Etepetete-Gruender

Die Etepetete-Gründer Carsten Wille, Georg Lindermair und Christopher Hallhuber (von links) bezeichnen sich selbst als „Gemüseretter“

Elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland jährlich in der Tonne. Von dieser Zahl sprechen die Verbraucherzentralen der Länder. Einer Studie der Umweltstiftung WWF aus dem Jahr 2015 zufolge sollen es sogar 18,4 Millionen Tonnen sein. Klar ist: Teile davon schaffen es gar nicht erst in unsere Kühlschränke. Sie werden entsorgt, weil sie den Schönheitsidealen des Marktes nicht entsprechen – zu groß, zu klein, zu knorrig.

Das Münchner Startup Etepetete will einen Teil gegen diese Verschwendung beitragen – mit Abo-Boxen. Darin finden sich verzwirbelter Kohlrabi oder überdimensionaler Fenchel. Eben alles, was nicht ins Supermarkt-Schema passt. Verschickt wird ausschließlich Bio-Gemüse. Dazu arbeitet das Startup eigenen Angaben zufolge mit bis zu 20 deutschen Bauern zusammen. Im Winter helfen griechische Bio-Erzeuger aus.

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Die 5-Kilo-Box kostet 20 Euro. Viel billiger als die äußerlich einwandfreien Gewächse kauft Etepetete seine Ware bei den Landwirten auch nicht ein, erklärt Mitgründer Carsten Wille: „Wir geben den Bauern eine Alternative zur weniger profitablen Biogasanlage. Das macht preislich schon einen Unterschied, aber keinen gravierenden. Wir sind auf eine langfristige Zusammenarbeit aus, nicht auf Preis-Dumping. In einer Herz-Kartoffel steckt schließlich genauso viel Arbeit wie in einer normalen.“

Dass das krumme Gemüse aber nicht immer in Massen vorhanden ist, haben offenbar nicht alle Verbraucher verstanden. Auf der Facebook-Seite von Etepetete ärgern sich einzelne Kunden über Box-Inhalte: zu wenig vom einen, zu viel vom anderen. Schlichtungsversuche: „Die Natur packt unsere Boxen. Das bedeutet, dass nicht in allen Paketen die gleichen Sorten sind“, sagt Wille. Und: „Wer Gemüse retten will, darf nicht wählerisch sein.“

Für Etetepete schmissen Wille und Mitgründer Christopher Hallhuber ihr BWL-Studium, auch Gründer Nummer drei, der gelernte Immobilienkaufmann Georg Lindermair, gab seinen Job auf. Ausgeliefert wird seit Mitte 2015. Inzwischen ist auch ein „strategischer Partner“ dabei. Das Startup, das laut Wille monatlich Boxen „im oberen einstelligen Tausenderbereich“ verschickt, ist vor allem eigenfinanziert.


Bald will das Startup das Makel-Gemüse zu Speisen verarbeiten und im Supermarkt anbieten. Ähnliches macht bereits das britische Unternehmen Rubies in the Rubble (zu deutsch etwa: „Juwelen im Müll“). Es verarbeitet ausrangiertes Obst und Gemüse zu Marmeladen und Chutneys.

Preislich ist das Angebot von Etepetete damit auf einer Stufe mit Diensten wie Rockets Bonativo, das ebenfalls Bio-Gemüse-Boxen verschickt. Das Berliner Startup musste vor einigen Monaten seinen Service in London einstellen. Auch in Köln gibt es einen – bislang analogen – Wettbewerber: The Good Food verkauft über einen klassischen Verkaufsstand Gemüse, das vor dem Müll gerettet wurde.

Auch Supermarktketten versuchen, beim Verbraucher ein Bewusstsein für die Verschwendung zu schaffen. So warb Edeka 2013 damit, Grünzeug mit Schönheitsfehlern zu verkaufen. Im gleichen Jahr brachte Rewe in Österreich die sogenannten Wunderlinge in die Regale. Hierzulande will die Rewe-Tochter Penny ab kommender Woche formloses Gemüse ins Sortiment aufnehmen.

Bild: Etepetete