Die beiden Evaneos-Gründer Yvan Wibaux und Eric La Bonnardière (von links)

Mit einem Pferd durch die mongolische Steppe reiten oder mit dem Boot durchs Amazonasbecken fahren – von solchen Touren träumen die meisten Urlauber. Wer sich einfach blauäugig mit dem Rucksack und einem Reiseführer ins Abenteuer stürzt, kommt oft günstig weg. Doch hat der Urlauber wenig Sicherheiten, was Unterkünfte und Reiserouten betrifft. Aus diesem Grund führt der erste Gang für viele immer noch ins Reisebüro, um eine geführte Tour mit allen Transfers zu buchen. Für Urlauber, die diesen Zwischenhändler umgehen wollen, gibt es Plattformen wie Evaneos.

Anders als beim Reisebüro kann der Urlauber bei diesem Portal direkt mit einem Einheimischen als Reiseführer und seiner Agentur in Kontakt treten. Der Nutzer kann sich an Reisevorschlägen des Guides orientieren und die Tour individuell mit ihm zusammenstellen. Evaneos, ein Startup aus Paris, bietet die Plattform für diesen Austausch, Tools zur Buchung und übernimmt die Gewährleistung, dass die Reise auch im gebuchten Umfang stattfindet. Im Zweifelsfall sucht das Startup einen Ersatz vor Ort.

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Bisher seien 150 Reiseziele und rund 800 lokale Agenturen im Portfolio von Evaneos, sagt Annika Lucien, Country Managerin für Deutschland. 120.000 Reisen sollen bereits über die Plattform gebucht worden sein. Evaneos nehme dabei nur Reiseführer in den Pool auf, die bereits Erfahrung haben und auch die Sprachen des Buchenden sprechen, so Lucien. Das 2009 von Eric La Bonnardière und Yvan Wibaux in Frankreich gegründete Unternehmen ist seit zwei Jahren auch hierzulande aktiv.

Im selben Markt ist das Berliner Startup Trip.me unterwegs. Da das Reisebüro als Zwischenhändler entfällt, könnten Urlauber bis zu 30 Prozent des Preises sparen, sagte das Berliner Unternehmen einmal in einem Gründerszene-Interview. Annika Lucien von Evaneos möchte keinen Prozentsatz nennen, da die Ersparnis immer stark vom Reiseziel abhänge. Im Vergleich zu Trip.me verfüge man über ein größeres Agenten-Netzwerk im Ausland und sei in mehr Ländern aktiv. Ein weiterer Wettbewerber ist Getyourguide. Über die Plattform können ebenfalls Ausflüge für den Urlaub gebucht werden.

Der deutsche Reisemarkt boomt

Für den Evaneos-Gründer Eric La Bonnardière stehen deutsche Urlauber im Fokus. „Kein anderer Europäer gibt soviel Geld für Reisen aus“, sagt La Bonnardière zu Gründerszene. Das bestätigt auch der deutsche Reiseverband DRV. Demnach stecken die Deutschen rund 83 Milliarden Euro im Jahr fürs Reisen aus. In den vergangenen fünf Jahren hätten sich die Ausgaben jedes Jahr um rund 5,5 Prozent erhöht, so der DRV. Und das Potential für Online-Angebote ist weiterhin groß: 2015 seien insgesamt 35,5 Prozent über Online-Kanäle und 64,5 Prozent über klassische Offline-Vertriebswege wie das Reisebüro gebucht worden.

Beim französische Startup macht sich die Verschiebung ins Internet bemerkbar. Laut Evaneos-Managerin Lucien habe sich der Umsatz durch die Agenturvermittlung in Deutschland jedes Jahr verdoppelt. Momentan bewege man sich im siebenstelligen Bereich. Geld verdient das Startup bei jeder erfolgreichen Vermittlung über Provisionen, die von der lokalen Agentur getragen werden. Die Höhe der Provision will das Unternehmen nicht verraten.

Portale wie Evaneos oder auch Trip.me schalten mit ihrem Modell das Reisebüro als Vermittler aus. Ein Prinzip, an das auch die Investoren glauben. Im Mai erhielt das französische Startup, das mittlerweile 100 Mitarbeiter beschäftigt und in sieben Buchungsländern aktiv ist, 18 Millionen Euro – unter anderem von Serena Capital und dem Fonds Ambition Numérique. Getyourguide erhielt sogar 50 Millionen Dollar. Und für Evaneos geht es in diesem Jahr weiter: Schweden, Dänemark und die Niederlande sollen dazu kommen. „Weitere strategische Märkte sind bereits in Planung, zum Beispiel USA“, sagt Gründer Eric La Bonnardière zu Gründerszene.

Foto: Evaneos