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Die Gründer von Evrgreen bei DHDL: Philip Ehlers (links) und Jan Nieling

Man braucht Mut, um einen Pitch vor Investoren vorzutragen. Noch mehr Mut gehört dazu, das im Fernsehen zu machen, wenn über zwei Millionen Menschen zuschauen. Die beiden Gründer Jan Nieling und Philip Ehlers haben genau das mit ihrem Pflanzen-Startup Evrgreen in der ersten Folge von Die Höhle der Löwen getan – und wurden von den Investoren in der Jury stark angegriffen: für ihr Geschäftsmodell, aber auch persönlich.

Frank Thelen sagte beispielsweise: „Ihr macht was, was trivial zu kopieren ist“. Carsten Maschmeyer sprach den Gründern gar ihre „Passion für Pflanzen“ ab und meinte: „Ich vermisse hier die Kompetenz zu Pflanzen.“ Er glaubte, sogar seine Gartenpraktikantin hätte mehr Ahnung von der Materie.

Hier erzählt Philip Ehlers, 38, ob er den Auftritt in der Show wiederholen würde, welchen Eindruck er von den Investoren hat und was er anderen Startups vor einem solchen Pitch raten würde.

Philip, hat sich der Auftritt in der Show für euch gelohnt?

Auf jeden Fall!

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Die Löwen störte, dass euer Produkt einfach zu kopieren ist. Ihr habt keine bestimmte Technologie entwickelt, also keinen schmutzigen Vorteil, wie Frank Thelen es genannt habt.

Klar, theoretisch kann man uns kopieren. Dafür braucht man aber viel Kapital. Wir haben bereits insgesamt 120.000 Euro in die Firma gesteckt, unter anderem mit einem Darlehen des Europäischen Sozialfonds. Den Rest haben wir privat gezahlt. Unser Vorteil ist auch, dass wir Evrgreen jetzt schon seit Jahren mit viel Leidenschaft aufbauen. In der Zeit haben wir einige Kooperationen geschlossen, beispielsweise mit sehr guten Gärtnereien. Wir haben Wissen angesammelt. Zum Beispiel hatten wir mal ein Projekt an der Designakademie, aus dem wir viele Learnings gezogen haben. Außerdem kann Jan extrem gut mit Kunden umgehen, man mag ihn automatisch – uns kann keiner kopieren.

Die Löwen kritisierten auch, dass ihr Pflanzen verkauft, aber wenig Ahnung davon hättet. Schließlich hättet ihr keine Gärtnerausbildung.

Wer von den Löwen macht denn heute das, was er mal gelernt hat? Wir haben uns in den vergangenen Jahren so viel mit Pflanzen auseinandergesetzt, dass das wie eine Ausbildung dafür war. Dafür brauchen wir kein Gärtner mehr zu sein. Wir arbeiten mit einer Menge Kooperationspartner zusammen, die uns mit ihrer Expertise helfen und unterstützen. Falls Fragen offen sind, können wir uns jederzeit an sie wenden. Und unser Wissen wächst täglich weiter. Manchmal träume ich sogar schon von botanischen Namen.

Habt ihr Evrgreen nur des Gründens wegens gegründet? Das war ja Carsten Maschmeyers Vorwurf.

Es ist natürlich so, dass wir Lust aufs Gründen hatten. Wir wollten etwas Eigenes aufbauen. In den klassischen Strukturen der etablierten Unternehmen schien uns das nicht möglich. Ich sehe nicht, was daran schlecht sein soll. Ich hatte zu der Zeit gerade einen Gründerkongress besucht, war voller Ideen und Tatendrang. Und dann sah ich, dass meine Zimmerpflanze eingegangen ist. Ich rief Jan an und der erzählte mir, dass er seit Jahren keine Pflanzen mehr hat, weil die bei ihm immer eingingen. Und vielen unserer Freunde ging es ebenso. So kamen wir auf die Idee für Evrgreen. Wenn jemand einen Schuhanzieher erfindet, heißt das ja nicht, dass er seit Jahren eine Leidenschaft für Schuhe hat – sondern, dass er sich für die Lösung eines Problems interessiert. So ist es bei uns auch.

