Anschlussfinanzierungen Europa

Europa: Weniger Later-Stage-Geld als in den USA

Bei jeder Finanzierungsrunde stellt sich die Frage erneut: Kann man – um auf den erwarteten Erfolg weiter aufzubauen – auch eine Anschlussfinanzierung finden? Während Seed-Finanzierungen immer häufiger vorzufinden sind, so haben es die vergangenen Monate gezeigt, stellen spätere Runden Startups oft noch vor erhebliche Probleme. Insbesondere in Europa scheint dies ein verbreitetes Phänomen zu sein – zumindest, wenn man die Situation mit den USA vergleicht. Dort sind spätere Finanzierungsrunden deutlich häufiger vorzufinden.

An dieser Situation hat sich auch im laufenden Jahr nicht viel geändert. Zumindest legt dies eine von DFJ Esprit & Go4Venture Advisers betriebene Studie nahe. Zwar liege die Anzahl der Finanzierungsrunden in den USA nicht wesentlich höher – 750 bis 1.000 gegenüber 500 bis 1.000 in Europa. Allerdings seien die geflossenen Beträge vier- bis fünffach so hoch, wie DFJ-Esprit-CEO Simon Cook gegenüber dem Wallstreet Journal erklärte. Selbst in Großbritannien, dem bisherigen Venture-Capital-Spitzenreiter in Europa, sei das Verhältnis nicht annähernd so ausgeglichen wie in den USA.

Weniger Anschlussfinanzierungen in Großbritannien

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Bei größeren Anschlussfinanzierungen – über fünf Millionen US-Dollar – allerdings hat Großbritannien seine Vormachtstellung nun abgeben müssen. Während in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres dort insgesamt 25 Deals in dieser Größenordnung verzeichnet wurden, waren es in Frankreich sogar 28. Deutschland liegt mit 18 größeren Anschlussfinanzierungen nicht weit dahinter. Im Vergleich zum Vorjahr werden die Verschiebungen deutlich: In den ersten sechs Monaten 2012 fanden in Großbritannien 46 Deals mit einem Volumen von mehr als fünf Millionen US-Dollar statt, in Frankreich 22 und in Deutschland 15.

Gleichwohl war die verzeichnete Gesamtsumme an VC-Finanzierungen auf der Insel weiterhin am größten: 656 Millionen US-Dollar wurden dort vergeben, in Frankreich waren es 399 Millionen US-Dollar und in der DACH-Region 343 Millionen US-Dollar. Damit flossen laut Studie 36 Prozent aller VC-Gelder im ersten Halbjahr in Großbritannien, 22 Prozent in Frankreich und 19 Prozent in Deutschland. Insgesamt wird das Volumen der Wagniskapitalfinanzierungen auf 1,81 Milliarden US-Dollar beziffert.

Geldmangel in Europa?

Interessant dabei ist die in der Studie festgestellte Größe der Anschlussfinanzierungen: Werden in Großbritannien im Schnitt 23 Millionen US-Dollar investiert, sind es in Frankreich lediglich elf Millionen US-Dollar. Dabei gilt es zu beachten, dass hier eine große Bandbreite an Finanzierungen betrachtet wird.

Die Zahlen der Studie sind derweil mit dem nötigen Abstand zu betrachten. Konkrete Vergleiche mit den Volumen oder Strukturen in den USA etwa ermöglicht sie nicht und auch die Datenbasis für Europa ist recht undifferenziert. Gleichwohl bleibt festzuhalten, dass die Wagniskapitallandschaft in Europa zwar dynamisch bleibt und zumindest nicht kleiner wird. Der bisweilen große Unterschied zu den USA bleibt allerdings weiterhin bestehen: Im Vergleich zu den dortigen Startups bleiben die hiesigen Jungunternehmen weiterhin finanziell schlechter ausgestattet.

Was meinen die Leser, hat sich die Lage für Anschlussfinanzierungen verbessert?

Bild: NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Bestimmte Rechte vorbehalten von garryknight