Bernhard Reutersberg

Eon-Vorstand Bernhard Reutersberg stellte die neue Digital Transformation Unit in Berlin vor

Berliner Startup-Flair für den Düsseldorfer Stromriesen

Erst letzte Woche gab der Energiekonzern Eon sein Investment in das Berliner Startup Thermondo bekannt – die bislang einzige Startup-Beteiligung des Düsseldorfer Unternehmens. Allerdings soll das nur der erste Schritt gewesen sein, sich mehr „Digitales“ anzueignen: Zum 1. Oktober startet Eon seine „Digital Transformation Unit“. Die wird in Berlin beheimatet sein, wo Eon Startup-Flair aufsaugen will.

Und sie soll den Konzern zuallererst zugänglicher machen, zu den Aufgaben gehöre insbesondere die digitale Kommunikation, kündigt Eon an, genauer „der Dialog mit Eon-Stakeholdern auf allen digitalen Kanälen“. Mit anderen Worten: Eon will eine Community aufbauen, nicht zuletzt der stärkeren Kundenbindung wegen. Insgesamt gehe es aber um viel mehr, betont Unit-Chef Thorsten Kühnel. Man wolle an so vielen Stellen im Konzern wie möglich Bewusstsein für digitale Denke schaffen.

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Für Startups bedeutet das: Eon will zukünftig interessante Ideen fördern – wenn vielleicht nicht immer mit Geld, so Kühnel, dann doch in jedem Fall mit Büroräumen, Netzwerk sowie Rat und Tat.

Besonders interessant sein dürfte allerdings der mögliche Zugang zu den Kunden des Konzerns. Und – vielleicht weniger offensichtlich, dafür umso wertvoller – zu deren Daten, die etwa über intelligente Strommesser gesammelt werden. Sogar welche Kaffeemaschine der Kunde besitzt und wie alt sie ist wisse man.

Ganz unbedarft geht Eon das Digitalisierungsvorhaben nicht an, wie auf Nachfrage klar wird: Beim Besuch im Silicon Valley habe er sich schon einmal inspirieren lassen, verrät Eon-Vorstand Bernhard Reutersberg. Zum Beispiel von der Idee, den Kundengewinnungsprozess für Solarzellen-Anlagen intelligenter zu machen – mit Google Maps. So könnten Eigentümer von Häusern mit geeigneten Dächern gezielt angeschrieben werden. Oder: eine intelligente Steuerung von Licht. 80 Prozent von Letzterem könne man einsparen, wenn man gezielt nur dort Lampen einschaltet, wo sich auch jemand befindet. Und sie nur so hell leuchten lässt wie nötig. Der Konzern, der sein Geld eigentlich mit dem Verkauf von Energie verdient, scheint es ernst zu meinen.

Insgesamt soll um solche Konzepte herum eine Art kleiner Inkubator entstehen, für den insbesondere die Verarbeitung und schlaue Nutzung der großen Datenmengen des Konzerns nutzen soll. Bisher sei man nicht sehr klug, was Big Data angehe, gibt Reutersberg zu. Das soll sich nun ändern: „In zwei Jahren wollen wir ein digitales Angebot haben, das in allen Eon-Märkten führend ist.“

Wie viel Geld man für die Digital Transformation Unit locker machen will, wurde nicht verraten. „Genug“, hieß es lapidar. Obwohl man sich Großes von der neuen Einheit verspricht und über sie ein Umdenken im Konzern anfachen will, ist sie mit neun Mitarbeitern zum Start recht sparsam ausgestattet, im kommenden Jahr sollen es dann 16 sein. Es ginge ja nicht darum, „digitales Wissen“ an einer einzelnen Stelle zu sammeln, sondern es im Konzern einzupflanzen. Dass das keine Kurzfrist-Aufgabe wird, zeigt man bei Eon bewusst.

Bild: Christian Schlüter/E.ON