Facebook-Payment-Konkurrenz

Ein Beitrag von Jonas Piela, CEO des mobilen Bezahldienstes Avuba.

Selbst Deutschlands Fintech-Experte André M. Bajorat hat das neue Payment-Update für Facebook Messenger mit einem „PENG!“ angekündigt. Nachdem Facebook bereits im letzten April eine kleine Banklizenz in Irland erworben hat, kommt nun das lang erwartete Update zum Messenger.

In Zukunft sollen Nutzer Geld über Facebooks Messenger so einfach versenden können, wie sie das heute bereits mit Kurznachrichten machen. Nach eigenen Angaben tut Facebook das, weil bereits heute viele Konversationen darum kreisen, wer wem was bezahlen muss. Da ist es nur eine logische Konsequenz, auch die letzte Station des Geldtransfers anzubieten – kostenlos, versteht sich.

Facebook hat im vierten Quartal 2014 mehr als drei Milliarden Dollar mit Werbung verdient. Da kann man sich auch einen Bezahldienst leisten, um die Nutzer bei Laune zu halten. Venmo (US), Payfriendz (UK), Mobile Pay von Danske Bank, Swish in Schweden, PingIt (UK), Paypal und Cringle wird es vermutlich nicht freuen.

Dass Facebook diesen Schritt gehen würde, ist keine Überraschung. Sie haben die Reichweite, die Adoption, den Brand und auch die technische Infrastruktur, um Zahlungen abwickeln zu können. Eine Herausforderung besteht jetzt darin, diesen Dienst nicht nur über die USA, sondern auch über die Welt und, relevant für uns, über Europa auszurollen.

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Die Sache ist aber nicht so einfach, wie sie scheint. Google bietet seit geraumer Zeit über seinen E-Mail-Dienst Gmail die Möglichkeit, Freunden Geld zu senden – aber noch nicht in Deutschland. Das oft zitierte und als Banken-Killer bezeichnete Apple Pay arbeitet auch noch an seinem Europa-Launch. Ob sich die traditionellen Banken darüber freuen können, bleibt offen. Es ist zwar schön, dass die großen Silicon-Valley-Player sich die Zähne am Bankensystem wundbeißen, aber wirklich flexibel ist die eigene Infrastruktur auch nicht. Das sieht nach Schiffe-Versenken auf Tanker-Niveau aus.

Blöd an dieser Stelle ist, dass Nutzer zwar gern Geld an Freunde senden, aber nur, wenn dies mit keinem großen Aufwand verbunden ist. Registrieren, Identifizieren, Konto oder Kreditkarte verknüpfen, Geld aufladen, Geld senden, Geld empfangen, Geld auszahlen, auf Überweisung warten und Geld verwenden addieren sich nicht zu einem Nutzererlebnis, das nach einfach schreit. Von neun Punkten wollen Nutzer nur drei wirklich machen: Geld senden, Geld empfangen und Geld verwenden.

Eine Lösung, die hier direkt mit dem Konto verknüpft ist oder sogar in das Konto integriert ist, ist klar im Vorteil. Wenn es für Europas Fintech-Startups einen Weg gibt, sich gegen Facebooks Messenger zu positionieren, dann ist es eine einfache, auf das Wesentliche reduzierte Geld-Senden-Lösung in einem vollwertigen Konto. Überraschend ist, dass Traditionelle wie DKB und Comdirect da in die richtige Richtung denken, wenngleich offen bleibt, ob sie es schaffen, eine wirklich unkomplizierte und einfache Lösung zu bieten.

Die Herausforderung, vor der alle Player stehen ist, dass Banking, Payment und Finanzen nicht das Feld sind, auf dem das Prinzip „fail fast, fail often“ Anwendung finden kann. Es gibt einen Grund, warum die Infrastruktur so kompliziert ist, wie sie ist. Es müssen nicht nur eine Vielzahl von Partnern Hand in Hand arbeiten; viel wichtiger ist, dass Nutzer darauf vertrauen können, dass ihr Geld sicher ist und dass das System nicht für betrügerische Handlungen verwendet wird.

Hier fallen oft die Wörter Geldwäsche und Nutzeridentifizierung, die so manches Startup gern aus dem Vokabular streichen würde. Die Behörden zur Finanzaufsicht auf der ganzen Welt sind aber nicht umsonst daran interessiert, wo Geld herkommt und wo es hingeht (die Details zur Geldwäscheprävention würden den Rahmen des Artikels sprengen).

Wenn es um rechtliche Komplikationen, die Verhindung von Kriminalität und das Geld von Nutzern geht, muss jeder Schritt genau überlegt sein, und „mal eben“ ein MVP launchen dauert schnell mehrere Monate. Ganz ehrlich: Der Grund, warum so viele von Fintech reden und so wenig Resultate zu sehen sind und Versprechen oft nicht eingelöst werden können, ist, dass Startups übersehen, welche Sorgfalt bei der Arbeit mit dem Finanzsystem notwendig ist.

Das Startup mit den besten Chancen gegen Facebook und den Rest der Fintech-Welt beherzigt die begründeten Regeln des Finanzsystems und schafft für den Nutzer eine einfache, freundliche und mitreißende User Experience.

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