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Earlybird-Gründer und -Partner Christian Nagel

Das Ziel war eindeutig: Innerhalb eines Jahres wollte der Berliner Risikokapitalgeber Earlybird seinen neuen Fonds schließen. „Wir werden den Investoren sicherlich kein kleineres Zielvolumen vorlegen, als wir es derzeit haben“, betonte Earlybird-Gründer und Partner Hendrik Brandis gegenüber der FAZ. Mindestens 150 Millionen Euro sollten für den Frühphasen-Fonds zusammenkommen. Von einer „Rekordhöhe“ schrieb die Zeitung.

Das war im Juli 2015 – doch das Vorhaben gestaltet sich langwieriger als gedacht. Bis heute ist der Fonds nicht geschlossen worden, stattdessen fällt das Wort Krise des Öfteren in der Startup-Szene, wenn es um Earlybird geht. Es scheinen akute Probleme mit den Geldgebern zu bestehen: Zuletzt soll die Allianz abgesprungen sein, die für bis zu 100 Millionen Euro im Gespräch war. Das berichtet das Manager Magazin in seiner aktuellen Ausgabe. Was ist also los beim einstigen Top-VC?

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Den ersten Rückschlag erlitt Earlybird schon kurz nach der großen Ankündigung des neuen Fonds: Der alteingesessene VC verlor zwei wichtige, junge Partner – und damit seinen Nachwuchs. Die Abwanderung dürfte bei den Fonds-Investoren für einigen Erklärungsbedarf gesorgt haben. Bemerkenswert ist auch, dass LinkedIn-Mitgründer Konstantin Guericke, der seit 2012 als Venture Partner für den VC arbeitete, heute nicht mehr an Bord ist.

Als personellen Ersatz heuerte der VC im April vergangenen Jahres die DailyDeal-Gründer Fabian und Ferry Heilemann an. Die Brüder hatten ihr Geld bis dahin über Heilemann Ventures investiert und waren bereits länger auf der Suche nach frischem Kapital für ihren zweiten Fonds. „Der ideale nächste Schritt“, lautete die PR-Story. Der Branchenblog Digital Kompakt urteilte hingegen: Earlybird „erscheint verzweifelt“.

Wer ist schuld?

Earlybird-Mitgründer und -Partner Christian Nagel nahm im Gespräch mit Gründerszene vor einigen Wochen Stellung zur Kritik. Er zeigte sich überzeugt: „Wir haben den Generationswechsel gut umgesetzt und sind besser aufgestellt als vorher.“ Das aktuelle Team komme bei den Fonds-Investoren gut an – und aus dem neuen Fonds seien bereits neun Investments gemeinsam getätigt worden. Fabian Heilemann ergänzte: „Ihr könnt davon ausgehen, dass wir in dem Pace – also mindestens sechs bis maximal zehn Investments – auch in diesem Jahr weitermachen werden.“

Dafür, dass das neue Vehikel „Earlybird Digital West Fund“ noch nicht geschlossen ist, hatte Nagel eine andere Erklärung. Er schob die Schuld auf eine Zulassungsregel der EU. Die damit verbundenen Prozesse bei der BaFin hätten Earlybird beim Fundraising zurückgeworfen. Bis voraussichtlich Ende 2017 solle der Early-Stage-Fonds nun geschlossen werden.

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Doch die EU-Regel, die Nagel anspricht, ist überhaupt nicht neu: Es gibt sie seit mehr als drei Jahren. Wie eine Recherche zeigt, wurde der betreffende Fonds außerdem durchaus zügig um den Jahreswechsel 2016/2017 registriert. Auf erneute Nachfrage dazu räumt der VC ein, „aufgrund anderer Themen“ habe man die Zulassung erst Ende vergangenen Jahres beantragt und, ja, sie bereits im Folgemonat bekommen.

Es liegt nahe, dass das Problem ein anderes ist. Gut möglich, dass Fonds-Investoren an der Performance des VCs zweifeln. Denn aus dem Vorgänger-Fonds, dessen Mittel laut Earlybird zu etwa 80 Prozent investiert sind, fehlen bisher nennenswerte Verkäufe oder IPOs. Beim Closing im Jahr 2013 sagte der damalige Partner O’Leary, es brauche mindestens zwei Exits im Bereich von 400 bis 500 Millionen Euro, um am Ende erfolgreich zu sein. Stattdessen verzeichnet der Fonds eine fette Pleite: Die Auctionata-Insolvenz dürfte das Ergebnis verschlechtern.

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