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Die gefrorene Essenslieferung von Everdine soll morgens vor der Haustür warten.

Obwohl vor kurzem erst der Lieferdienst Bonativo das Geschäft einstellte und auch Eatfirst in Berlin den Rückzug antrat, setzt Rocket Internet weiter auf den Food-Markt. Neuerdings ist das Startup Everdine im Portfolio des Company Builders zu finden. Dieser Lieferdienst fokussiere sich auf gesunde und lang haltbare Tiefkühlkost ohne Zusatzstoffe, heißt es auf der Unternehmensseite. Everdines Service sei Rocket zufolge direkt in ganz Großbritannien gestartet. Eatfirst hat hingegen zunächst nur in London begonnen.

Der deutsche Rocket-Manager Andreas Jaegle, der zuvor Foodora mit aufgebaut haben soll, hat den neuen Lieferdienst im Juni mit einem kleinen Team gelauncht. An dem Projekt arbeite er seit dem Herbst des vergangenen Jahres, sagt Jaegle im Gespräch mit Gründerszene. Zu den Investoren wollte er sich nicht äußern. Rocket habe aber die Anschubfinanzierung gegeben.

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Andreas Jaegle hat Everdine gestartet.

Im Moment befinde sich das Rocket-Venture noch in der Findungsphase, sagt Jaegle. „Eines unserer aktuellen Ziele ist es, zu lernen, welche Zielgruppe unser Angebot am besten findet – ob Berufstätige, Familien oder vielleicht auch ältere Leute.“ Als Konkurrenz zu Rocket-Mitstreiter Eatfirst, das sich vor allem auf Lieferungen um die Mittagszeit herum konzentriert, sieht er sein Unternehmen nicht.

Bei Everdine würden die Gerichte frisch zubereitet und unmittelbar eingefroren, erklärt Jaegle. Das Angebot sei für Leute interessant, die sich abends schnell etwas Gesundes warm machen wollen oder Essen mit zur Arbeit nehmen möchten.

Die Auslieferung des Pakets mit wahlweise acht oder zwölf Gerichten erfolge immer über Nacht alle zwei Wochen, damit man seine Essenslieferung am Morgen habe. Die Lieferung sei kostenlos. „Damit die Zustellung auf jeden Fall klappt, bitten wir unsere Kunden, genaue Angaben zu machen, wo wir das Essen abgeben sollen – vor der Haustür oder beim Nachbarn zum Beispiel“, sagt der Gründer. Durch die Isolierung der Pakete seien die Mahlzeiten bis zum Ende des Liefertages hinreichend gekühlt.

Wie sich die nächtliche Zustellung in einer Großstadt mit größtenteils anonymen Mehrfamilienhäusern gestalten lässt, ist allerdings fraglich. Paketstationen nutze man in London nämlich nicht, sagt der Gründer, das funktioniere dort auch ohne solche Stationen. Ob das Modell auch in Deutschland anlaufen wird, konnte Jaegle noch nicht abschätzen. Für Londoner Verhältnisse sind die Mahlzeiten mit rund 8 Pfund im Vergleich zum Restaurant-Besuch günstig. Berliner dürften 9-Euro-Gerichte aus der Kühltruhe hingegen eher als Luxus ansehen, da sich in der deutschen Hauptstadt günstiger Essen gehen lässt.

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Wettbewerber, die Tiefkühlkost à la Bofrost ausliefern, gibt es auch in Großbritannien viele. Dort bietet etwa die Kette Cook einen vergleichbaren Dienst und unterhält bereits 84 Shops. Doch was die Qualität des Essens, der Website und das Design der Verpackung anbelange, sehe man sich bei Everdine im Vorteil, erwidert Jaegle. „Derzeit gibt es kein vergleichbares Angebot, welches Essen nach ,Clean Eating‘-Prinzipien anbietet und gefroren landesweit nach Hause liefert.“

In Berlin wurde Eatfirst, das ebenfalls mit gesunden Mahlzeiten wirbt, komplett eingestellt. Zur Begründung hieß es im März: Das Rocket-Venture wolle sich auf das Geschäft in London konzentrieren. Dort würde das Angebot auch heute noch gut laufen, sagt der Gründer Rahul Parekh auf Nachfrage von Gründerszene. Das Unternehmen habe monatliche Wachstumsraten beim Umsatz von 30 bis 40 Prozent zu verzeichnen, so Parekh. Andere Zahlen wollte er nicht nennen.

Auch er betont den Unterschied zu dem neuen Rocket-Venture: „Everdine bietet Essen, das länger hält, weil es für die Aufbewahrung im Kühlfach konzipiert ist.“ Eatfirst hingegen werde fertig zubereitet für Büro-Meetings oder auch als Abendessen geordert. Dass Eatfirst einen neuen Anlauf in Deutschland startet, schließe Parekh nicht aus. Doch zunächst werden beide Rocket-Startups sich weiter auf London konzentrieren.

Bild: Everdine; Der Artikel ist nachträglich angepasst worden.