War schon fast überall auf der Welt: Online-Unternehmerin Felicia Hargarten

Mit Anfang 30 merkte Felicia Hargarten, dass es Zeit für eine berufliche Veränderung war. Flexiblere Arbeitsbedingungen mussten her. Seit einigen Jahren ist sie nun bereits als digitale Nomadin unterwegs und arbeitet von Orten, an denen andere Menschen Urlaub machen. Ihr Reiseblog Travelicia hat monatlich über 35.000 Leser und mehrere Tausend Newsletter-Abonnenten. Gemeinsam mit ihrem Freund hat die Berlinerin dieses Jahr außerdem zum ersten Mal die DNX veranstaltet, eine Konferenz, die sich an digitale Nomaden und solche, die es werden möchten, richtet.

Felicia, erzähle kurz, wer du bist und was du beruflich machst.

Hi, ich bin Feli, Online-Unternehmerin und als digitale Nomadin in der Welt unterwegs. Meine Homebase bleibt dabei aber Berlin.

Online-Unternehmerin – was bedeutet das in deinem Fall konkret?

Ich verdiene mein Geld, indem ich eigene Produkte und Dienstleistungen, wie beispielsweise professionelle Beratung und Unterstützung im Online Marketing, anbiete. Außerdem vermittle ich fremde Produkte via Affiliate Marketing und monetarisiere meinen Blog auf verschiedenen Wegen.

Darüber hinaus bin ich – zusammen mit meinem Freund Marcus – Gründerin und Veranstalterin der DNX Berlin, einer Konferenz für digitale Nomaden. Sie findet diesen Oktober bereits zum zweiten Mal statt. Nächstes Jahr wird es außerdem ein internationales Event geben, die DNX Global.

Welche Vision steckt hinter dieser Konferenz?

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Durch diese Konferenz wollen wir die Arbeitswelt der Zukunft mitgestalten. Die Welt hat sich verändert, das System ist aber dasselbe geblieben. Damit sind sehr viele Menschen nicht mehr glücklich.

Auf der einen Seite wollen wir mit Unternehmen in Dialog treten. Zusammen möchten wir erarbeiten, wie man die Arbeitswelt den heutigen Bedürfnissen anpassen kann. Auf der anderen Seite wollen wir den Menschen zeigen, dass sie nicht so weitermachen müssen wie bisher wenn sie nicht wollen.

Das Internet hat neue Maßstäbe gesetzt und ermöglicht es, Jobs von überall auf der Welt auszuführen, wo es eine anständige Internetverbindung gibt. Unsere neue Generation liebt Freiheit und Selbstbestimmung! Diese Dinge sind ihr wichtiger als tolle Titel oder Firmenwagen. Auf all das möchten wir im Rahmen der DNX hinweisen und außerdem Gleichgesinnte zusammenbringen.

Wie lange bist du selbst schon als digitale Nomadin unterwegs?

Mittlerweile seit zwei Jahren. Marcus und ich waren lange auf den Philippinen, in Indonesien, Mexiko oder auch Guatemala. Unsere nächsten Stopps sind Brasilien und Kolumbien.

Was hat bei dir den Anstoß dazu gegeben, einen alternativen Arbeits- und Lebensstil auszuprobieren und von unterwegs aus zu arbeiten?

Freiheitsliebend war ich schon immer. Mit Anfang 20 habe ich meine erste Weltreise gemacht. Auch danach habe ich jede Chance genutzt um zu reisen und war immer wieder als Backpackerin auf allen Kontinenten unterwegs.

Mit Anfang 30 realisierte ich dann, dass es mein größter Wunsch ist, flexiblere Arbeitsbedingungen zu haben. Sowohl zeitlich als auch räumlich. Wie genau das funktionieren sollte, wusste ich allerdings noch nicht und beschloss, erstmal eine Auszeit zu nehmen und eine längere Reise zu machen. Ich war mir sicher, dass mir mit etwas Abstand die passende Idee kommen würde – und so war es dann auch.

Ich kündigte also und brach gemeinsam mit meinem Freund Marcus, der ebenfalls in der Online-Branche gearbeitet hatte und gerade unabhängig von mir den Schritt in die Selbstständigkeit plante, ins Ausland auf. Obwohl ich bereits ein neues Jobangebot für die Zeit nach meiner Auszeit angeboten bekommen hatte, entschied ich mich auf der Reise, mich ebenfalls selbstständig zu machen.

Wenn wir unser Geld sowieso überwiegend online verdienen wollten, konnten wir das auch von überall tun. Das Internet bietet schließlich in der heutigen Zeit die perfekten Voraussetzungen dafür und durch unsere vorherigen Jobs hatten wir beide schon die perfekte Grundlage, um direkt loszulegen.

Also hast du deinen Blog ins Leben gerufen?

