Frank Riemann, Easycard

Easycard-Gründer Frank Riemann

Einstiges Ziel: Paradigmenwechsel im Versicherungsvertrieb

Eigentlich wollte Easycard den Verkauf von Versicherungen revolutionieren. Insbesondere am hohen Beantragungsaufwand für vermeintlich simple Versicherungen wie Handyschutzbriefe oder Fahrradversicherungen störte sich das Startup aus Erfurt. Die Lösung: eine Plastik-Karte, mit der Kunden einfach Versicherungen abschließen konnten. Nun muss das große Vorhaben aufgegeben werden, das Unternehmen stellt den Betrieb ein, zumindest vorübergehend. „Wir sind in einer Umstrukturierung mit neuen Produkten. Den Vertrieb der Handyversicherung über das Portal werden wir wohl einstellen beziehungsweise auslagern“, zitiert Deutsche Startups Gründer Frank Riemann.

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Mit der Easycard war es möglich, unter Angabe von zwei Nummern und der eigenen E-Mail-Adresse eine Versicherung abzuschließen. Wollte ein Kunde etwa sein Smartphone versichern, brauchte er nur dessen Seriennummer anzugeben, die daraufhin an eine Easycard-Nummer geknüpft wurde. Im Schadensfall griff Easycard dann auf etablierte Versicherungsunternehmen als Rückversicherer zurück, die ähnlich aufwandsarm eine Reparatur oder einen Ersatz anstoßen konnten.

Doch nicht nur auf Smartphones, sondern potenziell auch auf zahlreiche weitere Produkte wie Computer, Tablets, Fahrräder oder E-Bikes, sogar Kfz-, Haftpflicht- oder Hundehaftpflicht-Versicherungen sollte sich das Konzept übertragen lassen – nicht weniger als „einen Paradigmenwechsel im Vertrieb von Mainstreamversicherungen“ wollte Gründer Riemann schaffen. Als Gründerszene das Konzept im März 2013 noch einmal beleuchtete, hatte Riemann mit seinem Jungunternehmen einen neuen Crowdfunding-Rekord aufgestellt, Erfahrungen mit Spionage und Ideenklau gemacht und schwierige Investoren-Gespräche durchgemacht. „Wir hatten bewegte Monate hinter uns, aber so langsam sehen wir Land”, fasste Riemann damals zusammen.

Easycard ist dabei nicht der einzige gescheiterte Anlauf, Versicherungen über das Internet zu verkaufen: Das Vergleichsportal Transparo, das bis dato von Talanx, der HUK-Coburg und der Württembergischen Gemeindeversicherung betrieben wurde, offenbarte keine wirtschaftliche Perspektive und wird deshalb zum Juni vom Netz genommen.


Easycard-Gründer Frank Riemann im Interview vor einem Jahr:

Bild: Gründerszene