Der deutsche Entwickler Christopher Jenztsch (links) hat The DAO gecoded. Gemeinsam mit Simon Jentzsch und Stephan Tual führt er sein Startup Slock.it.

Ein Unternehmen bricht gerade alle Crowdfunding-Rekorde: The DAO hat in den vergangenen drei Wochen fast 160 Millionen US-Dollar eingesammelt. Die Organisation ist in jeder Hinsicht ungewöhnlich. Sie hat weder einen physischen Sitz, noch einen Chef und ist ganz anders aufgestellt als alles, was man bisher so kennt. Wie kann das funktionieren – und was steckt dahinter?

The DAO, was für Dezentrale Autonome Organisation steht, funktioniert wie ein Investmentfonds. Es investiert das eingesammelte Kapital in Startups und Produkte und will so einen Ertrag für die Mitglieder der Organisation erzielen. Das sind die Crowdfunder. Sie spielen die entscheidende Rolle in der DAO und wählen in Abstimmungen, in welche Richtung die Organisation geht. Also zum Beispiel, welches Investment geleistet, welches Produkt gekauft oder welche Agentur beauftragt werden soll.

Das ist bereits eine ungewöhnliche Gleichberechtigung für ein Investment-Unternehmen. Das wirklich Abgefahrene ist aber: The DAO ist eine Organisation, die nur aus Code besteht. Sie basiert vollständig auf der Blockchain-Technologie und einer Plattform namens Ethereum. Die Crowdfunder zahlen ihr Kapital in der Kryptowährung Ether ein, dem jüngeren Bruder der Bitcoin.

Entsprechend ihres eingezahlten Geldes bekommen die Mitglieder sogenannte Tokens für die Wahlen, mit denen abgestimmt wird. Wer also mehr investiert, dessen Stimme hat mehr Gewicht. Laut Bitcoin-Blog müssen mindestens 20 Prozent der Mitglieder wählen, damit eine Entscheidung gültig ist. Die Mitglieder können außerdem eigene Vorschläge für Projekte einreichen, die von der DAO finanziert werden sollen. Dafür schreibt man selbst einen Investmentvertrag in die Blockchain, ein sogenanntes Proposal, über welches dann abgestimmt wird. Für diese Verträge gibt es Vorlagen.

So soll The DAO funktionieren (Quelle: Daohub.org)

Verträge zu schließen wird plötzlich billig

Geregelt werden die von den Mitgliedern gewählten Investments durch sogenannte ,Smart Contracts‘. Das sind Computerprogramme (Transaktionsprotokolle), die ständig und automatisch die Bedingungen eines Vertrages prüfen und bestimmte Punkte ausführen. Zum Beispiel: The DAO investiert in ein Startup und weitere Zahlungen sind an Ziele gebunden. Wenn ein Ziel erreicht wird, leistet der Smart Contract die Überweisung automatisch.

Doch wozu der ganze Aufriss? Zum einen können durch diese Automatisierung immense Kosten gespart werden, Verträge zu schließen wird plötzlich billig. Die Technologie sorgt außerdem für Transparenz. Auf der Blockchain werden Daten gespeichert, die alle Transaktionen einer Kryptowährung festhalten. Diese Daten können höchstens mit komplizierten Eingriffen gelöscht oder manipuliert werden.

Da sie offen zugänglich sind, kann jeder prüfen, ob die Verträge korrekt sind – vorausgesetzt man versteht die Ethereum-Programmiersprache. Auch die Guthaben auf den verschiedenen Konten (,Wallets‘) sind zu sehen.

Im Unterschied zu Bitcoin will Ethereum nicht nur Zahlungssystem sein und Transaktionen ermöglichen, sondern über verschiedene dezentrale autonome Organisationen einen Schritt weitergehen. Mit der Technologie sollen gesamte Unternehmungen organisiert werden – durch die sich selbst ausführenden Verträge.

Den grundlegenden Code für die Plattform Ethereum hat der deutsche Programmierer Christoph Jentzsch geschrieben. Der 32-Jährige wird allerdings laut New York Times keine weitere Rolle für The DAO selbst spielen. Jentzsch’s eigenes Startup Slock.it ist eines der ersten beiden Projekte, für welches die Crowdfunder von The DAO stimmen können.

Während viele die Technologie als revolutionär anpreisen, zeigen sich immer mehr Zweifler. TechCrunch-Journalist und Software-Entwickler Jon Evans beispielsweise. Er sieht zwar das Innovationspotential, glaubt aber auch, man erlebe gerade den „Höhepunkt des Hypes“.

Bild: SCREENSHOT YOUTUBE/SLOCK.IT; Facebook-Foto: Screenshot Youtube/HoldMyDrink

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