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Mit Doo (www.doo.net) will Gründer Frank Thelen dem Papierchaos den Krieg erklären und sammelt zum Launch der offenen Beta-Version die nächsten fünf Millionen an Finanzierung ein. Mit Doo entsteht im beschaulichen Bonn ein SaaS-Unternehmen mit US-Geist, welches einen klaren Fokus auf Produkt und Design setzt und die Frage der Monetarisierung hintenan stellt. Wo rein fließen die Investment-Millionen, wohin wächst das Unternehmen und wie sicher sind unsere Daten in der Cloud?

Doo erklärt dem Dokumentenchaos den Krieg

Nach einem Jahr Arbeit Startet das Bonner Dokumenten-Startup Doo in die Public-Beta-Phase und wird dabei finanzstark durch den Frühphasen-VCs Target Partners unterstützt. Olaf Jacobi, Partner beim Münchener Riskopkapitalgeber zieht in den Beirat der Doo GmbH ein und Serial Entrepreneur und Doo-CEO Frank Thelen kann sich über weitere fünf Millionen Euro Finanzierung freuen. Target Partners (www.targetpartners.de) übernimmt nach offiziellen Angaben zehn Prozent des Unternehmens. Im Dezember 2011 schloss Doo eine erste Finanzierungsrunde über 5,1 Millionen Euro ab und holte sich DuMont Venture (www.dumontventure.de), Lars Hinrichs und Professor Hermann Simon an Bord.

Doo erklärt dem Dokumentenchaos den Krieg: Das Startup des Serial Entrepreneurs Frank Thelen hat es sich zum Ziel gemacht, eine einfache und effektive Lösung für das Organisieren von und Arbeiten mit Rechnungen, Verträgen und anderen Unterlagen zu entwickeln. Mit nativen Clients für alle populären Plattformen (Mobile und Desktop)  können die eigenen Dokumente über ein zuverlässiges, sicheres Backend untereinander synchronisiert und verwaltet werden. Im Frontend möchte Doo durch herausragende UX, User Experience, glänzen und sich somit von der deutschen Startup-Massenware abgrenzen.

Obwohl Doo mit einem umfangreichen Team seit einem geschlagenen Jahr an der Entwicklung seines Software-as-a-Service-Dienstes arbeitet, zog das junge Unternehmen aus dem beschaulichen Bonn immer wieder Lob auf sich – im Januar kürte Gründerszene Doo zu einem der Startups, auf die Deutschland stolz sein kann, wenige Monate später bestätigte sich dies und die Expertenjury wählte Doo auf Platz zwei im Rennen um den Titel „Startup des Jahres 2011“.  Zeit die Ergebnisse des visionären Datenordners genauer zu betrachten: Hält Frank Thelens Team was es verspricht oder verfranst sich das Tech-Team in Details?

UX, Brand und Native Development – Die drei Doo-Säulen

Mit dem Organisieren von Dokumenten in einer einzigen Plattform hofft Doo ein Problem entdeckt zu haben und somit auf entsprechende Nachfrage zustoßen. Ist dies der Fall, so darf sich das junge Startup nicht nur über steigende Kundenzahlen, sondern auch über schnelle Nachahmer der Idee freuen dürfen. Mit nunmehr über 15 Jahren im Tech-Umfeld ist Doo-CEO Frank Thelen jedoch nicht mehr ganz grün hinter den Startup-Ohren und versucht sich durch die drei Säulen UX (User Experience), Brand und Native Development einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil zu erarbeiten.

„UX ist absolut ein Kern unserer Firma“, bestätigt Frank Thelen. „Wir müssen uns weiterhin trauen, gute Entwürfe fallen zu lassen um Exzellenz zu erreichen. Dies ist weder für das Team („Sorry, das müssen wir nochmal überdenken“), noch für Investoren („Wir launchen 6 Monate später“) einfach.“ Im Gegensatz zu vielen Startups in ihrer Beta-Phase ist die Doo-Website schon jetzt eine Freude – Sie wirkt aufgeräumt, wohldurchdacht und macht großen Spaß.

