Erfolgsfaktoren-Team-Idee

Ein Beitrag von Katharina Wolff, Gründerin und Geschäftsführerin von Premium Consultants, einer Personalberatung für die Digitalwirtschaft.

Warum die Idee nicht alles ist

Startups entstehen wie Sand am Meer. Aber mindestens sechs von zehn verschwinden auch genauso schnell wieder. Daraufhin folgt die Suche nach den Gründen: Konnte man nicht genügend Nutzer von seiner Idee überzeugen? War der Markt noch nicht reif oder die Konkurrenz einfach zu stark? Wer sagt aber, dass es immer an der Idee liegen muss, dass ein Startup scheitert? Wenn die Konkurrenz einen mit der gleichen Idee überholt, muss es dann nicht einen anderen Grund geben, warum das eigene Startup ins Gras gebissen hat? Und muss man wirklich immer der erste sein, um am Markt zu bestehen?

Anscheinend nicht, wie das Erfolgsbeispiel Google beweist: Bei ihrer Gründung waren sie bei Weitem nicht die erste Suchmaschine auf dem Markt. Und trotzdem haben sie sich zu einem Giganten im Internet entwickelt. Oder um ein Beispiel für den deutschen Markt zu finden: Die Gründerinnen von Outfittery hatten vielleicht nicht als Erstes die Idee eines Personal Shopping Services für Männer, aber dennoch konnten Sie Investoren und Kunden schnell überzeugen und sind inzwischen erfolgreich am Markt etabliert.

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene Was wirklich hilft, wenn die Idee geklaut wird

Womit also hängt ein solcher Erfolg noch zusammen, wenn die eigentliche Idee nicht ausschlaggebend ist? Welche anderen Faktoren entscheiden letztendlich über Erfolg oder Niederlage einer Unternehmung?

Faktor #1 Klare Vision statt trübe Suppe

Da sind zunächst einmal die Gründer. Manche von ihnen haben diese eine Eingebung, mit der sie die Welt verändern wollen. Andere gründen einfach mal drauflos, weil das gerade cool ist und in ihren Lebensentwurf passt. Andere überlegen ganz strategisch, mit welcher Geschäftsidee man den größtmöglichen Erfolg erzielen kann. Und wiederum andere „Gründer“-Teams werden vom Investor „zusammengecastet“ und mit einer fiktiven Gründungsstory bestückt.

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Egal, wie man zu seinem Gründerglück gekommen ist, wichtig ist eines: Ein Gründer muss eine klare Vision haben und diese nach außen tragen können. Bedeutende Unternehmen sind alle auf einer starken zeitlosen Vision aufgebaut. Um wieder Google anzuführen: „To organize the world’s information and make it universally accessible and useful“. Google benutzt nicht einmal das Wort Suchmaschine, sondern es geht bei allem darum, wie das Unternehmen den Menschen helfen kann.

Eine Vision hilft, langfristig Ziele zu setzen, die wiederum die Herangehensweise und das Prozedere bestimmen. Und diese Ziele helfen dem Team zu verstehen, wohin die Reise gehen soll und wie jeder seinen Beitrag dazu leisten kann.

Faktor #2 Flache Hierarchien statt tiefe Grabenkämpfe

Der zweite wichtige Faktor, der über Erfolg und Misserfolg eines Startups entscheidet: Das Führen eines Unternehmens. Wie muss das in der heutigen Arbeitswelt, vor allem in der Startup-Welt, überhaupt aussehen? Bei der oft zitierten Generation Y handelt es sich vor allem um High Potentials, um die Unternehmen geradezu buhlen müssen. Frei abgeleitet von John F. Kennedys berühmten Zitat müssen sich Gründer deshalb fragen: „Frag nicht, was deine zukünftigen Mitarbeiter für dich tun können, sondern was du für sie tun kannst.“

Denn diese haben ganz andere Vorstellungen als die zahlreichen Arbeitsgenerationen vor ihnen. Entfaltung statt Fremdbestimmung, Mitspracherecht im Team statt eines hochbezahlten Chefpostens, lieber Firmenanteile als Firmenwagen. Arbeitszeiten müssen möglichst flexibel sein, um auch noch genug Zeit für Freunde und Familie oder das eigene Projekt zu haben.

Wenn ein Gründer es schafft, das Team für die eigene Idee und den Sinn dahinter zu begeistern und sie täglich neu zu motivieren statt ihnen diktatorisch die Unternehmensziele einzuhämmern, dann wird aus lustlosem Arbeitszwang begeisternde Firmenideologie. Dafür müssen Teammitglieder nicht als Arbeitswerkzeuge behandelt werden, die man beliebig ausbeuten kann, sondern als Kooperationspartner auf Augenhöhe, die möglichst viel Spielraum haben, um sich selbst zu verwirklichen und so das Unternehmen gemeinsam voranzubringen.

Ziel sollte es sein, dass der Gründer sich komplett auf sein fachkundiges Team verlassen kann, und dieses auch ohne eine ständige Anwesenheit des Chefs produktiv arbeiten kann.

Faktor #3 Gutes Team schlägt gute Idee

Der wichtigste Faktor für den Erfolg eines Startups: das Team. Eine Idee ist immer nur so gut wie die Köpfe dahinter. Die beste Idee nützt nichts, wenn sie von einem mittelmäßigen Team umgesetzt werden soll. Anders herum kann ein sehr gutes Team eine mittelmäßige Idee jedoch sehr wohl zum Erfolg führen. Die Devise beim Recruiting sollte deshalb stets lauten: „Don’t hire people because of what they do, but because of why they do it“ (Simon Sinek, Autor von „Start With Why“). Bedeutet: Es gibt Mitarbeiter, die haben ihr Ziel mit dem Unterschreiben des Arbeitsvertrags erreicht. Diese Zeitgenossen sind für Startup gerade am Anfang Gift.

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Besser fahren Jungunternehmen mit jenen Mitarbeitern, für welche die Zielerreichung mit dem ersten Arbeitstag erst anfängt. Genau diese sollte man am Anfang einstellen. Denn ist der Grundstamm erst gelegt, zieht das bestehende Team ähnliche Mitarbeiter an. Ist das Team insgesamt schlecht, werden die guten Mitarbeiter Reißaus nehmen.

Und ganz wichtig beim Recruiting: Nicht erst fünf vor zwölf mit der Suche anfangen, und aus Verzweiflung jeden einstellen, der halbwegs akzeptabel ist. Auch hier sollte man seiner Vision folgen und nur in Top-Talente investieren, die langfristig zur Unternehmensphilosophie passen. Wenn die Zeit für professionelle HR-Maßnahmen fehlt, sollte man sich dafür in jedem Fall externe Profis mit an Board holen, denn Mitarbeiter sind wertvolles Kapital für das eigene Unternehmen, an denen man nicht sparen sollte. Weder bei der Suche noch beim Gehalt. Dann klappt’s auch mit dem Unternehmenserfolg.

Bild: rtbilder / PantherMedia