EXIST Gründerförderung

Wohin mit dem unternehmerischen Spirit im akademischen Milieu?

Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind wahre Ideenhochburgen – und das nicht nur im Kleinen betrachtet, wenn es um geniale Projektarbeiten oder neuartige Forschungsmethoden geht. Auch innovative Geschäftsideen lassen sich zuhauf in den vielen akademischen Hallen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen finden.

Und dennoch: Nicht immer wird dem unternehmerischen Potenzial von Studierenden ausreichend Beachtung geschenkt, sodass sie oftmals mit ihrem Entrepreneurial Drive allein dastehen. Viele Studierende wissen zudem gar nicht, dass es an ihren Hochschulen professionelle Programme gibt, die sie in ihren Business-Vorhaben unterstützten. Zahlreiche Forschungsergebnisse bleiben unverwertet.

Entwicklung einer lebendigen Gründungskultur durch EXIST

Wissensbasierte Ausgründungen – vor allem solche mit Technologiefokus – sind jedoch wertvolle Innovationstreiber und damit zentral für die Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Doch bis ein Produkt marktfertig ist, sind intensive Forschungs- und Entwicklungsarbeiten erforderlich. Und diese sind äußerst kosten- und zeitaufwändig.

Ein Programm, das sich seit 2007 der Unterstützung von Hochschulabsolventen beim Sprung in die Selbstständigkeit, der Verankerung einer hochschulweiten Gründungsstrategie und damit der generellen Stärkung vom Unternehmertum hierzulande angenommen hat, ist EXIST. Mit drei verschiedenen Ausrichtungen fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) Unternehmensgründungen aus der Wissenschaft, die einen innovativen technologierorientierten oder wissensbasierten Schwerpunkt haben.

  • Das EXIST-Gründerstipendium unterstützt Studierende, Absolventen und Wissenschaftler mit Fördermitteln und Coaching in ihren Gründungsvorhaben.
  • Der EXIST-Forschungstransfer fördert forschungsbasierte Gründungsvorhaben, an denen aufwändige und risikoreiche Entwicklungsarbeiten hängen.
  • Die EXIST-Gründungskultur zielt darauf ab, eine lebendige Gründungskultur an Hochschulen und Universitäten zu etablieren und die Themen Unternehmertum und Selbstständigkeit als Karrieremöglichkeit sichtbarer zu machen. Durch das Programm werden Hochschulen bei der strategischen Planung und konkreten Umsetzung von gründungsunterstützenden Maßnahmen gefördert und begleitet.

Verbesserte Förderbedingungen

Mit den neuen Richtlinien, die ab Oktober 2016 in Kraft treten, haben sich die Förderbedingungen für die Programme verbessert. So erhöhte sich der Kinderzuschlag im Gründerstipendium von 100 auf 150 Euro pro Monat und Kind. Eine Anreizprämie für Hochschulen von 10.000 Euro pro bewilligtem Gründerstipendium-Vorhaben beziehungsweise 20.000 Euro pro bewilligtem Forschungstransfer-Vorhaben soll zudem sicherstellen, dass die hochschulweiten Gründungsnetzwerke ihre Beratungs- und Unterstützungsleistungen sichern und ausbauen können.

Alle Informationen zu den Fördermitteln gibt es hier!

Zwei Startups – eines durch EXIST-Forschungstransfer und das andere durch EXIST-Gründerstipendium gefördert – zeigen, wie sie im Zuge dieser Unterstützung ihr Business voranbringen konnten und welche unternehmerische Mission sie verfolgen.

INURU – die Erleuchtung kam im Sushi-Restaurant

INURUDie Idee, Papier zum Leuchten zu bringen, kam den beiden INURU-Gründern Marcin Ratajczak und Patrick Barkowski in einem Sushi-Restaurant. Schuld daran sei die Zeichnung eines Fisches in der Menükarte gewesen. „Bei dessen Anblick kam uns der Gedanke, dass es doch angenehm wäre, wenn er hervorsticht und über das Blatt schwimmt. Sofort waren wir von der Idee geflasht, wie effektiv die Darstellung von leuchtenden und animierten Inhalten auf allen möglichen Flächen wäre,“ erzählt Ratajczak.

Gesagt, getan: INURU druckt seit 2016 organische Leuchtioden, kurz OLEDs, die in Printmedien eingesetzt werden sollen. Die 0,3 Millimeter dünnen und biegbaren Leuchtflächen mit integrierter Batterie entwickelten die beiden an der Professur für Digitale Drucktechnologie und Bebilderungstechnik an der TU Chemnitz. Wie funktioniert das Ganze?

Das druckbare Licht-Sandwich

OLEDs könne man sich wie ein Sandwich vorstellen. „Die beiden Brothälften sind die Elektroden, zwischen denen sich mehrere Nanometer dünne Schichten befinden. Schließt man Strom an die Elektroden, fangen die Schichten an zu leuchten“, so Ratajczak. INURU stellt fünf bis sieben Tinten für jede dieser Schichten her, von der jede einzelne eine gewisse Funktion in der OLED erfüllt. Die Tinten werden dann in einem Tintenstrahldrucker befüllt. Dieser druckt anschließend Schicht für Schicht übereinander. Was am Ende dabei herauskommt, ist die fertige OLED.

