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Vapiano, Lieferando und Kreditech – die Gründer dieser Unternehmen haben eines gemeinsam: Sie studierten an der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel. Die EBS gehört neben der WHU und der HHL zu den teuren, privaten Hochschulen in Deutschland, die dafür bekannt sind, dass viele Gründer aus ihnen hervorgehen.

Unter diesen BWL-Schulen ist der Wettbewerb hart. Um sich international durchsetzen zu können, sind für die Hochschulen auch Elite-Siegel wichtig. Weltweit gibt es drei Organisationen, deren Gütesiegel für Business Schools besonders angesehen sind: die EFMD aus Brüssel (Equis-Siegel), die US-amerikanische AACSB und die britische Amba. Sie prüfen verschiedene Punkte – zum Beispiel, wie international ein MBA aufgestellt ist und welche Voraussetzungen die Studenten erfüllen müssen.

Die EBS hat jetzt in der Sache einen Rückschlag erhalten: Sie darf die sogenannte Equis-Auszeichnung nicht mehr führen. Für die Hochschule könnte sich das zu einem Problem entwickeln.

Diese Gründer besuchten die European Business School

Siegel spielen für zahlreiche Studenten eine wichtige Rolle bei der Auswahl ihres Studiums. Weniger Studenten würden für die Privatschule geringere Einnahmen aus den MBA-Programmen bedeuten. Ein solches Siegel macht die Hochschule auch für Forscher und Professoren als Arbeitgeber attraktiver. Das Equis-Siegel ist außerdem eine Voraussetzung, um an relevanten Uni-Rankings wie dem der Financial Times teilnehmen zu dürfen.

In den vergangenen Jahren hatte die EBS zunächst Schwierigkeiten, überhaupt an das Siegel zu gelangen und wurde von der Organisation nach Prüfungen abgelehnt. Im Frühling 2012 gelang der Universität dann der Sprung auf die Equis-Liste. Doch die Auszeichnung war von kurzer Dauer: Laut dem Blog MBA-Journal, der zuerst über den Verlust berichtete, fiel die EBS im April 2015 durch die Folge-Akkreditierung und musste den Prozess erneut durchlaufen – mit negativem Ergebnis, wie nun anderthalb Jahre später feststeht.

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Auf Nachfrage von Gründerszene heißt es von der European Business School, die Gründe für die Absage blieben bisher sehr vage. Man respektiere aber die Entscheidung und nehme das Feedback der belgischen Organisation sehr ernst. „Unsere Universitätsleitung wird das Gesprächsangebot annehmen und gleich zu Beginn dieses Jahres nach Brüssel reisen. Denn: Wie jede andere Hochschule auch wollen und werden wir uns kontinuierlich weiterentwickeln und  konsequent an der strategischen Fokussierung unserer Universität arbeiten“, antwortet die Hochschule in einer Mail.

Ein Problem scheint die Einrichtung in dem Verlust nicht zu sehen: Gute Plätze in Uni-Rankings sowie andere Auszeichnungen würden die „hohe Qualität von Forschung und Lehre an der EBS“ belegen. Außerdem befinde man sich bereits im Akkreditierungsprozess für ein anderes Qualitätssiegel für Business Schools, das AACSB.

Die EBS, die 1971 gegründet wurde und sich einen guten Ruf aufbaute, kämpfte in der jüngeren Vergangenheit mit finanziellen Schwierigkeiten. Die Hochschule stand mehrere Male vor einer Pleite. Sie musste staatliche Mittel zurückzahlen und ein früherer Präsident wurde wegen Veruntreuung angeklagt. Im Sommer vergangenen Jahres übernahm dann die SRH Higher Education die Hochschule für einen unbekannten Preis. „Wir investieren in Qualität und werden gemeinsam die Internationalisierung vorantreiben“, ließ sich der SRH-Vorstandsvorsitzende Christof Hettich damals zitieren.

Bild: EBS