonstrukt helfen würde, wage ich zu bezweifeln. Dazu ist unsere Kultur zu stark auf Sicherheit und Soziales ausgerichtet.

…die Samwers nicht so früh bei Alando ausgestiegen wären?

Oliver Samwer hat im Nachhinein ja desöfteren gesagt, dass es sein größter Fehler war, Alando so früh an Ebay zu verkaufen, war das Portal zu diesem Zeitpunkt doch angeblich die größte deutsche Auktionsseite und brachte es schon bald später auf Millionenumsätze im dreistelligen Bereich. Hätten die Samwers nicht so früh verkauft, wäre das Wettrennen mit Ricardo.de wohl noch intensiver geworden und vielleicht wäre mit dem Einstieg von Ebay ein Dreikampf daraus geworden, der auch Alando in die Knie gezwungen hätte.

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Die Samwers hätten ihre Anteile durch weitere Finanzierungen verwässert und hätten sich womöglich eine andere Attitüde als das schnelle Klonen von Ideen angeeignet. Vor allem aber wäre jener Hype, dass ein fünfköpfiges Team in Deutschland eine US-Idee kopiert und sechs Monate später einige Millionen dafür kassiert, wesentlich geringer ausgefallen. Die Samwers legten mit Alando einen der Grundsteine für die Entwicklung der deutschen Internetszene und wurden zu so etwas wie Popstars der New Economy – eine Entwicklung, die ohne einen Verkauf wohl nicht stattgefunden hätte.

…LinkedIn endlich Xing kaufen würde?

Das Leben vieler berufstätiger Networker würde wohl wesentlich erleichtert und die Kontaktkreise vieler Menschen könnten eine zunehmende Internationalisierung erfahren. Lange Zeit war es ja so, dass LinkedIns Dienste denen von Xing deutlich hinterher hinkten, was Usability und Komfort anging, diese Entwicklung hat sich nach meinem Gefühl aber ausgeglichen, wenn nicht sogar ins Gegenteil verkehrt. Es würde vieles erleichtern, wenn nicht mehr zwei Business-Netzwerke gepflegt werden müssten und Xing seiner Isolation auf dem deutschen Markt entkommen würde.

Meinen Informationen nach hat es in der Vergangenheit seitens Burda sogar den Versuch einer Veräußerung gegeben, doch LinkedIn war an einem Kauf nicht interessiert. Vielleicht handelt es sich dabei aber auch nur um den üblichen Flurfunk, so warten wir weiter gespannt und halten die Daumen gedrückt.

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