Online-Händler geben eine Menge Geld für Werbung aus. Wer dann auf der Seite der Anbieter gelandet ist, soll es sich natürlich nicht noch mal anders überlegen. Deswegen steht beim gefundenen Schnäppchen dann „nur noch X Artikel verfügbar“, um die Kaufentscheidung anzufeuern. Das ist zumindest die These eines NDR-Berichts.

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Denn die Recherche des Senders ergab, dass diese Angaben häufig gar nicht stimmen. Bei Zalando zum Beispiel. Dort konnten Mitarbeiter des Fernsehsenders einen Artikel fünf- oder sogar zehnmal bestellen – obwohl laut Angabe nur noch „3 Artikel verfügbar“ gewesen sein sollen.

Zalando erklärt auf Nachfrage von Gründerszene: Man müsse dies so lesen, „dass wir unseren Kunden eine größere Verfügbarkeit im Warenbestand signalisieren wollten und damit, dass sie sich zwischen Warenkorb und Gang zur Kasse Zeit lassen können. Keinesfalls war es unser Ziel, Kunden zu einem Kauf zu drängen oder gar zu täuschen.“

Der Wettbewerbszentrale jedoch hat diese Taktik gar nicht gefallen, Zalando flatterte in der vergangenen Woche eine Abmahnung ins Haus. Auf diese hat der Online-Versender schnell reagiert, wenn auch nur mit zwei Worten: Seit Ende vergangener Woche erscheine nun die Angabe „mehr als 3 Artikel verfügbar“, erklärt das Unternehmen gegenüber Gründerszene. Allerdings auch dann, wenn 100 Stück auf Lager sind.

Hier gibt’s den gesamten NDR-Bericht im Video.

Bei Reiseportalen ergab die Recherche des NDR ein ähnliches Bild. Zwar heiße es beim Anbieter HRS oft „nur noch 1 Zimmer verfügbar“. Auf Anruf beim betreffenden Hotel seien aber meist noch mehrere Zimmer frei gewesen – mitunter sogar zu einem günstigeren Preis. Die gleiche Praxis hatte das Oberlandesgericht Köln zuvor schon dem Wettbewerber Booking.com untersagt. Der formuliert seitdem „auf unserer Seite verfügbar“. HRS wolle seine Darstellung allerdings nicht ändern, hieß es vom Unternehmen gegenüber dem NDR.

Gezielte Schummelei also bei den Online-Shops und Plattformen? Zalando will das gegenüber Gründerszene so nicht stehen lassen und beruft sich auf den Kundenservice: Sei der Lagerbestand eines Artikels wirklich gering, der Kunde behalte den Artikel aber mehrere Stunden oder gar Tage im Warenkorb, könne er unter Umständen nicht mehr lieferbar sein. Das müsse man dann immer wieder erklären – was mit dem Verfügbarkeitshinweis verhindert werden soll. Auf die psychologische Komponente will man bei Zalando nicht eingehen.

Die eigene These lässt sich der NDR derweil noch einmal von Marketing-Professor Philipp Riehm untermauern. Der sagt: „Verbraucher bekommen dadurch den Eindruck, dass etwas weg sein könnte, wenn sie noch zu lange warten. Diese Verknappungsstrategie bewirkt bei uns einen emotionalen Druck, sodass der Verstand in den Hintergrund geschoben wird.“

Bild: Zalando / Screenshot