Empowerment-Mitarbeiter

Ein Beitrag von Florian Peter, CEO und Innovationsexperte bei Mandalah Europe.

Die Grundbausteine des Empowerment

Das Prinzip ist nicht neu, hat aber durch die Gründerwelle einen richtigen Schub erfahren: Etablierte Startups wie SoundCloud, Airbnb oder Pinterest haben durch innovative Konzepte erfolgreich vorgemacht, was nun verstärkt auch gewachsene Konzerne als wichtige Investition in die Zukunft erkennen: internes Empowerment als Schlüssel zum langfristigen Erfolg.

Ob durch Ideengeneratoren, flexible Arbeitszeiten oder umfassende Mitspracherechte: Erfolgreiches Empowerment zeigt sich, wenn sich die einzelnen Teammitglieder mit ihrer Motivation und Ideen zu einem gemeinsam denkenden und handelnden Kollektiv zusammenschließen. Mit dem Ziel klassische Hierarchien und alte Strukturen aufzubrechen und vor allem soziale Kompetenzen unter den Kollegen und gegenüber Kunden zu stärken, wird mit Empowerment eine gute Basis für nachhaltige Leistungsmotivation geschaffen.

Wer Empowerment in seine Unternehmenskultur integrieren möchte, sollte folgende Grundbausteine berücksichtigen:

1. Vom Mitarbeiter zum Kollegen

Empowerment vollzieht sich nicht nur auf Abteilungsebene, sondern ist ein fester Bestandteil der ganzheitlichen Unternehmenskultur. Insbesondere in der Wahrnehmung und dem Umgang von Führungskräften mit ihren Mitarbeitern geschieht ein gravierender Wandel. Mitarbeiter werden als Kollegen, als ebenbürtige Teammitglieder betrachtet, auf deren Meinung zu unterschiedlichsten unternehmerischen Fragestellungen Wert gelegt wird. Zusammen an gemeinsam geschaffenen Zielen zu arbeiten, gewährleistet größtmögliche Identifikation mit der Vision des Unternehmens und stärkt den Zusammenhalt und die Schaffenskraft des eigenen Teams.

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Der Weg dorthin ist nicht ganz einfach. Bei der anfangs zeitintensiven Entwicklung flexibler Strukturen für stärker eigenbestimmte Kollegen und Teams müssen gelernte Entscheidungshierarchien aufgebrochen und striktes Rollendenken abgelegt werden. Jedoch übertreffen die dadurch entstehenden internen Synergieeffekte aus der Zusammenführung von Wissen, Erfahrungen und auch Motivation der einzelnen Teammitglieder bei weitem die kreativen und innovativen Leistungen klassischer Arbeitskonstellationen.

2. Auf Augenhöhe

Verantwortungsvolles und selbstständiges Handeln im Sinne des Unternehmens ist nur möglich, wenn alle Teammitglieder über den gleichen Wissensstand verfügen. Ganzheitliche Einblicke in zum Beispiel Gewinn- und Ertragslage, Marktanteile und Wettbewerb, Produktivität und Verbesserungspotenziale ermöglichen allen Beteiligten, die Strategien und geplante Aktionen zu verstehen und mit eigenen Ideen und entsprechendem Handeln effektiv zu unterstützen.

Eine solche Informationsteilung fördert nicht nur das Vertrauen innerhalb der gesamten Organisation, sondern trägt zusätzlich zum Abbau hierarchischer Denkweisen ab und lässt die Mitglieder agieren, als seien sie selbst Teilhaber des Unternehmens.

3. Flexibel und eigenverantwortlich ans Ziel

Wer als Führungskraft loslassen kann und seinem Team genug Raum für selbstständiges Arbeiten und eigene Entscheidungen einräumt, wird belohnt: Teams erreichen neue Schöpfungskraft und stärken bisher unangetastete Fähigkeiten.

Flache Hierarchien und flexible Handlungsrahmen geben den Mitarbeitern Spielräume, sich parallel mit relevanten Themen außerhalb ihres gewohnten Aufgabenfeldes zu beschäftigen, beispielsweise an Verbesserungen ihrer Arbeitsstrukturen zu arbeiten oder im Rahmen interdisziplinärer Hackdays mit Kollegen aus ganz anderen Bereichen an neuen Produktkonzepten zu arbeiten. Daraus entwickelt sich ein wichtiger Nährboden für innovative Ideen, die unter anderem in zukünftige Strategien oder Prozesse einfließen. Mit dieser kreativen Freiheit werden Mitarbeiter zu Entrepreneuren im eigenen Unternehmen.

4. Dialog fördert Vertrauen

Ein aktiver Austausch über Workflows und Strukturen gibt nicht nur Raum für Ideen und Innovationen, sondern schafft auch gegenseitiges Vertrauen und gemeinsame Erfolgserlebnisse. Um ein Einschleichen von Problemen wie zum Beispiel Unzufriedenheit oder Überforderung zu vermeiden, hat sich ein geplanter Dialog mit konkreten Fragestellungen bewährt. Ad-hoc Feedbacks führen durch transparente Befragungen innerhalb der Teams zu zielgerichteten Ergebnissen, die schnell in den Arbeitsalltag übertragen werden können.

Ein konstruktives und vor allem respektvolles Miteinander ist hier als Grundlage von allen Teammitgliedern einzuhalten. Nur wer sich mit seiner Meinung und seinen Ideen ernstgenommen fühlt, ist bereit, diese in der Gruppe zu teilen und seine Empfindungen zu äußern. Hierzu gehört auch, sowohl Erfolge aber auch Misserfolge positiv als Chancen und Herausforderungen zu zelebrieren.

5. Raus aus der Komfortzone

Viele scheuen das Verlassen des eigenen, sicheren Terrains – zu groß ist die Angst vor negativen Erfahrungen und Versagen. Potenziale für unternehmerisches Denken und Handeln bleiben dann ebenso auf der Strecke wie die stetige persönliche Entwicklung der Mitarbeiter. Es muss ein Rahmen geschaffen werden, der dazu ermutigt, die Komfortzonen zu verlassen und sich gemeinsam neuen Herausforderungen zu stellen.

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Dies erfordert nicht nur Fingerspitzengefühl bei Führungskräften, sondern auch das Akzeptieren von Grenzen innerhalb der Teams. Es ist wichtig, dass neue Verantwortlichkeiten und Aufgabengebiete freiwillig von den Teammitgliedern übernommen und bearbeitet werden. Jeder einzelne sollte hier von Anfang an den eigenen Mehrwert vor Augen haben – zum Beispiel neue Perspektiven in der beruflichen Weiterentwicklung oder die Schärfung des persönlichen Profils durch die Entdeckung versteckter Stärken und Interessen.

Bild: © panthermedia.net / Robert Churchill