Der Baubeginn eines Gebäudes wird in Online-Datenbanken vermerkt

Wem gehören Daten, die jahrelang zusammengetragen wurden, aber öffentlich einsehbar sind? Über diese Frage streiten sich derzeit die Anwälte der beiden Gebäude-Datenbank-Unternehmen Emporis und Building Radar. Emporis klagt seinen Konkurrenten an, Teile der Datenbank ungefragt übernommen zu haben. Zu diesen Daten gehören etwa Gebäudeinformationen wie der Baubeginn oder die Fertigstellung. Diese Daten werden unter anderem an Firmen verkauft, deren Produkte oder Services in neuen Gebäuden benötigt werden.

„Wir sind der Überzeugung, dass ein Großteil der Emporis-Datenbank widerrechtlich übernommen wurde“, heißt es von Emporis-Geschäftsführer Sven Schmidt im Gespräch mit Gründerszene. Man sei deshalb mit einem Anwalt gegen Building Radar vorgegangen. Der angebliche Datendiebstahl sei aufgefallen, da viele Datensätze 1:1 übernommen worden seien – darunter auch Kontrolldatensätze.

Laut Schmidt habe Building Radar bereits „anwaltlich zugestanden, von circa 80.000 Gebäuden Daten von Emporis übernommen zu haben“. Zudem habe der Anwalt von Building Radar mitgeteilt, dass sein Mandant möglicherweise von allen Gebäuden auf Emporis – insgesamt über eine Million – einzelne Daten übernommen habe. Building Radar wollte sich gegenüber Gründerszene nicht zum Sachverhalt äußern, soll sich aber laut Schmidt bereits notariell unterworfen haben.

Update vom 20. April 2016: Der Streit geht in die nächste Runde, Emporis hat mittlerweile Klage eingereicht, wie Deutsche Startups berichtet. Emporis-Chef Sven Schmidt beziffert den Schaden auf Nachfrage von Gründerszene auf einen zweistelligen Millionen-Eurobetrag. Um die Kosten gering zu halten, gehe es in einer ersten Teilklage aber zunächst um einen Betrag von 500.000 Euro. Wenn der vollstreckbar sei, solle es in einer Folgeklage um den vollen Millionenbetrag gehen. „Wir gehen davon aus, dass wir gewinnen, sonst hätten wir nicht eine führende Großkanzlei beauftragt und die hohen Kosten auf uns genommen,“ erläutert Schmidt.

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Das Münchner Unternehmen Building Radar wurde 2014 gegründet und wirbt damit, Gebäudedaten auch über die Auswertung von Satellitenbildern zu gewinnen. Das hält Schmidt für unwahrscheinlich: „Historische Daten wie ein Baustart im Jahr 1960 lassen sich per Definition nicht ex-post aus Satelitenbildern ermitteln. So wie Google mit Street View nicht die aktuellen Öffnungszeiten eines Restaurants ermitteln kann, kann man aus Satellitenbildern auch nicht die Anzahl der Parkplätze in einer Tiefgarage ermitteln.“ Satellitenbilder seien eine ergänzende Information – nicht die Quelle für Basisdaten von Gebäuden, ist sich Schmidt sicher.

Der Emporis-Geschäftsführer findet klare Worte für seinen Wettbewerber: „Datenbank-Diebstahl ist kein Kavaliers-Delikt. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob Daten öffentlich sind oder nicht. Wir haben die Datenbank über Jahre aufgebaut und es sind Millionen investiert worden.“

Emporis wurde in den 1990er Jahren als Hobby-Projekt gestartet. 2007 investierten Neuhaus Partners und die KfW einen Millionenbetrag. Ende 2010 kam es zum vollständigen Exit an ICS, das Unternehmen von Sven Schmidt und Daniel Grözinger. Nach dem Exit kam es zu einer Restrukturierung, das Unternehmen wurde von Frankfurt nach Hamburg gezogen. Mittlerweile sei das Unternehmen kostendeckend unterwegs, so Schmidt. Man wirtschafte mit weniger Kapital zwar kleiner, aber solide. Je nach der Ressourcenlage im ICS-Unternehmensverbund arbeiten zwischen fünf bis zehn Leute an dem Unternehmen – zu besten Zeiten waren es 40 Mitarbeiter.

Bild: NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Bestimmte Rechte vorbehalten von greenoid; Der Artikel erschien in der Erstfassung am 24. november 2015