Das Exporo-Team Tim Bütecke, Julian Oertzen, Simon Brunke und Björn Maronde (von links)

Es drängen wieder neue Player auf den Proptech-Markt: Das Berliner Startup iFunded hat kürzlich seine erste Crowdinvesting-Kampagne für Immobilien gestartet und der Inkubator Finleap will über seine Plattform Zinsbaustein Immobilien finanzieren. Nun hat einer der ersten deutschen Player aus der Branche 8,2 Millionen Euro eingesammelt: Exporo aus Hamburg holt sich Geld von E.ventures, Holtzbrinck, Sunstone und BPO Capital.

Die Modelle der Startups ermöglichen es Kleinanlegern, in Immobilien zu investieren – eine Investmentart, die vorher vor allem für Großinvestoren zugänglich war. Der Hintergrund der Crowd-Plattformen: Um eine Immobilie zu bauen, braucht ein Projektentwickler auch Eigenkapital – abgesehen von einem Kredit der Bank. Dieses Eigenkapital holen sie sich zum Teil von den Crowdinvestoren über sogenannte Nachrangdarlehen. Die Anleger erhalten dafür etwa fünf Prozent Zinsen pro Jahr. Verbraucherschützer sagen, man sollte sich bei einem solchen Investment grundsätzlich mit Immobilien auskennen.

In den USA hat die Plattform Sharestates bereits 100 Millionen US-Dollar vermittelt, während die Startups in Deutschland bisher nur kleinere Summen des riesigen Immobilienmarktes abwickeln. Exporo ist 2014 als eines der ersten Ventures mit einem solchen Modell hierzulande gestartet. Bergfürst, Zinsland oder Fundernation sind mit ähnlichen Modellen am Markt. Mit der Serie A will Exporo nun an Fahrt gewinnen: Das Marketing wird angekurbelt und neues Personal kommt an Bord.

Gründer Julian Oertzen erklärt im Interview, wie er sich von der Konkurrenz abheben will – und wie Exporo den Durchbruch schaffen soll.

Julian, vor Kurzem sind mit Zinsbaustein und iFunded zwei neue Player gestartet. Wie hebt sich Exporo vom Wettbewerb ab?

Unsere Plattform hat seit dem Start vor knapp zwei Jahren 18 Immobilienprojekte vermittelt, mit einem Volumen von ungefähr 19 Millionen Euro. Bis heute wurden bereits fünf Projekte mit einem Volumen von sechs Millionen Euro wieder an die Anleger zurückgezahlt. Bei keinem Projekt kam es zu Verzögerungen. Das ist ein Signal an die Crowdinvestoren, dass unsere Auswahl verlässlich ist. Mit diesem Trackrecord heben wir uns vom Wettbewerb ab. Außerdem wollen wir den Anlegern sehr verständlich erklären, was genau die Risiken sind.

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Mit einer genauen Dokumentation brüsten sich alle Player im Markt. Was macht ihr anders?

Wir suchen die Projekte nach eigenen Kriterien aus. Dazu zählen etwa die Lage der Immobilie und die Erfahrung des Projektentwicklers. Außerdem schauen wir, wie gut das Immobilienprojekt mit Eigenkapital ausgestattet ist und ob es bereits einen bewilligten Kredit von der mitfinanzierenden Bank gibt. Es ist immer eine Gratwanderung, weil wir den Nutzer ja auch nicht mit Informationen überfrachten wollen, gleichzeitig alle relevanten Infos bereitstellen möchten.

Wer ist eure Zielgruppe?

Die Anleger sind im Durchschnitt zwischen 45 und 60 Jahre alt. Sie suchen mit dem Immobilien-Crowdinvestment eine Alternative in Zeiten von niedrigen Zinsen. Unserer Erfahrung nach kennen sie sich mit Geldanlagen aus. Das merken wir zum Beispiel an den Fragen, die Anrufer an unserem Service-Telefon oder per Email stellen. Das Durchschnittsinvestment liegt zwischen zwei- und sechstausend Euro je nach Projekt. Momentan sind unsere Anlegerzahlen noch recht überschaubar: Wir haben etwa 3.000 aktive Anleger, die regelmäßig in Projekte investieren.

Den richtigen Durchbruch hat – im Vergleich zu den US-Vorbildern – in Deutschland noch keine Plattform erreicht.

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Deswegen wird ein großer Teil des Fundings auch in Marketing fließen – unser Modell muss bekannter werden. Wir werben künftig stärker über verschiedene Online-Marketing-Kanäle wie SEO oder Mailing-Aktionen. Mein Mitgründer Björn ist auf diesem Gebiet Experte. In gedruckten Zeitungen werden wir allerdings nicht werben, weil dadurch ein Medienbruch entsteht.

Euer Geschäftsmodell beruht darauf, dass euch die Projektentwickler bezahlen. Wie hoch ist diese Provision?

Die liegt je nach Projekt zwischen drei und acht Prozent. Im Markt gibt es alternativ auch Immobilieninvestment in Form von Fonds, bei denen die Vermittler teilweise 15 bis 20 Prozent bekommen, allerdings wird dadurch ein großer Teil der Rendite für den Anleger aufgefressen. Das ist ja einer der großen Vorteile des Crowdinvestings: Die Kosten sind relativ niedrig und so bleiben mehr Rendite.

Bild: Exporo