Richtig, kurz darauf habe ich meinen Backpacking- und Adventure-Travel-Blog Travelicia gelauncht. Der Plan war, mit Affiliate Marketing, eigenen Produkten und Dienstleistungen für Unternehmen der Tourismusbranche meinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Ich war gerade in Dumaguete auf der philippinischen Insel Negros und ich saß mit meinem iPad und einer kleinen Tastatur auf der Dachterrasse eines Hostels. Es regnete in Strömen, weil gerade ein Taifun über die Gegend zog, aber das war mir völlig egal! Reisen war ja zu diesem Zeitpunkt bereits seit über zehn Jahren meine größte Leidenschaft und ich hatte Lust, mein Wissen mithilfe des Blogs endlich weiterzugeben.

Welche sind die idealen Orte für reisende Online-Unternehmer wie dich?

Weltweit gibt es einige „Hotspots“ für digitale Nomaden, an denen die Infrastruktur einfach perfekt ist. Das heißt, sie verfügen über Coworking Spaces, Cafés, eine stabile Internetverbindung, Langzeit-Apartments und vor allem andere internationale digitale Nomaden, um sich.

Hierzu gehören beispielsweise Chiang Mai in Thailand, Medellín in Kolumbien oder Portland in den USA. Aber auch Bali in Indonesien entwickelt sich nach und nach zum Hotspot. Berlin gehört natürlich auch dazu.

Traumstrände, Sonnenschein, Hängematte: Kann man sich an solchen Orten überhaupt zum Arbeiten motivieren oder leidet die Arbeitsqualität unter der paradiesischen Umgebung?

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Im Gegenteil, neue Umgebungen machen mich sogar fast immer produktiver und kreativer! Ich kann mich sehr gut und schnell an neue Arbeitsbedingungen anpassen und brauche hierbei nicht viel Konstanz. Die Mittagspause findet dann eben in der Hängematte statt. Und in der Freizeit hat man dann die Gelegenheit, sich in neue Aktivitäten und Erkundungen zu stürzen.

Als digitaler Nomade reist man ja auch nicht ständig von A nach B. Es geht eher um das Prinzip, länger an einem anderen Ort zu leben. Wer schon mal lange unterwegs war, weiß, dass man nach einer gewissen Zeit auch wieder ein paar Strukturen braucht, wenn man unterwegs arbeitet. Dann muss man sich eben einen Coworking Space oder ein Café mit WLAN suchen.

Ich habe außerdem die Erfahrung gemacht, dass es für die Produktivität wichtig ist, sich mit Gleichgesinnten zu umgeben und nicht mit den klassischen Touristen.

Was lernst du über dich selbst auf deinen Reisen?

Jedes mal etwas Neues. Ich habe beispielsweise gelernt, dass Freiheit und Selbstbestimmung zu meinen wichtigsten Werten gehören. Generell bin ich durch jede Reise weltoffener, flexibler und dankbarer für alles geworden. Außerdem habe ich gelernt, dass Lernen die endet.

Was ist deiner Meinung nach die Faszination am ortsunabhängigen Arbeiten? Und welche Gefahren oder Unsicherheiten birgt es andererseits?

Früher waren die Zeiten anders. Man ist einem bestimmten Weg gefolgt, zur Schule gegangen, hat studiert und war dann bis zur Rente im gleichen Unternehmen. Man hatte einfach nicht die Tools dafür, ein Leben mit mehr Selbstbestimmtheit zu führen.

Die Zeiten haben sich aber geändert, die Wirtschaft ebenso. Sowieso ändert sich alles ständig. Darauf kann einen auch das Schulsystem nicht mehr vorbereiten. Viele Jobs haben an Sicherheit verloren und Branchen, die früher als sicher galten, fallen teilweise weg und werden durch neue ersetzt. Dass Menschen ein Leben lang lernen und sich wandeln ist mittlerweile unabdingbar.

Die Bedingungen haben sich also geändert, das Denken der Menschen funktioniert aber komischerweise oft noch wie früher: Bei ortsunabhängigen Arbeiten denken viele an niemals endenden Urlaub. Sie bewundern, dass es Menschen gibt, die die „alten Regeln“ brechen. Und genau das tun digitale Nomaden! Sie sind aber dennoch Teil des Systems, zahlen Steuern, müssen sich um ihre Altersvorsorge kümmern und natürlich arbeiten, um ihr Geld zu verdienen. Sie passen sich aber einfach dem Wandel an, der in der Welt geschieht und nutzen die neuen Möglichkeiten, die sich ihnen bieten.

Diese Arbeitsform birgt die Unsicherheiten, die jede Selbstständigkeit mit sich bringt. Der Punkt ist aber: Es gibt keine Sicherheit mehr – auch nicht in der Festanstellung.

Was kannst du anderen Menschen, die „mal raus müssen“ und Reisen und Arbeiten verbinden wollen?

Wer einfach mal raus muss, kann entweder vorher Geld ansparen und davon reisen – zum Beispiel im Rahmen eines Sabbaticals oder unbezahlten Urlaubs oder sich eben ein ortsunabhängiges Online-Business aufbauen und einfach mal einige Jahre als digitaler Nomade leben. So ein Leben kann man sich aber natürlich nicht von heute auf morgen erschaffen. Man braucht einen eisernen Willen und Durchhaltevermögen. Gefällt es dir eines Tages nicht mehr, schlägst du eben wieder einen anderen Weg ein…

Feli, vielen Dank für dieses Gespräch.

Foto: Felicia Hargarten