INURU OLEDs

Wenn dem Papier ein Licht aufgeht – OLEDs im Einsatz

Das Potenzial der OLEDs sieht der Gründer insbesondere in Papierprodukten und Verpackungsmaterialien. Print ist noch immer ein Milliardenmarkt, Printmedien wandeln sich immer mehr zu Premiummedien. Vor allem Werbetreibende sollen von den INURU-OLEDs profitieren – denn Lichteffekte in Werbung ziehen eine viel höhere Aufmerksamkeit auf sich als klassische Werbeformate. Auch redaktionelle Darstellungen wie Infografiken oder Bedienungsanleitungen seien denkbar. „Ebenfalls wäre es mit unserem Verfahren möglich, stimmungsvolle Beleuchtungslösungen oder sogar ganze Fernseher zu drucken.“

Intensive Anwendungsforschung

Mit den Fördermitteln des EXIST-Forschungstransfers konnte INURU seine Druckmethode weiterentwickeln, das Unternehmen gründen und sich die die wichtigsten Patente sichern. Das Team hat bereits die Produktion und internationale Supply-Chain etabliert und erfolgreich getestet. „Das EXIST-Programm gibt Kapital in einer Phase, in der der Markt nur selten einsteigt. Die Begleitung durch den Projektträger Jülich war wirklich exzellent: Neben den vielen hilfreichen Maßnahmen standen uns unsere Betreuer bei Schwierigkeiten stets zur Seite und unterstützen, wo sie nur konnten.“

Die leuchtenden Eyecatcher sind derweil marktreif – für Ratajczak & Co. geht es nun an Kundenakquise und Folgefinanzierung.

integrAi.de – EXIST-Team Nummer 1.500 hilft Flüchtlingen bei der Integration

Dass EXIST nicht ausschließlich rein technologieorientierte Gründungsvorhaben, sondern auch solche mit sozialer Motivation unterstützt, zeigt die Vergabe des 1.500. EXIST-Gründerstipendiums, das an integrAi.de ging. Mit seinem Job Coach-Konzept will das Projekt Geflüchtete deutschlandweit besser in den Arbeitsmarkt integrieren.

Das Team von integrAi.de

integrAi.de wurde im September 2015 von Studierenden, Absolventen und Professoren der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Uni Würzburg gegründet. „Wir haben schnell Potenzial im Job Coaching gesehen und deswegen beschlossen, das Ganze durch eine Gründung einer gGmbH professionell auf die Beine zu stellen“, erzählt Mitgründer Joscha Riemann, der sich um den Vertrieb und das Projektmanagement kümmert.

Die Brückenbauer: Coaching und Tools für Job Coaches

Die ehrenamtlichen Job Coaches werden im Rahmen einer zweitägigen Schulung ausgebildet, in der sie alle wichtigen Grundlagen für ihre Aufgabe vermittelt bekommen – unter anderem interkulturelle Kompetenzen, rechtliche Rahmenbedingungen und das Handling der integrAi.de-Tools.

Verschiedene Online- und Offline-Tools unterstützen die Coaches bei der Vermittlung der Flüchtlinge. Die Job Database sammelt Infos von Flüchtlingen und Unternehmen, um beide Seiten überregional und passgenau matchen zu können. Der Job Tree wiederum hilft bei Arbeitsrechtsfragen und im Job Coach Forum sollen sich die Job Coaches zukünftig über ihre Tätigkeiten, Probleme und Erfolge austauschen können.

Anschubhilfe von EXIST

Damit das Konzept deutschlandweit skalieren kann, benötigt das Team professionelle Strukturen. „Im Zuge der Bewerbung bei EXIST haben wir uns sehr konstruktiv Gedanken gemacht, wie das Konzept auf den Markt gebracht werden soll und welche Partner wir dazugewinnen wollen“, so Riemann. „Das Job Coaching wurde von den Gutachtern auf Herz und Nieren geprüft – und das Modell nicht nur für sinnvoll, sondern auch für langfristig tragfähig und erfolgversprechend bewertet. Dies ist ein Qualitätssiegel, das integrAi.de hoffentlich für potenzielle Geldgeber attraktiv machen wird“, führt er aus. „Für uns ist EXIST so viel mehr als eine Finanzspritze. Wir können der Arbeit an unserem Herzensprojekt nachgehen, welches uns das Gefühl gibt, etwas Sinnvolles zu tun.“

Die Fördermittel wird das Team vor allem für die weitere Entwicklung der Tools und fürs Marketing einsetzen. Denn um die Vermittlung von Flüchtlingen weiter zu beschleunigen und verbessern zu können, muss integrAi.de mehr Pilotgemeinden und Partner für sein Netzwerk gewinnen und die Arbeit der Job Coaches vereinfachen.

 

Alle Infos zu EXIST gibt es hier!

 

Artikelbild: pexels.com
Bild INURU-Gründer: WISTA-MANAGEMENT GMBH
Bild integrAi.de: Gregor Sibeth