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Wann ist der perfekte Exit-Zeitpunkt?

Das Geschäftsmodell eines Venture-Capitalisten ist, in junge Unternehmen frühzeitig zu investieren – wenn der Unternehmenswert noch niedrig ist und das Risiko hoch – um dann einige Jahre später die Geschäftsanteile zu einer höheren Unternehmensbewertung zu verkaufen.

Exit-Möglichkeiten

Ein Exit ist für einen Investor eine Desinvestition. Der Kapitalgeber zieht sich als Anteilseigner aus dem Unternehmen zurück. Er verkauft seine Anteile an der Börse, an andere Unternehmen, Risikokapitalgesellschaften oder bietet sie dem Unternehmenseigner zum Rückkauf. Folgende Exit-Möglichkeiten sind üblich:

  • Initial-Public-Offering (IPO): Normalerweise folgt hier die Börsennotierung des Unternehmens und die Anteile werden am Markt verkauft.
  • Trade-Sale: Das Unternehmen wird von einem anderen Unternehmen, meist aus derselben Branche, übernommen.
  • Secondary-Sale: Der Risikokapitalgeber veräußert seine Beteiligung an einen weiteren Investor.
  • Company-Buy-Back: Der Unternehmer erwirbt die Anteile des Risikokapitalgebers zurück.
  • Liquidation: Wenn es das Unternehmen nicht schafft, aus eigener Kraft zu überleben und es auch keinen Käufer findet, wird das Unternehmen liquidiert.

Exit-Strategien

Ein VC macht sich bereits vor dem initialen Investment Gedanken, ob es für das Unternehmen einen Exit-Markt gibt, beziehungsweise in Zukunft geben könnte. Auch wenn noch Jahre entfernt, analysiert der VC verschiedene denkbare und gangbare Exit-Szenarien und bespricht diese mit dem Gründer. Ein gemeinsames Verständnis ist wichtig. Denn die Exit-Analyse und die dabei erkennbaren Exit-Szenarien werden bereits im Vorfeld einer Investition berücksichtigt und beeinflussen die Entscheidung Für und Wider.

Exit-Zeitpunkt

Als Unternehmer habe ich Exits durchgeführt und als Busines- Angel und VC-Investor solche begleitet. Meine Erfahrung zeigt:

  • Abwarten: Wenn ein Startup in einem interessanten Sektor ist, wenn es eine innovative Technologie besitzt, wenn es sich hinsichtlich Produkte, Kunden, Umsatz gut entwickelt und sich zudem noch in einem Wachstumsmarkt befindet, dann wird ein solches Unternehmen in der Regel gekauft und muss sich nicht am Exit-Markt anbieten. Gerade bei erfolgreichen Unternehmen kommt eine Exit-Chance oft zu früh. Das bedeutet schlichtweg, man entwickelt das Unternehmen noch – baut etwa Umsätze aus, internationalisiert, erweitert die Produktpalette. Nun ist es wichtig, ruhig zu sein und nicht gierig. Es gilt, sich als Unternehmer mit seinen Investoren zu besprechen.
  • Den Preis entwickeln: Wird ein Exit zu früh gesucht und das Unternehmen reift noch, bleibt Geld auf dem Tisch liegen. Entwickelt man das Startup noch ein paar Jahre und positioniert es besser, erhöht sich der Exit-Preis. Ein Exit sollte ergo ganz taktisch vorbereitet werden. Es macht beispielsweise Sinn – bereits ein paar Jahre vor einem Ausstieg – Beziehungen zu möglichen Käufern zu knüpfen und das Unternehmen durch entsprechende Kommunikation zu behaupten.
  • Operativ arbeiten: Leider habe ich oft gesehen, dass Gründer-/Management-Teams das operative Geschäft im Exit-Prozess stark vernachlässigen. Achtung, denn die meisten M&A-Gespräche verlaufen im Sande. Ich halte diesen Punkt für sehr wichtig, da ich bereits mehrfach gesehen habe, wie Gründer nach gescheiterten Exit-Verhandlungen mit leeren Händen und einem angeschlagenen operativen Geschäft dastanden. Manchmal sogar mit dem Verlust von wichtigen Mitarbeitern kämpften. Ein paar Tipps, um das operative Geschäft so wenig wie möglich zu belasten:

– Nur einer der Gründer/Manager beschäftigt sich mit dem Exit-Prozess.

– Eventuelle Anfragen werden von Mitgliedern des Aufsichtrates oder von einem der Investoren gefiltert.

– Das Unternehmen engagiert einen M&A-Berater.

  • Das Team schützen: Auch wenn ich für eine offene und transparente Unternehmenskultur stehe, ist es wichtig, die Mitarbeiter solange wie möglich nicht zu informieren und den Exit-Prozess so lange wie möglich in einem möglichst kleinen Kreis zu managen. Sollten Gerüchte aufkommen, dann natürlich Karten auf den Tisch – soweit aufgrund eventueller NDAs erlaubt. Für das Team ist ein potentieller Exit ein unsicheres Event. Die Mitarbeiter beginnen sich über die Auswirkungen Gedanken zu machen und im schlimmsten Fall wandern sie ab, obwohl der Exit noch gar nicht fest steht. Irgendwann kommt der richtige Zeitpunkt, das Team einzubinden.
  • Einen M&A Berater einschalten: Es macht meiner Meinung nach Sinn, einen externen M&A-Berater zu engagieren, um den Verkaufsprozess anzuschieben, zu strukturieren und die Verhandlungen zu führen, besonders dann, wenn der Unternehmer darin noch unerfahren ist. Bitte bedenkt, dass der gesamte Verkaufsprozess eines Unternehmens in der Regel sechs bis zwölf Monate dauert.

Ist der richtige Exit-Zeitpunkt entschieden, so folgen – mit der kommenden Kolumne – die Herausforderungen beim Exit selbst.

Bild: Lupo / pixelio.de