Lars Hinrichs

„Wir brauchen eine europaweit einheitliche Mini-AG“

Um die Bedingungen für Startups in der EU zu modernisieren und auch für Investoren ein einladenderes Umfeld zu schaffen, fasst das nun vorgestellte europäische Startup Manifest (startupmanifesto.eu) 22 Forderungen zusammen. Aufgeteilt in die Segmente Bildung, Zugang zu Talenten, Zugang zu Kapital, Datensicherheit und „Thought Leadership“ fordern die Initiatoren etwa eine stärkere unternehmerische Bildung schon im Kindesalter oder Konzerne in die wirtschaftliche Allgemeinbildung miteinzubinden.

Ganz konkret müsse es ein pan-europäisches Startup-Visum ermöglichen, Talente schnell ansiedeln zu können. Bis hin zu neuen, europaweit einheitlichen Gesellschaftsformen oder Chief Digital Officers für die einzelnen EU-Länder reichen die Forderungen.

Die Köpfe hinter dem Startup Manifesto sind:

  • Zaryn Denztel, Gründer und CEO von Tuenti
  • Daniel Ek, Gründer und CEO von Spotify
  • Kaj Hed, Chairman von Rovio Entertainment (Angry Birds)
  • Lars Hinrichs, Gründer und CEO von HackFwd
  • Martin Lorentzon, Gründer und Chairman von Spotify
  • Joanna Shields, CEO von Tech City UK
  • Reshma Sohoni, Mitgründerin & Partner von Seedcamp
  • Boris Veldhuijzen van Zarten, Mitgründer von The Next Web
  • Niklas Zennström, CEO von Atomico

Gründerszene sprach mit Mitinitiator Lars Hinrichs über die Hintergründe des Manifestos, die Motivation der Initiatoren und welche konkreten Aspekte für Ihn die wichtigsten sind.

Wie kam das Europäische Startup Manifesto zustande?

Das Manifesto ist aus dem von EU-Kommissarin Neelie Kroes‘ initiierten „The Startup Europe Leaders Club“ heraus entstanden. Ziel war es, Punkte auszuarbeiten, um der Fragmentierung im europäischen Markt entgegenzuwirken: Die Bedingungen für Startups, aber insbesondere auch für Investoren schwanken heute zwischen den Ländern derart stark, das ein Investment außerhalb des Heimatlandes mit zu viel Arbeitsaufwand verbunden ist.

Das heißt?

In manchen Ländern braucht man für Vertragsunterzeichnungen einen Notar, für die unzähligen Gesellschaftsformen unterschiedliche Vorgaben und Gesetze. Manchmal bekommen Investoren die das zugesagte Kapital in Tranchen überweisen, die Geschäftsanteile ebenfalls in Tranchen zugesprochen, manchmal nicht. Wenn Europa im Tech-Bereich eine Alternative zum Silicon Valley sein will, dann braucht es vergleichbare und insbesondere einheitliche Strukturen.

Daher sicherlich auch die Forderung nach der E-Corp…

Richtig. Es ist wichtig, eine europaweit einheitlich geregelte Gesellschaftsform zu schaffen, eine Art Mini-AG. Wenn internationale Investoren alle nationalen Eigenheiten berücksichtigen müssen, macht das die Märkte allein deshalb unattraktiv, weil der vertragliche Aufwand hoch ist. Das kann nicht im Sinne einer europäischen Gründungskultur sein.

Aber auch auf einen einheitlicheren Arbeitsmarkt arbeitet das Manifesto hin.

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Es gibt in der EU zwar einen offenen Arbeitsmarkt. Der ist allerdings im Wesentlichen für Offline-Unternehmen gestaltet worden: Ein Spanier kann recht unkompliziert nach Deutschland kommen und hier für ein deutsches Unternehmen arbeiten. Richtig offen ist der Markt erst dann, wenn ein Spanier in Madrid, ein Deutscher in München und ein Schwede in Göteborg zusammen für ein litauisches Unternehmen arbeiten können – ohne als Freiberufler tätig sein zu müssen.

Was ist mit dem Startup Visum gemeint?

Wir fordern ein europaweites Startup-Visum, um den besten Talente aus allen Ländern der Welt nach Europa zubekommen.

Startups sind in der Regel schnell, die Politik ist es oft nicht. Welchen Zeitrahmen hältst Du für die konkreteren Forderungen im Manifesto für realistisch?

Wir werden das Europäische Startup Manifest im Rahmen des Treffen der Regierungschefs im Oktober präsentieren. Wichtig ist nämlich, dass die Forderungen auf nationaler Ebene ankommen. Nur so wird eine möglichst zeitnahe Umsetzung möglich.

Wichtig ist, dass mit Neelie Kroes eine Person involviert ist, der die EU und ihre digitale Agenda sehr am Herzen liegen, die extrem bekannt und geschätzt ist – und die schon vieles durchgesetzt hat. Wenn wir unser Ziel erreichen, ein paar zehntausend Unterschriften zu sammeln, dann müssen sich die Regierungen mit den Themen auseinandersetzen.

Danke, Lars, für das Gespräch!

Bild: By Alexis Eisenhofer (Alexis Eisenhofer) [Public domain], via Wikimedia Commons