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Weltweit ist die Do-It-Yourself-Bewegung auf Vormarsch. Mittlerweile nähen, basteln oder zimmern viele Menschen lieber selbst, als ständig neue Wegwerf-Produkte zu kaufen. Das lässt ganz neue Geschäftsfelder entstehen, wie die großen Plattformen Etsy und Dawanda zeigen. Die Hamburgerin Ricarda Masuhr macht mit ihrem Projekt Pech&Schwefel fünfstellige Umsätze – mit Schnittmuster-E-Books und Überraschungsboxen. Wir zeigen, wie das funktioniert.

„Meine Schwester wollte einen Nähkurs machen und ich dachte noch, dass Nähen ziemlich spießig ist“, sagt Ricarda Masuhr zu OMR. So beginnt die Geschichte von Pech&Schwefel, einem DIY-Blog, das sich in den letzten zwei Jahren zu einem echten Business entwickelt hat. Und auch am Namen ist die Schwester mit Schuld: „Zu Beginn habe ich das Projekt noch mit meiner Schwester gemacht. Wir gehören zusammen wie Pech und Schwefel.“ Vier Jahre lang baut sich Masuhr eine Reichweite auf, betreibt die Webseite aber nur als Hobby. Vor zweieinhalb Jahren gründet sie dann eine GmbH und startet mit dem Verkauf erster Produkte.

E-Books als Umsatzbringer

Heute kommt Pech&Schwefel auf über 440.000 Seitenaufrufe und 115.000 Besucher im Monat. Viele lesen die Blog-Einträge, in denen Masuhr ihre selbst genähten Modekreationen zeigt. Und sie arbeitet mit Unternehmen wie Ebay und Tchibo zusammen. Trotzdem seien die Beträge, die sie für Sponsored Posts erhalte nur Taschengeld. Denn der echte Umsatz-Hebel sind selbst gestaltete Schnittmuster in PDF-Form, die sie über ihre Artikel bewirbt: „Wir machen allein mit E-Book-Schnittmustern einen fünfstelligen Netto-Umsatz im Monat“, sagt sie.

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Diese kosten die Nutzer je nach Kleidungsstück zwischen 2,90 Euro und 11,90 Euro. Inhalt eines solchen E-Books sind das Schnittmuster in A4 und A0 (A4 zum Zusammenkleben) und eine Nähanleitung von bis zu 40 Seiten. Ein solches Muster legt der Käufer auf seinen Stoff und kann so für das gewünschte Kleidungsstück die richtigen Formen ausschneiden, um dann ein T-Shirt, eine Hose oder eine Jacke zu nähen. Insgesamt hat Masuhr etwa 45 Schnittmuster im Portfolio. Diese vertreibe sie auch über verschiedene Shops – unter anderem Dawanda, Makerist und Alles für Selbermacher, den Shop ihrer Schwester.

Überraschungsboxen bedeuten riesigen Aufwand

Zweites wichtiges Standbein sind derzeit Überraschungsboxen, die bei Pech&Schwefel „Packendes“ heißen. Diese sind wie bei anderen Anbietern wie Glossybox oder My Little Paris gestaltet. Eine Box mit fünf Produkten kostet 14,50 Euro, ein Abo mit fünf Boxen pro Paket 13 Euro. Pro Monat verschicken Masuhr und ihr Team 1.500 dieser Boxen an die Kundinnen. Die Produkte seien selbst gewählt und gekauft oder würden von Brands zur Verfügung gestellt.

„Wir werden die Überraschungsboxen in nächster Zeit aber auslaufen lassen. Das Kernprodukt sind die Schnittmuster – auch weil das Thema viel näher an mir selbst dran ist“, sagt Masuhr zu OMR. Der Aufwand, die Pakete zu versenden, stehe nicht im Verhältnis zum Ertrag. Das ist bei elektronischen Schnittmustern nicht das Problem, auch wenn sie in Zukunft auch gedruckte Papier-Muster an Kunden verschicken will. Neben den Boxen tummeln sich im Shop von Pech&Schwefel viele weitere Produkte zum Thema DIY. Hier profitiert sie von der engen Zusammenarbeit mit dem Shop ihrer Schwester.

Community-Building in Facebook-Gruppen

Bisher habe Masuhr nur zu Testzwecken 50 Euro in Facebook-Anzeigen investiert, das Wachstum sei darüber hinaus komplett organisch. Neben den typischen Plattformen Facebook und Instagram spiele noch ein dritter Player ein wichtige Rolle: „Pinterest wird von vielen noch unterschätzt. Der DIY-Branche und vor allem Pech&Schwefel bringt die Plattform super viel Traffic.“ Masuhr hat auf Pinterest über 10.000 Follower, bei Facebook sind es über 25.000 und bei Instagram 15.700.

Einen neuen Reichweiten- und Community-Hebel probiert sie jetzt seit Dezember 2016 aus: Facebook-Gruppen. Kurz vor Weihnachten gründet sie „Nähen mit Pech&Schwefel“ und schon fünf Monate später hat die Gruppe über 30.000 Mitglieder. „So eine Facebook-Gruppe bietet einen geschützteren Raum, für den ich klare Regeln aufgestellt habe. Hier trauen sich die Mitglieder viel eher Fragen zu stellen und Fotos von sich in selbstgenähten Klamotten zu zeigen, die nur mal schnell mit dem Handy gemacht wurden“, sagt Masuhr. In der Gruppe beraten sich die Community-Mitgleider gegenseitig und stellen gezielt Fragen zu Produkten von Pech&Schwefel. Gleichzeitig werden Beiträge, die in der Gruppe erscheinen, eher in die Newsfeeds der Gruppenmitglieder gespült als Inhalte von der Fanseite.

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Die Betreuung von Webseite und Community braucht aber auch Zeit. Ricarda Masuhr hat mittlerweile drei Festangestellte. Zwei davon kümmern sich um die Inhalte, dazu kommt eine sogenannte Gradiererin, mit der sie zusammen die Schnittmuster entwickelt. Die Expertin braucht es, damit die Schnittmuster in verschiedenen Kleidergrößen angeboten werden können. Denn Pech&Schwefel soll weiter auf der Erfolgswelle von Nähen und DIY reiten – am liebsten auch bei Youtube. Der Kanal ist ja bekannt für viele Anleitungsvideos. „Youtube ist ein riesiges Thema, aber derzeit fehlt mir dafür die Zeit“, sagt Masuhr und will den Kanal vielleicht doch demnächst so richtig angehen.

Bild: Pech & Schwefel