Das Angebot klingt verlockend: Wer sein Ticket über Bahnheld.com bucht, spart bis zur Hälfte des regulären Preises. Die Idee: Bahnkunden, die nach Zugausfällen eine Freifahrt bekommen, spenden den Gutschein an das Portal. Und Bahnheld reicht die Gutscheine weiter. Nicht genug – mit dem Gewinn wollen die Betreiber etwas Gutes tun. „Die Erlöse von Bahnheld werden komplett an Spendenorganisationen gespendet“, schreiben sie auf ihrer Webseite. Die Logos von SOS Kinderdorf, Unicef und dem WWF sind auf der Homepage zu finden.

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Offenbar stimmt mit dem Angebot etwas nicht. Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin ermittelt gegen die Betreiber von Bahnheld wegen Verdachts des gewerbsmäßigen bandenmäßigen Computerbetrugs, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Die Plattformbetreiber sollen Fahrkarten „unter missbräuchlicher Verwendung von Kreditkarten-Daten erlangen“ und weiterverkaufen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Bahnheld wehrt sich gegen diese Vorwürfe. „Es handelt sich hierbei um nicht bewiesene Vermutungen“, schrieb der Geschäftsführer der SZ. „Man stützt sich auf stupide Behauptungen.“

Die gemeinnützigen Organisationen bestreiten eine Zusammenarbeit mit dem Ticketportal. Bislang habe Unicef noch keine Spende von Bahnheld erhalten. Ein Sprecher sagte gegenüber der SZ, dass sie rechtliche Schritte wegen der Verletzung ihrer Markenrechte prüfen würden. Auch die anderen Organisationen hätten laut Medienberichten rechtliche Schritte eingeleitet. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung schreibt Bahnheld, zunächst müssten sie Werbe- und Personalkosten begleichen, bevor sie die Erlöse spenden würden.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft stellen sich derweil als schwierig heraus. „Es konnten noch keine Verantwortlichen ausfindig gemacht werden“, heißt es. Die Betreiberfirma hat laut Impressum ihren Sitz in Luxemburg.

Bild: NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Bestimmte Rechte vorbehalten von Cha già José