Die User Experience des Produktes und der Website gehen fließend in die Ausformung der Marke „Doo“ über. „Da wir Konsumenten adressieren ist unser Brand sehr wichtig“, sagt Thelen. „Wir haben ein eigenes Design-Team nur für diesen Bereich.“ Wie konsequent das Startup seine Marke durchsetzt zeigt der Doo-Recruitingspot: Vom Shirt bis zur Kaffeetasse – von der Beleuchtung bis zu den Fahnenmasten vor dem Gebäude strahlt den Zuschauer das aquatisch-dynamische Doo-Logo an.

Nachdem dem ewigen Streit „Mac vs. PC“ langsam die Luft ausgeht, wird es Zeit für ein neues Reizthema der Startup-Welt: „Native App vs. Web App“. Mit Doo schlägt sich das Bonner Startup auf die Seite der nativen Apps. Hierbei wird für jedes Endgerät eine Version der App entwickelt, die direkt mit der speziellen Sprache der Hardware kommuniziert. Web Apps hingegen werden über den Browser aufgerufen und nutzen diesen als „Übersetzer“ zur Hardwaresprache. „Native Apps sind ein deutlich höherer Aufwand als Web-Interfaces“, erklärt Frank Thelen. „Ich schätze pro Plattform die doppelte Zeit. Ingesamt also circa zehn mal mehr Aufwand/Budget. Sehr wenige Entwickler beherrschen die nativen Sprachen, was auch das Recruiting vor Herausforderungen stellt. Um seine Entscheidung zu unterstreichen führt Thelen ein Beispiel an, das wohl den meisten Lesern bekannt sein dürfte: „Die Facebook App als Web-Anwendung macht einfach keine Freude, Path dagegen ist großartig!“.

Wohin wächst Doo?

Mit DuMont Ventures hat Frank Thelen einen VC an sich gebunden, der nicht nur vom Investment- sondern auch vom Regionalfokus zum Unternehmen passt. DuMont Ventures, der Investmentarm des traditionsreichen Kölner Verlagshauses M. DuMont Schauberg, ist durch seine lange Unternehmensgeschichte tief in das wirtschaftliche Netz der Rheinregion verwoben und könnte Doo somit wichtige erste Geschäftskunden erschließen. Auf der Website des Saas-Startups scheint sich das Startup durch maßgeschneiderte Lösungen auch größeren Unternehmen anbieten zu wollen.

Für ein Startup, dass qua Businessmodell über einen langen Zeitraum keinen Cashflow aufzuweisen hat, beeindrucken die zwei bisher eingefahrenen Finanzierungsrunden von Doo. Auf seinem Blog veröffentlichte Christian Musfeld, Investmentmanager bei DuMont Ventures vergangenes Jahr einen Vergleich zwischen Investmentrunden in Deutschland und den USA. Laut seiner Einschätzung liegen in Deutschland klassische Seed-Runden zwischen 100.000 und 250.000 Euro, Series-A Runden bringen durchschnittlich 500.000 – 2 Millionen Euro ein und in einer Series B Runde solle ein Betrag zwischen 4 und 6 Millionen Euro aufgebracht werden. Mit seinen beiden Finanzierungsrunden über jeweils circa 5 Millionen Euro scheint Doo als tendenziell eher schlankes SaaS-Unternehmen jedoch auch für US-Standards gut ausgestattet zu sein. Laut Musfelds Einschätzung liegt Doo hiermit im oberen Bereich einer Series-A-Bewertung. Nicht schlecht für ein Startup, dessen Open Beta erst wenige Tage im Netz steht.

„Aktuell beschäftigen wir uns kaum mit Erlösquellen“, erklärt Doo-CEO Frank Thelen auf die Frage nach der Monetarisierung seiner Idee. „Wir konzentrieren uns darauf ein Produkt zu liefern das begeistert und bindet. Wenn wir dies erreicht haben, denken wir sicher über passende Umsatzmodelle nach.“ Weitere Verticals wie im Falle der 6Wunderkinder (www.6wunderkinder.com) seien nicht geplant – Firma, Marke und Produkt bleiben ein Verbund.

