Einiges am Start – und weiter? | EY

Wie steht es mit dem Gründerklima hierzulande? Was ist gut, und was könnte besser laufen? Das „EY Start-up-Barometer“ bietet wichtige Einblicke in die deutsche Startup-Szene und ein entwicklungsfähiges Ökosystem. Schaut man sich die Zahlen an, so sieht alles erst einmal sehr gut aus. Konnten im Gesamtjahr 2013 vier Milliarden Euro Risikokapital eingesammelt werden, so waren es 2014 bereits 6,3 Milliarden. Und der Blick auf das erste Halbjahr 2015 weist auf ein Rekordjahr in den drei größten europäischen Startup-Märkten UK, Deutschland und Frankreich hin. Nimmt man das Ökosystem allerdings gründlicher unter die Lupe, so zeigt sich, dass in Deutschland in puncto Startups zwar viel am Start ist, dass es aber auch noch viele Baustellen für Investoren, potenzielle Partner, Politiker und Gründer gibt.

Wo bleibt das Geld?

Beim Venture Capital erweist sich erneut Berlin als Startup-Hauptstadt Deutschlands. Von den insgesamt 1,4 Milliarden für die ganze Republik im ersten Halbjahr 2015 entfielen 1,103 Milliarden Euro und 79 Finanzierungsrunden auf die Bundeshauptstadt, die somit – und das überrascht wirklich – sogar London überholen konnte. Auch konnte sich Berlin nach neuesten Erkenntnissen im weltweiten Ranking der Ökosysteme um sechs Plätze auf Rang neun vorarbeiten. Die Hauptstadt folgt damit in Europa gleich hinter Tel Aviv und London. In Deutschland dominiert die Spreemetropole weiterhin die Startup-Landschaft, auch wenn in diesem Jahr mit München eine zweite deutsche Stadt in die europäische Top Five der Risikokapitalmetropolen einziehen konnte. Vor allem etablierte Startups profitieren von dem warmen VC-Regen. Für alle anderen, insbesondere Gründungen in der Startup- und Seed-Phase, bleibt die Finanzierung die größte Herausforderung. Bei den 181 im „EY Start-up-Barometer“ befragten Technologie-Startups spielten nur für 11 % Bankkredite eine Rolle. Eigenmittel und Cashflow bleiben hierzulande die wichtigsten Geldquellen für Gründer. Innovative Finanzierungsformen wie Crowdfunding, aber auch der IPO als Exit-Form müssen noch stärker in der Fokus rücken. Kein Wunder, dass sich die meisten Gründer in der Umfrage für einen leichteren Zugang zu Krediten aussprachen.

Nabel der Welt, oder digitale Provinz?

Beim globalen Wettlauf um die Spitzenplätze bei den Zukunftsindustrien geht es nicht nur um die Finanzierung, sondern auch um die Attraktivität für Talente aus Deutschland und der ganzen Welt. Der „War for Talents“ ist in vollem Gange. Grundsätzlich geben Gründer an, dass es leichter geworden ist, geeignete Mitarbeiter zu finden. Der Anteil der Startups, die sich hier vor Problemen sieht, ist signifikant von 36 % im Vorjahr auf 21 % gesunken. 2015 scheint also mehr geeigneter Nachwuchs von den Universitäten, Fachhochschulen und aus dem Ausland zur Verfügung zu stehen.

Es sieht zudem so aus, dass Startups auch für Mitarbeiter etablierter Unternehmen, insbesondere auch aus dem Bereich der großen Unternehmensberatungen, attraktiver geworden sind. Das größere Jobrisiko wird dadurch ausgeglichen, dass die betriebliche Atmosphäre inspirierend ist, die Startups größer und professioneller werden lässt. Auch wenn Berlin im Ranking der Startup-Ökosysteme in die weltweiten Top Ten vorrücken konnte, so hat das Land insgesamt deutlichen Nachholbedarf bei der Internationalität. Bei 57 % der Unternehmen liegt der Anteil ausländischer Arbeitnehmer unter 5 %. Darüber hinaus sind nur drei von zehn der befragten Startups auf den internationalen Markt ausgerichtet, wohingegen immer noch 64 % auf den deutschsprachigen Raum fokussiert sind. Deutsche Startups müssen hier stärker über den Tellerrand hinausschauen, auch um für internationale Risikokapitalgeber attraktiver zu werden.

Und sonst?

Im Großen und Ganzen steigt die Gründertätigkeit in Deutschland und die Stimmung unter den Startups ist weiterhin gut. Überraschend viele der Startups haben bereits Erfahrungen im Umgang mit großen Unternehmen gemacht – und zwar nicht nur im Bereich von Acceleratoren. Für große Unternehmen kommt es dabei darauf an, Innovationen weiter voran zu treiben – etwas, was ihnen intern nicht mehr gelingt. Bei der Zusammenarbeit mit Corporates gibt es interessanterweise sehr viel Lob von den Startups, insbesondere bezüglich der Pünktlichkeit von Zahlungen und beim Verstehen der eigenen Pitches. Die Geschwindigkeit von Vertragsverhandlungen wird hingegen eher kritisiert. Von Seiten der jungen Entrepreneure ist viel Geduld gefordert. Auch der Faktor‚ Schnelligkeit der Kommunikation wird von Startups relativ verhalten bewertet. Die Politik kann ebenfalls dazu beitragen, die Hürden für Startups zu senken. Ganz oben auf der Wunschliste der Gründer stehen Erleichterungen beim Kündigungsschutz und beim erst kürzlich eingeführten Mindestlohn.

Der Wettbewerb und das Programm Gründerszene 111 sind ein gutes Beispiel dafür, wie der Innovationsgeist mit geeigneten Initiativen unterstützt werden kann. EY engagiert sich hier als Validierungspartner. Dabei kommen das professionelle Know-how eines der weltweit führenden Anbieter von Dienstleistungen in den Bereichen Assurance, Tax, Transaction und Advisory Services sowie Erfahrungswerte aus einer Vielzahl von „EY Start-up-Initiativen“ zum Tragen. Das aktuelle „Start-up Barometer“ sowie Informationen über das Angebot von EY für Startups finden Sie unter www.start-up-initiative.ey.com. Deutsche Startups sind auf einem sehr guten Weg – aber es gibt auch noch viel zu tun, um Deutschland zu einem globalen Startup-Hub zu machen. Packen wir es also an!

 

Über den Autor:
Peter Lennartz ist Partner bei EY sowie Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Er leitet die „EY Start-up-Initiative“ in GSA. Mehr Informationen und das „Start-up-Barometer“ finden Sie unter www.start-up-initiative.ey.com.

 

EY ist Validierungspartner bei dem Gründerszene 111 Ranking. Weitere Infos und die Möglichkeit zur Bewerbung findet ihr hier: http://www.gruenderszene.de/gs-111

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