Seine Worte wirken nach. Der Auftritt von Gunter Dueck auf der Republica ist zwar schon ein paar Tage her, aber der Mathematiker und Autor hat einen wunden Punkt berührt. In seinem Vortrag, erzählte er wie ein freundlicher Onkel vom Cargo-Kult. Durch symbolische Ersatzhandlungen soll ein bestimmtes Ergebnis herbeigeführt werden. Im Falle des Stammes im folgenden Video sollen eine selbstgebastelte Landebahn und ein Flugzeug dafür sorgen, dass westliche Waren eintreffen. Irgendwann. Bis dahin wird gewartet. Und gewartet. Und gebetet. Aber ansonsten nicht viel getan.

Duecks wenig freundliche These: So ähnlich funktioniert unsere Gesellschaft in weiten Teilen auch. In Wirtschaft, Politik, Wissenschaft oder Firmenkultur. Alles voller Aktionismus, aber nichts passiert. In vollem Bewusstsein. Heerscharen von Hochschul-Absolventen werden mit Pseudo-Studien, die zu nichts taugen, zum Bachelor geschleust. In Firmen werden Meetings, Leuchtturmprojekte, Kickoffs veranstaltet, weil man das eben so macht. Politiker halten Ansprachen und Begrüßungsreden. „Vor allem, um nicht arbeiten zu müssen“, sagt Dueck.

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Google stellt viele junge Leute ein, verteilt Gratis-Kaffee und dekoriert die Büros hübsch bunt. Haben wir ja alle gelesen. Also machen wir das in Deutschland auch. In Coworking-Spaces zum Beispiel. Dann müsste doch eigentlich etwas Ähnliches herauskommen wie bei Google, oder? Ja, sind wir wirklich wie die Ureinwohner, die einen Pseudo-Flughafen basteln und dann beten, dass irgendwann ein Flugzeug mit Waren landet?

Verlieren wir uns wirklich alle in Ersatzhandlungen? Wie können wir das ändern oder verhindern? Dueck: „Jetzt müssen wir mal etwas wollen. Und das dann tun. Und arbeiten.“ Klingt einfach. „Mach doch mal was Richtiges. Tu mal was.“ Das ist aber leider schwer. Dueck: „Es ist hart. Wir müssen uns mit den Problemen auseinandersetzen. Und nicht immer schwallen.“

In der Startup-Szene findet man tatsächlich eine Menge Leute, die anpacken. Junge Leute, die mutig Unternehmen gründen, Erfolgs-Menschen, die es geschafft haben, aus ihren kleinen Startups, große Firmen zu bauen. Aber es finden sich auch eine Menge Cargo-Kulte, wenn man genauer hinschaut. Wir sind nach der Keynote von Dueck jedenfalls sensibilisiert. „Und wenn alle Kickoffs, Designed-Thinking-Seminare und agile Softwareentwicklungen zu nichts geführt haben, dann entwickelt man am Ende ein neues Logo.“ Danke, Herr Dueck. Wir denken noch mal drüber nach.

Und danach hören wir Musik von Benjamin Biolay: 

Foto: Screenshot / Biolay / Youtube