Sehr persönlich geht es zu. Im privaten Rahmen treffen sich Business-Interessierte, Entrepreneure und alte Hasen der Gründerbranche. Immer am Donnerstag und alle 14 Tage lädt Günter Faltin, Professor für Wirtschaftspädagogik und Entrepreneurship an der Freien Universität Berlin sowie Autor des erfolgreichen Buches „Kopf schlägt Kapital“, zum Labor für Entrepreneurship. Und das erfolgreich schon seit zehn Jahren.  Das Motto: Entrepreneurship zum Anfassen. Gemeinsam mit seinen Gästen vollzieht Faltin im offenen Gespräch den Weg von der Idee zum in allen notwendigen Aspekten durchdachten Business Model nach. Seine Gäste kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Webunternehmer wie Lukasz Gadowski (Spreadshirt) oder Ehssan Dariani (StudiVZ), Investoren wie Eran Davidson (Hasso Plattner Ventures), Unternehmer wie RTLs Make-Up-Artist Marco Mannozzi oder auch Gründer mitten in der Gründungsphase treffen zusammen und berichten von ihren Aktivitäten und tauschen sich mit dem Publikum aus.

Das regelmäßig in Berlin stattfindende Labor für Entrepreneurship ist dabei nicht nur für Ortsansässige allein interessant: Zu jeder Veranstaltung werden die Interviews des Professors auch live über das Internet als Video gestreamt. Um 18.15 Uhr ist Übertragungsbeginn des virtuellen Workshops und wer eine Veranstaltung verpasst, kann sie in der umfangreichen Video-Bibliothek auf der Webseite nachträglich immer noch anschauen. Im Gästegespräch erfasst Faltin mittels der eigens dafür entwickelten Verfahren des Idea Development und Idea Refinement die Kernelemente der Ideen des Gastes und formuliert diese weiter aus. Das „Labor“ im Titel ist insofern wörtlich zu deuten und auch für fortgeschrittene Gründer bieten die Veranstaltungen die Chance, das eigene Geschäftsmodell professionell zu beleuchten und entscheidend zu verbessern.

Mit dem Labor verbindet sich insofern eine ganz bestimmte Geisteshaltung, die einer kreativ ausgerichteten Auffassung von Entrepreneurship folgt. Eine Auffassung, die Faltin auch in seinem Buch „Kopf schlägt Kapital“ (siehe auch Gründerszenes Rezension) anschaulich und interessant aufbereitet: Für ihn stehen Kreativität, Phantasie und Ideen im Zentrum der unternehmerischen Arbeit und weniger das Jonglieren mit betriebswirtschaftlichen Methoden. Der in Bamberg geborene Professor sieht Entrepreneurship als einen Prozess kreativer Ideenfindung und –Ausformulierung, bei dem die Skalierung von Ideen eine zentrale Rolle einnimmt: „Viel zu oft will man uns einreden, ein Entrepreneur müsse ein Alleskönner sein. Dem ist aber nicht so!“, sagt Faltin. „Man kann heutzutage vieles Delegieren oder dezentral umsetzen. Entscheidend ist vielmehr die Ideenfindung selbst und dass man eine sinnvolle Skalierung dieser Ideen erreicht.“ Und im Zweifelsfalle gelte immer: In der Einfachheit liegt die höchste Vollendung.

Getreu seinem Leitsatz „Jeder ist Unternehmer“ hat auch Faltin selbst bereits sehr erfolgreiche Erfahrungen als Entrepreneur gesammelt. Mit der „Teekampagne“ setzte er 1985 seine eigene Geschäftsidee praktisch um und wurde damit in kurzer Zeit Marktführer im deutschen Teever-sandhandel. Seine Idee, teuren Darjeeling-Tee durch Ausschaltung der vielen Zwischenhändler und Abverkauf in großen Mengen zu vergünstigen, hat sich bewährt. Auch im Labor für Entrepreneurship besteht das Rednerpult stilecht aus Teekisten. Eine Reihe weiterer StartUps aus seinem universitären Umfeld, wie etwa die Ebuero AG, die RatioDrink AG oder die Plattform „Direkt zur Kanzlerin“ bestätigen die Ansätze des passionierten Entrepreneur-Professors. Wer mehr über die Philosophie von Günter Faltin erfahren möchte, dem seien sein Buch oder aber gleich ein Besuch des Labors für Entrepreneurships ans Herz gelegt.