„Ende 2018 wollen auch wir den Schritt ins Ausland wagen“, sagt Evopark-Mitgründer Sven Lackinger

Ein Exit gilt in der Startupszene als Erfolg. Drei Jahre nach der Gründung ist dem gehypten Kölner Parkstartup Evopark nun der Verkauf gelungen, wie NGIN Mobility und Gründerszene berichteten: Drei Viertel der Anteile gehen an das mittelständische Unternehmen Scheidt & Bachmann aus Mönchengladbach, die restlichen 25 Prozent verbleiben bei den Gründern. Evopark wird es aber weiter geben. Nach dem Verkauf bleiben alle vier Gründer und die rund 20 Mitarbeiter an Bord, operativ soll sich wenig ändern.

Das Startup hat eine Parkkarte entwickelt, die den Zugang zum Parkhaus und dort ein bar­geld­lo­ses Be­zah­len er­mög­licht. Eine App zeigt freie Plätze in Park­häu­sern an­. Allerdings soll sich künftig die Ausrichtung ändern, die eigene Endkunden-Karte und App zunehmend vom Markt verschwinden und ausschließlich über Partner vermarktet werden. Heute zählen dazu beispielsweise der Versicherer AXA oder der Autobauer Porsche, der auch an dem Startup beteiligt war.

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Investor Scheidt & Bachmann zählt weltweit zu den größten Playern auf dem Markt mit Parkhaussystemen und ist mit mehr als 3.000 Mitarbeitern in 50 Ländern zum Global Player avanciert. Evopark soll jetzt das 1872 gegründete Familienunternehmen für das digitale Zeitalter fit machen. Im Interview spricht Evopark-Gründer Sven Lackinger darüber, wie der Deal zustande kam, was sich durch die Übernahme ändert– und warum Alt-Investor Porsche nicht zugeschlagen hat.

Sven, wie ist es zu dem Verkauf an den Mittelständler Scheidt & Bachmann gekommen?

Seit unserem Start 2014 haben wir mit dem Anbieter für Parksysteme aus Mönchengladbach zusammengearbeitet, einen unserer ersten Termine hatten wir dort. Das erste Parkhaus, das mit dem Evopark-System funktionierte, haben wir gemeinsam mit Scheidt & Bachmann ausgerüstet. Im vergangenen Jahr lag unser Fokus zunehmend auf der Entwicklung unserer Technologie, weg vom Endkundengeschäft. Die Zusammenarbeit mit einem der größten Branchenplayer war für uns der nächste logische Schritt.

Wie soll die Zusammenarbeit konkret aussehen?

Die evopark Technologie ist bereits seit unserem Start in die Schrankensysteme von Scheidt & Bachmann sowie die weiterer Systemhersteller integriert. Der Ausbau unseres Netzwerks mit Unterstützung von Scheidt & Bachmann steht ganz oben auf unserer Agenda. Gemeinsam mit dem Unternehmen entwickeln wir außerdem derzeit digitale Zusatzangebote rund um das Thema Parken, mit denen Mobilitätsanbieter und Parkhausbetreiber ihren Kunden einen interessanten Mehrwert bieten können.

Bedeutet das, dass Ihr Euer System jetzt nur noch Scheidt & Bachmann zur Verfügung stellt?

Nein, ganz im Gegenteil. Wir bleiben auch weiterhin eine unabhängige Plattform, das heißt, wir arbeiten weiter mit den anderen Playern im Markt zusammen: Versicherer, Automobilhersteller, Schrankensystemanbieter und Parkhausbetreiber.

Warum hat Scheidt & Bachmann Euch dann gekauft?

Das Unternehmen macht seit 50 Jahren Parkhausanlagen, derzeit steckt die Branche mitten in der Umstellung auf digitale Dienste – so wie den von Evopark. Einige Themen – wie die Tiefe der technischen Integration – lassen sich noch besser über eine Beteiligung lösen.

Welche Perspektive bietet der Verkauf Euch als Gründern?

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Unser wichtigstes Ziel ist die weitere erfolgreiche Entwicklung von Evopark. Dafür suchten wir Unterstützung bei der Skalierung und beim internationalen Wachstum. Außerdem passt die Zusammenarbeit nicht nur inhaltlich, sondern auch, weil wir mit den Mitarbeitern von Scheidt & Bachmann gerne zusammenarbeiten.

Wie wollt Ihr jetzt mit eurem Dienst expandieren?

In Deutschland sind wir derzeit in 28 Städten und 86 Parkhäusern und Tiefgaragen vertreten, jetzt wollen wir expandieren. Dabei erhoffen wir uns, von unserem neuen Partner, der global unterwegs ist, zu profitieren. Ende 2018 wollen auch wir den Schritt ins Ausland wagen, zunächst innerhalb Europas.

Porsche hat im vergangenen Jahr mit viel Aufsehen bei Euch investiert. Damit war ja bereits ein strategischer Investor an Bord. Warum hat der Autobauer bei Euch nicht zugeschlagen?

Für Porsche war das tatsächlich ein strategisches Investment, es ging nicht darum, in den Markt für Parklösungen einzusteigen. Deshalb war Porsche bereit, die erworbenen Anteile wieder abzugeben. Die Kooperation bleibt aber bestehen und wird sogar noch weiter ausgebaut: Unser System ist bereits in den neuen Cayenne integriert.

Beim Endkundengeschäft habt ihr vor allem über solche Kooperationen wie mit Porsche Eure Reichweite ausgebaut. Bleibt Ihr dabei?

Ja. Mittelfristig werden wir das Endkundengeschäft ganz aufgeben und unseren Service ausschließlich über unsere Partner anbieten. Später, wenn Carsharing und autonome Shuttles das eigene Auto zunehmend ersetzen, stellt sich ohnehin die Frage, wie viele Privatkunden es überhaupt noch geben wird. Deswegen sehen wir unsere Zukunft im B2B-Geschäft.

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Derzeit läuft bei Euch ein Forschungsprojekt in Kooperation mit Fraunhofer. Dabei geht es um die Entwicklung alternativer Parkraumkonzepte. Bleibt das Vorhaben bestehen?

Ja, dort forschen wir bis Ende 2019 an weiteren Use Cases, beispielsweise, wie das Parkhaus in Zeiten geringer Auslastung von Logistikern als temporärer Hub genutzt werden kann. Das könnte ebenfalls ein künftiger Markt sein.

Bild: Evopark