Doo kündigt in seinem Produktvideo das Ende der Papierflut an, wird bis zu diesem Ziel aber noch etwas Zeit benötigen. Zur Zeit erkennt die Software beispielsweise bereits Rechnungen und Verträge aus Email-Konten, laut Unternehmensangaben folgen in Kürze auch eine Scanner-Anbindung und die ersten Kooperationspartner wie beispielsweise Stromversorger – ein erster Schritt in die tatsächliche Reduktion des Papierchaos.

Datensicherheit in der Cloud

Wie bei vielen SaaS-Angeboten wird auch der Erfolg von Doo maßgeblich vom B2B-Geschäft abhängig sein. Um jedoch, besonders im hochsensiblen deutschen Markt, überzeugen zu können, muss das Startup möglichst glaubwürdig die Sicherheit der eingespeisten Dokumente gewährleisten. Kurz nach Bekanntwerden der neusten Finanzierungsrunde veröffentliche Doo ein frisches Update seiner OS X, sowie der Windows Metro App. Grund genug für Gründerszene, sich die Funktionsweise der Anwendung und die eingesetzte Sicherheitstechnologie genauer anzusehen.

Im ersten Schritt importiert die Doo-App die Dokumente des Nutzers automatisch von der Festplatte oder den spezifizierten Nutzerkonten- Mittels IMAP-Einbindung können auch die Emails des Nutzers erfasst werden. Im folgenden Schritt werden die Dokumente automatisch geordnet und mit Hilfe von Texterkennungs-Scripten und intelligenten Algorithmen verschlagwortet. Einmal mit Schlagworten versehen, ordnet Doo die Dokumente nun nach Schlagwort-Kategorien wie „Person“, „Unternehmen“, „Ort“ oder  „Dateityp“, welche der Nutzer nun separat durchsuchen kann. Durch sogenannte „Flow-Dienste“ soll in späteren Versionen auch das Teilen der archivierten Dokumente möglich sein. Ebenfalls das Importieren von Dokumenten externer Anbieter, wie Google Docs, Dropbox und Evernote, soll folgen.

Um wirklichen Nutzen zu stiften, sollte die Doo-App auf allen Endgeräten des Nutzers aktiviert sein, um alle erhaltenen Dokumente ständig zu synchronisieren. Um beim Verlust eines der Endgeräte dieses schnellstmöglich von den eingelagerten Daten zu trennen, bedient sich Doo der sogenannten OAuth2-Login-Technologie, die das Unternehmen auf dem Doo-Firmenblog genauer erklärt:

What is OAuth2? It’s an authorization logic that allows you to manage and authorize access for your individual devices to your documents in the doo cloud storage and, if you like, other parties, without needing to store your credentials, i.e. your personal information and login details. Instead OAuth2 uses individual tokens, which are required to access your documents. Thereby a unique token is requested from the server via your application that is stored in the app for future identification. It’s like a personal entry ticket. These tokens are renewed in regular intervals to additionally increase security. The access-authorization can be cancelled via web interface at any time, ensuring that in case of loosing your device unauthorized users cannot access your data.

Neben den Vorzügen der Datenauslagerung in die Cloud stehen beinahe alle SaaS-Dienste vor dem Probem der Datenentschlüsselung. Zwar legt der Nutzer einen Nutzernamen und ein Passwort an, doch ist dieses wiederum beim Anbieter hinterlegt, die Entschlüsselung der eigenen Daten mittels dieses Passworts findet in der Regel auf dem Server des Anbieters statt, womit dieser – theoretisch – vollen Zugang zu den Informationen des Nutzers hat.

Auch Doo bietet bisher laut Unternehmensangaben nur  „die höchste Sicherheit ohne Endgeräteverschlüsselung“, will diese aber zeitnah nachholen, was dank nativer Entwicklung möglich ist. Web-Apps können diesen Service nicht anbieten.

So sieht die Doo-App aus

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