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Moderiert von Stefan Winners (rechts) diskutierten Martin Weiss, Oliver Samwer und Deborah Mei (von links) auf der DLD

Es wirkt ja schon etwas skurril, wenn man sich den Aktienkurs von Rocket Internet anschaut und dann Oliver Samwer auf der DLD-Konferenz in München unter der Überschrift „Where’s The Money?“ angekündigt wird. Auch wenn damit natürlich nicht die Firmenschmiede und ihr Milliardenkapital gemeint waren, sondern zukünftige Investmentgelegenheiten, stand Samwer auch zu den Kursverlusten Rede und Antwort.

Zumindest ein bisschen. Rocket sei sehr komplex, wiederholte er zum fantastillionsten Mal. „Wer oft neue Unternehmen startet, fällt auch oft auf die Nase.“ Gut, das kann man nun nicht leugnen. Aber genau so wenig entspricht es dem Anspruch, mit dem Rocket vor fast zweieinhalb Jahren als börsennotiertes Unternehmen angetreten war.

Samwer verteidigte den jüngst eingeschlagenen Kurs der Firmenschmiede, weniger auf Masse zu setzen. „Am Ende ist es egal, ob man 10 oder 100 Unternehmen hat. Sie müssen nur funktionieren.“ Von der einstigen Aggressivität, die Samwer so gerne einforderte, ist offenbar nicht mehr viel mehr geblieben.

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Überraschend offen sprach Samwer über den Strategiewechsel, nicht mehr nur als Inkubator zu agieren, sondern über seinen Fonds-Arm in bereits bestehende Unternehmen zu investieren, ohne sich gleich in den Fahrersitz zu setzen. „Den (Rocket-) Geldgebern ist es egal, wie sie ihr Geld verdienen“, zeigte sich Samwer sicher.

Eigentlich sollte sich das Panel mit Samwer, Deborah Mei vom VC Raine Group und Martin Weiss von Hubert Burda Media um die Märkte der Zukunft drehen. Da will Samwer vor allem im Fintech-Segment zuschlagen. Marktplätze und Software-as-a-Service-Startups stünden ebenfalls im Fokus. Gut, das hat man auch schon mal gehört.

Und geografisch? Deborah Mei und ihre Raine Group haben sich auf China spezialisiert. Mei betont, dass dort enorme Chancen lägen. Schwierigkeiten beim Geschäft in dem autoritär geführten Land sieht sie nicht – sie erwartetsogar eine Verzehnfachung der VC-Investments in den kommenden zehn Jahren. Dass dort viele neue Technologien entwickelt werden, die auch in den Westen herüberschwappen, glaubt sie allerdings nicht. Rocket-Chef Samwer hat sich währenddessen in die USA verliebt, auch wenn mit HelloFresh nur ein Rocket-Venture dort nennenswerte Aktivitäten vorzuweisen hat.

Burda-Mann Weiss beantwortet die Frage, wohin das Geld geht, etwas anders. Für ihn ist eher entscheidend, woher es kommen wird. Und zwar immer stärker von Corporates. Das brauche die Digitalszene auch dringend. Denn laut Weiss klafft eine riesige Lücke bei Finanzierungen zwischen 15 und 25 Millionen Euro. Und das verhindere, dass hiesige Unternehmen schnell über geografische Grenzen hinaus wachsen könnten. Weswegen er weiter in Consumer Internet und Marktplätze investieren will. Und zwar in Unternehmen, die nicht mehr ganz so jung sind. Ob er und Samwer dabei zusammenkommen werden?

Bild: Gründerszene