Haben euch die Investoren missverstanden?

Missverstanden ist glaube ich falsch ausgedrückt. Da sitzen fünf Investoren, die sich innerhalb von ein paar Minuten vor der Kamera entscheiden müssen, ob sie investieren oder nicht. Wir können vollkommen verstehen, dass man da sehr kritisch nachfragt und nicht sofort überzeugt ist. Wir hätten sicher ein paar Sachen besser beantworten können. Und die Löwen hätten sich vielleicht nicht so sehr an der ein oder anderen Sache aufhalten sollen. Aber alles in allem können wir das so, wie es gelaufen ist, sehr gut stehen lassen. Es war eine tolle Erfahrung.

Was war euer Eindruck von den Löwen? Jetzt, da ihr sie persönlich getroffen habt.

Ganz ehrlich, als Jan und ich da raus sind, haben wir uns angeschaut und gemeint, dass das jetzt aber kurz gewesen sei. Uns kam es vor, als ob wir nur 20 Minuten mit den Löwen gehabt hätten. Insgesamt waren wir aber zwei Stunden da drin. Das wurde später stark zusammengeschnitten. Es kam uns vor wie ein einziger Film. Da konzentriert man sich voll und ganz auf das, was gefragt wird und was man antwortet und nicht so sehr auf den Charakter der Löwen.

Seid ihr zufrieden mit dem, was gezeigt wurde?

Ja, wir finden die Ausstrahlung sehr gut. Sicher wurden viele kritische Sachen gesagt. Daraus können wir nur lernen.

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Was sind denn eure Learnings?

Wahrscheinlich achte ich in Zukunft mehr darauf, ob unsere Geschäftsidee wirklich zu dem Investor passt. Und stimme den Pitch darauf mehr ab. Bei DHDL haben manche Startups keine Chance, weil sie nicht in das jeweilige Portfolio der Löwen passen. Die können ihnen dann nicht weiterhelfen. Wir müssen das jetzt erst alles mal sacken lassen. Irgendwann in drei bis vier Wochen gucken wir uns die Show nochmal an und überlegen uns, was wir aus dem Pitch gelernt haben und was wir ändern sollten.

Wäre das auch, was ihr anderen Gründern raten würdet, bevor sie in die Show gehen: Also, dass sie sich vorher überlegen sollen, ob ihr Produkt überhaupt für einen der Investoren interessant sein könnte?

Ja, und dass sie da entspannt hereingehen und sich nicht verunsichern lassen sollen, wenn sie kritisiert werden. Die Höhle der Löwen ist sicherlich kein Streichelzoo – genauso wie das Gründen übrigens. Wer Kritik zu persönlich nimmt, ist hier falsch.

Was waren die Reaktionen auf euren Auftritt?

Von Seiten der Kunden aus haben wir uns mehr erhofft. Wir sprachen vor der Show mit vielen anderen Gründern, die da schon aufgetreten sind. Von denen bekamen wir Referenzwerte, wie sich die Umsätze nach dem Auftritt erhöht haben. Daran kommen wir noch nicht ran. Aber ich habe auch schon von Startups gehört, die zwei, drei Monate nach der Sendung plötzlich wesentlich höhere Kundenzahlen hatten. Das müssen wir abwarten und in ein paar Wochen analysieren.

Und was sagten Freunde und Familie?

Klar, von denen haben wir ehrliches Feedback bekommen. Manche haben sich darüber aufgeregt, was die Löwen gesagt haben. Zum Beispiel, dass Maschmeyer gemeint hat, dass seine Gartenpraktikantin sich wahrscheinlich besser mit Pflanzen auskennen würde als wir. Das fanden einige Leute gemein. Aber hey: So ist es im Fernsehen. Es ist eine Show und die lebt von solchen Sprüchen. Deshalb gibt es dort ja überhaupt so jemanden wie Maschmeyer, der solche Sätze raushauen kann. Wir hatten uns von Anfang an darauf eingestellt und das sage ich den Leuten dann auch. Und natürlich stehen die hinter uns. Alle haben gesagt, dass wir sympathisch waren, auch wenn wir manchmal etwas irritiert in die Kamera geguckt haben.

Bild: Evrgreen